Das dürfte Mark Zuckerberg erneut in Schwierigkeiten bringen: Der Meta-Chef wurde schon mehrfach gefragt, wie es denn sein kann, dass Facebook-Usern Werbung präsentiert, die wie durch ein Wunder zu kurz vorher geführten Chats und Gesprächen passt.
Mark Zuckerberg bestritt bei einer Anhörung vor dem US-Kongress ausdrücklich jede Abhörpraxis. Er sprach sogar von einer „Verschwörungstheorie“. Zuckerberg vor den ernsthaft nachfragenden Abgeordneten: „Wir machen das nicht“.

Zuckerberg hat öffentlich gelogen
Klar – was (mal wieder) eindeutig belegt: Mark Zuckerberg ist nicht zu trauen. Auch wenn damals nicht bewiesen war, dass Facebook die Gespräche vollständig abhört und/oder für Werbezwecke auswertet, so war das kategorische „Wir machen das nicht!“ bei der Anhörung eine glatte Lüge gewesen.
Denn wie der Finanzdienst Bloomberg 2019 berichtete, gab es bei Facebook dieselbe Abhörpraxis wie bei Apple, Google und Amazon. Auch Facebook beschäftigte hunderte von Mitarbeitern, die von Usern gesprochene Texte transkribierten. Sie überprüften, ob die Spracherkennung im Facebook Messenger richtig funktioniert hatte. Denn viele User diktierten ihre Chat-Texte. Diese gesprochenen Texte wurden von Menschen abgehört und aufgeschrieben.
Aktuelle Entwicklungen: KI macht menschliche Abhörer überflüssig
Inzwischen hat sich die Lage dramatisch verschärft – aber auch verändert. Die großen Tech-Konzerne setzen mittlerweile fast ausschließlich auf KI-basierte Sprachanalyse. Meta (ehemals Facebook) nutzt fortgeschrittene Machine-Learning-Algorithmen, die weit präziser arbeiten als die damaligen menschlichen Transkribierer.
Das Problem: Diese KI-Systeme analysieren nicht nur die gesprochenen Worte, sondern auch Tonfall, Emotionen und Kontext. WhatsApp-Sprachnachrichten, Instagram-Reels mit Audio und Messenger-Diktierfunktionen – überall lauschen intelligente Algorithmen mit.
EU-Regulierung bringt neue Transparenzpflichten
Der Digital Services Act und die DSGVO haben zwar theoretisch mehr Transparenz geschaffen, praktisch ändert sich für die meisten User aber wenig. Zwar müsst ihr heute explizit zustimmen, wenn eure Sprachdaten verarbeitet werden sollen – aber wer liest schon das Kleingedruckte?
Meta hat seine Datenschutzrichtlinien entsprechend angepasst und informiert nun offiziell über die Sprachverarbeitung. Versteckt in seitenlangen AGB-Texten, die kaum jemand durchliest. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
In Chats sind Abhörpraktiken besonders heikel
Offizielles Ziel damals: Festzustellen, ob die Sprachanalyse im Facebook Messenger richtig funktioniert. Heikel an der Sache war, dass praktisch niemand wusste, dass nicht nur Maschinen zuhören (können), sondern eben auch echte Menschen. Auch wenn das offenbar stichprobenartig und anonymisiert erfolgte: Aus privaten Chats lassen sich jede Menge indiskreter Informationen ableiten. Denn wer reißt sich schon zusammen, wenn er mit Freunden chattet?
Heute ist die Situation noch brisanter: KI-Systeme können aus Sprachdaten viel mehr Informationen extrahieren als Menschen. Stimmungslagen, Gesundheitszustand, finanzielle Situation – alles lässt sich aus der Art, wie ihr sprecht, ableiten.
Was bedeutet das für euch konkret?
Die Sprachanalyse läuft heute vollautomatisch ab. Wenn ihr in WhatsApp, Instagram oder dem Messenger Sprachnachrichten verschickt oder die Diktierfunktion nutzt, werden diese Daten verarbeitet. Nicht mehr von menschlichen Zuhörern, sondern von KI-Systemen, die eure Sprache in Text umwandeln und dabei gleich eine Analyse eurer Interessen, Stimmung und Bedürfnisse erstellen.
Diese Informationen fließen direkt in die Werbeaussteuerung ein. Deshalb bekommt ihr manchmal Anzeigen, die verblüffend genau zu euren privaten Gesprächen passen. Kein Zufall, sondern Resultat ausgeklügelter Datenanalyse.
Schutzmaßnahmen und Alternativen
Wer sich schützen will, sollte die Diktierfunktionen in Meta-Apps meiden oder ganz auf datenschutzfreundlichere Messenger wie Signal oder Threema setzen. Diese verzichten auf Sprachanalyse und verschlüsseln eure Nachrichten Ende-zu-Ende.
In den Einstellungen von WhatsApp und Co. könnt ihr die Sprachverarbeitung zwar teilweise deaktivieren – dann funktioniert aber auch die praktische Diktierfunktion nicht mehr. Ein klassisches Dilemma zwischen Komfort und Privatsphäre.
Ein eindeutiger Betrug am Nutzer, der darüber nicht ausreichend informiert wurde. Bei Meta wiegt dieses Vergehen besonders schwer, weil die User in einem Chat privatere Dinge sagen als wenn sie Alexa und Co. eine Anweisung erteilen. Die damalige Diskussion über Abhörpraktiken bei Apple, Google und Amazon hätte Facebook zur proaktiven Information nutzen können.
Hat Meta aber nicht. Wie immer wird nur eingeräumt, was sich ohnehin nicht mehr leugnen lässt. Heute sind die Praktiken legal – aber nicht weniger problematisch. Armselig bleibt es allemal.
Zuletzt aktualisiert am 04.03.2026

