Schneller als man denkt, ist auch die größte Festplatte voll. Voll mit Dateien, von denen man vielleicht nicht einmal weiß, wo genau sie liegen. Was sind denn die größten Platzfresser auf dem Laufwerk? Wenn euer System Linux oder macOS ist, findet ihr mit wenigen Tastendrücken heraus, wo sich die Riesendateien verstecken.
Die klassische Methode: find und du kombinieren
Der bewährte Weg über die Kommandozeile funktioniert auch 2026 noch zuverlässig:
- Meldet euch als Superuser an (meist mit sudo oder direkt als „root“).
- Öffnet ein Terminal oder eine Shell.
- Wechselt zum Hauptverzeichnis mit cd /
- Gebt folgenden Befehl ein:
find . -type f -print0 | xargs -0 du -s | sort -n | tail -10 | cut -f2 | xargs -I{} du -sh {}
Hinter den Bindestrichen steht jeweils kein Leerzeichen.
Nach einer Weile seht ihr die zehn größten Dateien eures Systems. Bei modernen NVMe-SSDs geht das deutlich schneller als früher, aber bei Servern mit vielen Millionen Dateien kann es immer noch dauern.
Moderne Alternativen: Schneller und benutzerfreundlicher
ncdu – Der interaktive Speicher-Explorer
Seit einigen Jahren hat sich ncdu als Standard-Tool etabliert. Es ist in den meisten Linux-Distributionen verfügbar:
sudo apt install ncdu (Ubuntu/Debian)
sudo dnf install ncdu (Fedora)
brew install ncdu (macOS)
Anschließend startet ihr es mit:
sudo ncdu /
Das Tool scannt euer System und zeigt eine interaktive Übersicht. Mit den Pfeiltasten navigiert ihr durch Verzeichnisse, mit Enter taucht ihr tiefer ein. Besonders praktisch: ncdu zeigt sofort die Verzeichnisgrößen an und ihr könnt gezielt in die dicksten Ordner hineinschauen.
dust – Der moderne Nachfolger
dust ist ein in Rust geschriebenes Tool, das ähnlich funktioniert, aber moderner und schneller ist:
dust -n 20 /
Das zeigt die 20 größten Elemente im Dateisystem an. Mit -d 3 begrenzt ihr die Suchtiefe auf drei Verzeichnisebenen.
GUI-Tools für den Desktop
Wer lieber grafisch arbeitet, hat mittlerweile ausgereifte Optionen:
Baobab (GNOME Disk Usage Analyzer)
Standardmäßig in Ubuntu und anderen GNOME-Desktops installiert. Zeigt eine schöne Kreisdiagramm-Ansicht der Festplattenbelegung.
KDirStat/QDirStat
Für KDE-Nutzer die erste Wahl. QDirStat ist die moderne Qt5/Qt6-Version des Klassikers.
filelight
Ein weiteres KDE-Tool mit interaktiven Kreisdiagrammen.
Spezialfälle und Profi-Tricks
Nur bestimmte Dateitypen finden:
find / -name "*.log" -type f -exec du -sh {} + | sort -rh | head -10
Das findet die zehn größten Log-Dateien. Ersetzt „.log“ durch andere Endungen wie „.mp4″, „.iso“ oder „.tar.gz“.
Dateien älter als X Tage:
find / -type f -mtime +365 -exec du -sh {} + | sort -rh | head -20
Zeigt die größten Dateien, die älter als ein Jahr sind – perfekt zum Aufräumen.
Versteckte Docker-Container und Logs:
Docker kann heimlich Gigabytes fressen:
docker system df
docker image ls --format "table {{.Repository}}t{{.Tag}}t{{.Size}}"
Snap-Pakete unter Ubuntu:
snap list --all
du -sh /var/lib/snapd/snaps/*
Snap behält oft alte Versionen von Programmen.
Systemd-Journal nicht vergessen
Ein oft übersehener Speicherfresser ist das systemd-Journal:
journalctl --disk-usage
Zeigt den aktuellen Verbrauch. Mit sudo journalctl --vacuum-time=30d löscht ihr Logs älter als 30 Tage.
Automatisierung und Monitoring
Für Server empfiehlt sich ein Cron-Job, der regelmäßig warnt:
#!/bin/bash
df -h | awk '$5 ~ /^[8-9][0-9]%|^100%/ {print "Warnung: " $1 " ist " $5 " voll"}'
Dieses Script meldet sich, wenn Partitionen über 80% voll sind.
Fazit
Die Kommandozeilen-Klassiker funktionieren weiterhin zuverlässig, aber moderne Tools wie ncdu oder dust machen die Arbeit deutlich angenehmer. Für regelmäßige Wartung lohnt sich die Installation mehrerer Tools – manchmal ist das eine schneller, manchmal das andere informativer. Die grafischen Varianten eignen sich perfekt für gelegentliche Desktop-Nutzer, die nicht täglich im Terminal unterwegs sind.
Zuletzt aktualisiert am 25.04.2026

