Jeff Bezos und die 10 Milliarden Dollar Klima-Lüge

von | 19.02.2020 | Digital

Jeff Bezos – einst reichster Mann der Erde – spendete 2020 zehn Milliarden Dollar aus seinem Privatvermögen für Klimaschutz. Das wirkte edel und war definitiv besser als Unternehmen, die rein gar nichts unternahmen. Aber: Es war auch ein Etikettenschwindel. Heute, 2026, zeigt sich das noch deutlicher.

Die damalige Nachricht ging um die Welt: „Amazon-Chef Jeff Bezos will 10 Milliarden für Kampf gegen Klima-Wandel spenden“. Der reichste Mann der Welt machte es anderen Milliardären nach und spendete einen Teil seines Vermögens für einen guten Zweck. 10 Milliarden – das klingt nach einer Menge Geld. Aber war es das auch? Nein.

Die Kollegen vom Handelsblatt rechneten damals aus, wie lange ein/e Durchschnittsverdiener/in arbeiten müsste, um 10 Milliarden Dollar zu verdienen: rund 280.000 Jahre. Als gewöhnliche Menschen sind wir geneigt, beeindruckt zu sein. Den Fehler sollten wir aber nicht machen.

Bezos und das Zehnt

Alles war knallhartes Kalkül. Das mit den 10% war vermutlich kein Zufall. Schon im alten Testament wird berichtet, dass ein Zehntel einer Kriegsbeute abgabepflichtig sei. Der berühmte „Zehnte“ also. Später holte sich auch die Kirche ein Zehntel Abgaben bei allen. Ein Zehntel als Abgabe hat also Tradition. Nach dem Motto: Danach ist aber alles gut. Schuldigkeit getan.

Bezos‘ Vermögen belief sich damals auf 103 Milliarden Dollar. Er „spendete“ also rund 10% seines Vermögens. Das war bestenfalls schön. Aber ganz sicher nicht respektabel. Denn es tat ihm nicht weh. Es war ihm völlig schnurz. Er bemerkte es nicht einmal. Aber er wollte als „Big Spender“ dastehen. Als ein Mann, der Gutes tut.

Die Bilanz nach sechs Jahren

Was ist aus den 10 Milliarden geworden? Der Bezos Earth Fund hat das Geld über mehrere Jahre verteilt – an Naturschutzorganisationen, Klimaforscher und Umweltinitiativen. Klingt gut, oder? Das Problem: Amazons CO2-Fußabdruck ist in derselben Zeit explodiert.

2026 betreibt Amazon mehr Rechenzentren denn je. Das Cloud-Geschäft AWS verbraucht gigantische Mengen Strom – trotz aller Versprechen zu erneuerbaren Energien. Der Online-Handel boomt weiter, die Lieferungen haben sich vervielfacht. Same-Day-Delivery ist Standard geworden, was noch mehr Transportemissionen bedeutet.

Und dann ist da noch Amazons neuestes Baby: Künstliche Intelligenz. Die KI-Services von AWS fressen Energie wie ein schwarzes Loch. Ein einziger Chat mit Claude oder einem anderen AI-Modell verbraucht so viel Strom wie hunderte Google-Suchen. Bei Millionen von KI-Anfragen täglich summiert sich das gewaltig.

Lange Liste von Sünden – heute noch länger

Natürlich wollte Bezos nicht wirklich was Gutes tun. Jeff Bezos wäre nicht Jeff Bezos, wenn er ein guter Mensch wäre. Auch nach seinem Rücktritt als CEO denkt er nur an sich. Ich denke: Er wollte sich von seiner Schuld reinwaschen. Denn selbst so einem wie Jeff Bezos ist doch insgeheim klar, dass sein Konzern die Welt ins Verderben stürzt. Die Liste der Sünden ist seit 2020 noch länger geworden:

  • Explosion des Online-Handels mit bekannten Folgen für Klima und Umwelt
  • Potenzierung des Konsums an sich – mit den bekannten Folgen für Klima und Umwelt
  • Massive Expansion des Cloud-Geschäfts und energiefressende KI-Services
  • Vernichtung von Arbeitsplätzen im Einzelhandel weltweit
  • Zerstörung ganzer Branchen, etwa den unabhängigen Buchhandel
  • Hunderttausende Mitarbeiter in prekärer Beschäftigung
  • Steuerflucht und Steuervermeidung (nicht illegal, aber unmoralisch)
  • Überwachungskapitalismus durch Alexa und Ring-Kameras
  • Marktmacht-Missbrauch gegenüber Händlern auf der Plattform
  • Umweltzerstörung durch Verpackungsmüll und Retouren

Mir ist bewusst: Das werden viele nicht gelten lassen. Sie sehen Bezos als Heilsbringer, weil er innovative Ideen entwickelt hat und erfolgreich ist. Das ist wahr. Verantwortlich für die Folgen ist er dennoch – und nicht die Menschen, die bei ihm bestellen. Denn er allein hat das alles aufgebaut und nichts gegen die möglichen Folgen unternommen. Einzig und allein zu seinem eigenen Vorteil.

Das große Greenwashing-Theater

2026 sehen wir klarer: Die 10 Milliarden waren Greenwashing in Reinform. Während der Earth Fund Geld an Umweltprojekte verteilte, machte Amazon munter weiter wie bisher. Mehr Rechenzentren, mehr Lieferungen, mehr Ressourcenverbrauch.

Das Perfide daran: Bezos kaufte sich mit den 10 Milliarden nicht nur ein grünes Image, sondern auch Zeit. Zeit, in der Amazon ungestört weiterwachsen konnte, ohne dass jemand unbequeme Fragen stellte. Schließlich war der Gründer ja „einer der größten Klimaspender der Welt“.

Heute, sechs Jahre später, ist Bezos noch reicher (trotz Scheidung und Spende), Amazon noch mächtiger und der Klimawandel noch bedrohlicher. Die 10 Milliarden haben das Problem nicht gelöst – sie haben es nur übertüncht.

Um die Ecke zu kommen und einen winzigen Teil seines Vermögens zu „spenden“ war daher ein Witz. Nüchtern betrachtet reicht das nicht mal ansatzweise, um die durch Amazon verursachten Klimaschäden zu beseitigen.

Es diente eben nur dem einen Zweck: Jeff Bezos wollte gut dastehen. Sich gut fühlen. Vermutlich sogar gefeiert werden. Diesen Gefallen werde ich ihm auch 2026 nicht tun.


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Zuletzt aktualisiert am 02.03.2026