Der technische Fortschritt ist rasend – trotzdem bleiben manche Dinger immer mehr oder weniger gleich. Kalender und Kontakte zum Beispiel verwalten wir heute mehr oder weniger genauso wie vor zehn Jahren. Doch ab und an gibt es neue Ideen, neue Konzepte. Die App Humin zum Beispiel ordnet Kontakte nicht alphabetisch, wie sonst üblich, sondern nach anderen Kriterien.
Die App Humin stellt die übliche Ordnungsstruktur für Kontakte auf den Kopf. Humin ordnet die Kontakte nach anderen Kriterien, etwa wo habe ich jemanden getroffen oder welche Gemeinsamkeiten gibt es? Eine intelligente Art und Weise, die eigenen Kontakte zu ordnen – wenn man diese Fähigkeiten geschickt nutzt.
Nach der Installation muss man der App erst mal Zugriff auf alle Kontaktordner gewähren. Positiv: Die App speichert alles lokal im Gerät und entgegen der üblichen Praxis nicht auf irgendwelchen Servern, wo man seine Daten kaum kontrollieren kann. Die App erledigt vieles automatisch. Nach dem ersten Mix sieht man gleich, wer in derselben Stadt lebt oder gerade um die Ecke Urlaub macht,, welcher meiner Freunde mit wem verbunden ist und wo die Kontakte studiert haben. Auf alle diese Attribute hat man Zugriff und kann so schnell auf die Kontakte zugreifen. Das ginge auch in Facebook selbst, aber so ist es einfach bequemer – und einfacher.
Moderne Alternativen: Was hat sich seit Humin getan?
Humin war seiner Zeit voraus, wurde aber 2016 eingestellt. Die Idee der kontextuellen Kontaktverwaltung lebt jedoch weiter – und zwar erfolgreicher denn je. Heute bieten verschiedene Apps ähnliche Konzepte, oft sogar mit KI-Unterstützung.
Clay ist der wohl beste spirituelle Nachfolger von Humin. Die App nutzt künstliche Intelligenz, um Kontakte automatisch zu kategorisieren und zu verknüpfen. Sie erkennt berufliche Verbindungen, gemeinsame Hobbys oder Lebensereignisse und erstellt daraus sinnvolle Cluster. Besonders praktisch: Clay kann E-Mail-Signaturen analysieren und Job-Wechsel automatisch erkennen.
Monica geht noch einen Schritt weiter und funktioniert als persönlicher CRM. Die App hilft dabei, wichtige Details über Kontakte festzuhalten: Wann habt ihr zuletzt gesprochen? Was beschäftigt die Person gerade? Welche gemeinsamen Projekte laufen? Monica erinnert euch daran, wichtige Kontakte regelmäßig zu pflegen.
UpHabit konzentriert sich auf berufliche Netzwerke und schlägt vor, wann ihr welche Kontakte wieder aktivieren solltet. Die App analysiert eure Kommunikationsmuster und erkennt, welche Verbindungen vernachlässigt werden.
KI macht den Unterschied
Was 2014 bei Humin noch manuell passierte, übernimmt heute künstliche Intelligenz. Moderne Kontakt-Apps können:
- Automatische Kategorisierung: KI erkennt Beziehungsarten (Kollege, Freund, Familie) anhand von Kommunikationsmustern
- Smart Tagging: Wichtige Informationen aus E-Mails und Nachrichten werden automatisch extrahiert und den Kontakten zugeordnet
- Erinnerungssysteme: Die Apps schlagen vor, wann ihr jemanden kontaktieren solltet
- Duplikat-Erkennung: Mehrere Einträge derselben Person werden intelligent zusammengeführt
- Kontext-Integration: Verknüpfung mit Social Media, LinkedIn und anderen Plattformen für vollständige Profile
Datenschutz bleibt wichtig
Ein Punkt, den Humin richtig gemacht hat: lokale Datenspeicherung. Auch heute solltet ihr bei Kontakt-Apps genau hinschauen, wo eure Daten landen. Clay und Monica bieten beide Self-Hosting-Optionen für datenschutzbewusste Nutzer. UpHabit setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Viele der großen Tech-Konzerne haben inzwischen ähnliche Features in ihre Standard-Apps integriert. Google Kontakte nutzt KI für automatische Verbesserungen, Apple hat Siri-Vorschläge für Kontakte eingebaut. Diese Lösungen sind praktisch, aber ihr gebt eure Daten an die Konzerne weiter.
Die Zukunft der Kontaktverwaltung
Die nächste Generation von Kontakt-Apps wird noch intelligenter. Notion und Obsidian zeigen bereits, wie sich persönliche Datenbanken entwickeln. Kontakte werden Teil eines größeren „Personal Knowledge Management“-Systems, in dem alle Lebensbereiche miteinander verknüpft sind.
Sprachassistenten wie ChatGPT oder Claude können bereits heute bei der Kontaktpflege helfen – von personalisierten Nachrichten bis hin zu Terminfindung. In naher Zukunft werden diese Systeme noch nahtloser integriert sein.
Fazit: Humins Erbe lebt weiter
Obwohl Humin selbst Geschichte ist, war die App ein wichtiger Wegbereiter. Die Idee, Kontakte nach Kontext statt Alphabet zu ordnen, ist heute Standard in modernen CRM-Systemen und Networking-Apps. Wer seine Kontakte intelligenter verwalten möchte, findet heute deutlich ausgefeiltere Lösungen als damals – mit dem zusätzlichen Vorteil künstlicher Intelligenz und besserer Integration in bestehende Workflows.
Zuletzt aktualisiert am 17.04.2026

