Internet.org und die Mission: 2,6 Milliarden Menschen online bringen

von | 22.08.2013 | Social Networks

Die digitale Kluft bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit: Während in Deutschland fast jeder online ist, haben weltweit noch immer über 2,6 Milliarden Menschen keinen Internetzugang. Besonders in Entwicklungsländern kostet ein Internetanschluss oft ein ganzes Monatsgehalt. Doch seit dem Start von Internet.org vor über zehn Jahren hat sich einiges getan – auch wenn die ursprünglichen Ziele noch lange nicht erreicht sind.

  • Was ist aus Internet.org geworden und welche neuen Ansätze gibt es heute?

Die von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg 2013 gestartete Initiative internet.org wurde später zu „Free Basics“ umbenannt und ist heute Teil von Metas Connectivity-Programmen. Das ursprüngliche Ziel war simpel: Die zwei Drittel der Menschheit ohne Internetzugang online zu bringen. Partner waren damals Nokia, Samsung, Ericsson und Opera.

Heute sieht die Realität gemischt aus: Free Basics läuft in über 60 Ländern und hat Millionen Menschen erstmals online gebracht. Allerdings gibt es nur Zugang zu einer begrenzten Auswahl an Websites – was Kritiker als „Internet zweiter Klasse“ bezeichnen. In Indien wurde das Programm 2016 sogar komplett verboten, weil es gegen die Netzneutralität verstoße.

Meta konzentriert sich heute verstärkt auf andere Connectivity-Projekte: Das 2Africa-Seekabel soll bis 2024 Afrika, Europa und Asien mit Hochgeschwindigkeits-Internet verbinden. Außerdem entwickelt Meta Terragraph-Technologie für städtische Gebiete und arbeitet an Express Wi-Fi-Hotspots.

  • Welche Technologien revolutionieren heute den Internetzugang?

Die Smartphone-Revolution ist weitgehend gelungen: Heute gibt es Android-Geräte für unter 50 Dollar, und selbst 5G-fähige Smartphones kosten in Indien weniger als 100 Dollar. KaiOS hat sich als drittes mobiles Betriebssystem etabliert und bringt Smart-Features auf einfachste Handys.

Satelliteninternet hat den größten Sprung gemacht: Starlink von SpaceX ist bereits in über 70 Ländern verfügbar und bringt Hochgeschwindigkeits-Internet auch in entlegene Gebiete. Amazon plant mit Project Kuiper ein ähnliches System, und OneWeb ist bereits teilweise operativ. Die Kosten sinken rapide – was früher Zehntausende kostete, gibt es heute für wenige hundert Euro im Monat.

Low Earth Orbit (LEO)-Satelliten haben traditionelle Satellitenverbindungen revolutioniert: Statt 600ms Latenz gibt es heute 20-40ms – fast so schnell wie terrestrische Verbindungen. Für abgelegene Schulen, Krankenhäuser und Gemeinden ist das ein Gamechanger.

 

  • Wer sind heute die wichtigsten Akteure bei der globalen Internetversorgung?

Die Landschaft hat sich stark gewandelt. Während Meta noch immer aktiv ist, dominieren heute andere Spieler:

SpaceX/Starlink führt bei Satelliteninternet und hat bereits über 5.000 Satelliten im Orbit. Elon Musk verspricht bis 2027 globale Abdeckung zu erschwinglichen Preisen.

Google hat Project Loon 2021 eingestellt, konzentriert sich aber auf Glasfaser-Projekte und „Next Billion Users“-Initiativen. Android Go und YouTube Go wurden speziell für Märkte mit langsamen Verbindungen entwickelt.

Amazon investiert Milliarden in Project Kuiper und plant 3.236 Satelliten. Zusätzlich baut der Konzern Rechenzentren in Afrika und Südamerika auf.

Lokale Provider spielen eine wichtige Rolle: In Afrika expandiert Liquid Telecom, in Indien sorgt Jio für günstige Datentarife. Diese regionalen Anbieter verstehen lokale Bedürfnisse oft besser als US-Konzerne.

 

  • Welche neuen Herausforderungen gibt es 2026?

Die pure Konnektivität ist heute weniger das Problem – die Qualität und Bezahlbarkeit sind entscheidend. Viele Menschen haben zwar theoretisch Internetzugang, aber nur zu 2G-Geschwindigkeiten oder mit winzigen Datenpaketen.

KI und maschinelles Lernen verändern die Anforderungen: Moderne Apps und Services brauchen mehr Bandbreite. Gleichzeitig ermöglichen KI-Technologien bessere Kompression und effizientere Netzwerke.

Cybersecurity wird kritisch: Neue Internetnutzer sind oft unerfahren und werden leicht Opfer von Betrug oder Malware. Gleichzeitig fehlt in vielen Ländern die digitale Infrastruktur für sichere Online-Banking oder E-Government.

Klimawandel spielt eine wachsende Rolle: Extreme Wetterereignisse zerstören Infrastruktur, während Rechenzentren und Satelliten selbst CO2 produzieren.

 

  • Wie sieht die Zukunft der globalen Internetversorgung aus?

6G-Technologie soll ab 2030 neue Möglichkeiten eröffnen: Holographische Kommunikation, Echtzeit-Übersetzung und nahtlose AR/VR-Integration. Für Entwicklungsländer könnte das bedeuten, technologische Entwicklungsstufen zu überspringen.

Die Integration von Satelliten-, terrestrischen und zellularen Netzwerken wird nahtlos. Smartphones der nächsten Generation können direkt mit Satelliten kommunizieren – ein Feature, das Apple und Google bereits testen.

Wichtig bleibt: Technologie allein reicht nicht. Digitale Bildung, lokale Inhalte und bezahlbare Geräte sind genauso entscheidend. Die Vision von Internet.org – fünf Milliarden Menschen online zu bringen – ist realistischer denn je. Aber es wird ein Marathon, kein Sprint.

 

Zuletzt aktualisiert am 22.04.2026