In Kalifornien kommt der Kill Switch fürs Handy

von | 26.08.2014 | Tipps

In Kalifornien müssen Smartphones ab Juli 2015 einen „Kill Switch“ haben. Das ist eine Fernlöschfunktion. Besitzer sollen ihre Handys oder Smartphone aus der Ferne deaktivieren und die darin gespeicherten Daten wegschließen können. Alle Hersteller müssen ihre Geräte entsprechend ausstatten. Das soll Diebe abschrecken – bringt aber andere Probleme mit sich.

Auch Diebe mögen luxuriöse Dinge. Smartphones sind begehrte Klauware. Allein in Deutschland werden 3,5 Millionen Geräte im Jahr geklaut. Jeder zehnte Deutsche verliert sein Handy. Das ist im Rest der Welt nicht anders. Im US-Bundesstaat Kalifornien, wo die iPhone-Dichte besonders hoch sein dürfte, tritt deshalb am 1. Juli 2015 ein neues Gesetz im Kraft. Alle neu verkauften Geräte müssen dann über einen Kill Switch verfügen.

Im Gesetz SB-962 kann man die Details nachlesen. Ab Juli 2015 muss jedes verkaufte Handy durch entsprechende Software und/oder Hardware mit einer Funktion ausgerüstet sein, die eine Art Notstopp erlaubt. Das Gerät soll nach einem Diebstahl unbrauchbar gemacht werden können. Dazu kann der rechtmäßige Besitzer sein Gerät bei Verlust oder Diebstahl aus der Ferne deaktivieren, etwa über eine Website oder SMS. Ganz wichtig: Persönliche Daten werden gelöscht.

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Apple und Samsung haben es vorgemacht

Das Konzept ist nicht völlig neu. Hersteller wie Apple oder Samsung bieten Vergleichbares bereits an. Ein Kunde kann sein verloren gegangenes iPhone über iCloud unbrauchbar machen und die im Gerät gespeicherten Daten wegschließen. Allerdings nur, wenn die Funktion vorher auch aktiviert wurde (Opt-In). Samsung bietet für seine Luxus-Geräte eine ähnliche Funktion. Der Kill Switch soll jedoch demnächst in Kalifornien zwingend vorgeschrieben sein – nur wer sie ausdrücklich nicht will, kann sie abschalten (Opt-Out).

Außerdem darf sich Kill Switch nicht durch Einsetzen einer neuen SIM-Karte oder durch Resetten des Geräts aushebeln lassen. Da haben die Entwickler noch einige Arbeit vor sich.

Missbrauch möglich

Allerdings muss man sich auch über die mögliche missbräuchliche Verwendung Gedanken machen. So lassen sich Webseiten oder Zugangsdaten hacken, die genutzt werden, um Geräte zu sperren. Außerdem könnten sich auch Behörden Zugang zur Schnittstelle verschaffen wollen. Das ist in Kalifornien sogar ausdrücklich vorgesehen: Hier können sich Behörden im Rahmen des Public Utility Code Zugang zum Kill Switch verschaffen.

Denkbar wäre also, dass Behörden hingehen und einzelne Smartphones ausknipsen – etwa auf einer Demo. Das würde dann den Austausch über soziale Netzwerke erschweren. Man kann sich leicht vorstellen, in welchen Ländern eine solche Möglichkeit gerne auch im großen Stil ausgenutzt würde. Aber auch bei uns im Westen ist nichts mehr undenkbar.

Ob wir das wollen, dass Behörden früher oder später Smartphones ausschalten können, sollten wir diskutieren – bevor es zu spät ist. Denn eins dürfte sicher sein: Mit dem Argument, den Diebstahl von Handy unattraktiver zu machen, dürfte der Kill Switch früher oder später auch bei uns in Europa Thema sein. Das Argument ist klar: Die Hersteller haben doch bereits alles vorbereitet.

 

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