Mein Smartphone gehört gar nicht mir

von | 21.02.2016 | Tipps

Apple, Samsung, Google Pixel, OnePlus: Das sind einige der großen Namen unter den Smartphone-Herstellern. Manche Geräte kosten heute locker 1.000 Euro oder mehr – bei Premium-Modellen wie dem iPhone 15 Pro oder Galaxy S24 Ultra sogar deutlich darüber. Ihr zahlt also ordentlich – und trotzdem gehört euch das Smartphone nicht wirklich. Denn Apple, Google und in gewissem Maße auch Samsung halten weiterhin den Daumen drauf. Sie bestimmen, was auf euren Geräten Sache ist. Mitunter werden User sogar regelrecht enteignet.

Was können wir uns mit unseren Smartphones nicht alles anstellen: Fotos in Profi-Qualität machen, KI-gestützte Bildbearbeitung nutzen, komplexe Apps laufen lassen. Die Hersteller versprechen uns smarte Phones, die fast alles können. Doch in Wahrheit bestimmen Apple und Google weiterhin, was wir mit den teuren Geräten anstellen dürfen.

Auf einem normalen Computer könnt ihr jede Software installieren, die ihr wollt. Auf Smartphones ist das 2026 immer noch anders. Bei Apple-Geräten könnt ihr – trotz des Digital Markets Act der EU – hauptsächlich Apps nutzen, die Apple genehmigt hat. Zwar gibt es inzwischen alternative App-Stores wie AltStore PAL in Europa, aber die sind noch Nischenlösungen mit hohen Hürden.

App Store Charts

Zwangsregistrierung und Datensammeln

Ob Apple, Google oder Samsung: Alle großen Anbieter von mobilen Betriebssystemen gängeln uns weiterhin. Sie verlangen, dass wir Konten bei ihnen einrichten. Ohne Apple-ID, Google-Konto oder Samsung-Account lassen sich die Smartphones praktisch nicht vollständig nutzen. Wir sind also nach wie vor gezwungen, uns bei den Tech-Riesen anzumelden und permanenten Kontakt zu halten.

Alle Anbieter schmeißen regelmäßig Apps aus ihren Stores, die ihnen nicht passen. Erst kürzlich hat Apple mehrere Bitcoin-Wallets entfernt, Google löscht immer wieder Entwickler-Konten ohne ausreichende Begründung. Sie können das, weil sie den Markt kontrollieren. Das behindert Innovation und Wettbewerb – und wir haben kaum Ausweichmöglichkeiten.

Besonders perfide: Die Sammlung unserer Daten läuft auf Hochtouren. Apple behauptet zwar „Privacy by Design“, aber sammelt trotzdem fleißig Nutzungsdaten. Google verdient nach wie vor Milliarden mit unseren persönlichen Informationen. Selbst wenn ihr alle Tracking-Optionen deaktiviert, fließen weiterhin Daten zu den Herstellern.

Google Play Store

Jailbreak wird immer schwieriger

Klar, für Apple-Geräte gibt es weiterhin Jailbreaks. Aber 2026 ist das deutlich komplizierter geworden. Apple hat seine Sicherheitsmaßnahmen massiv verschärft – mit Secure Enclave, Lockdown Mode und anderen Technologien ist ein Jailbreak oft wochenlang nicht verfügbar und funktioniert nur bei älteren iOS-Versionen.

Auf Android-Geräten könnt ihr noch Custom ROMs installieren, aber auch hier wird es schwieriger. Viele Hersteller haben das Bootloader-Entsperren erschwert oder ganz unterbunden. Banking-Apps und andere sensible Programme verweigern den Dienst, sobald sie Root-Zugriff oder unlocked Bootloader erkennen.

Apple kontrolliert sogar die Hardware noch stärker als früher. Mit dem Übergang zu USB-C beim iPhone 15 hat sich das Kabel-Problem zwar entspannt, aber dafür gibt es neue Schikanen: Reparaturen werden durch „Parts Pairing“ erschwert – selbst Original-Apple-Teile funktionieren nicht, wenn sie nicht offiziell gekoppelt wurden.

Der berüchtigte „Error 53“ gehört zwar der Vergangenheit an, aber Apple hat neue Methoden entwickelt: Warnnachrichten bei „nicht verifizierten“ Ersatzteilen, reduzierte Funktionen oder Probleme bei iOS-Updates. Die Right-to-Repair-Bewegung kämpft weiter gegen diese Praktiken.

iphone-error-53

Fairphone: Nachhaltiger, aber nischig

Es gibt weiterhin Versuche, dem Mainstream zu entfliehen. Das Fairphone ist inzwischen bei der fünften Generation angekommen und hat sich als feste Größe im Nachhaltigkeits-Segment etabliert. Der modulare Aufbau funktioniert prima: Ihr könnt Kamera, Display, Akku und andere Komponenten selbst tauschen. Das spart Geld und schont die Umwelt.

Das Fairphone 5 bietet endlich auch zeitgemäße Performance und wird acht Jahre mit Updates versorgt – länger als die meisten Premium-Smartphones. Der Hersteller aus den Niederlanden informiert transparent über Lieferketten, faire Löhne und verwendete Materialien. Ein echtes Statement gegen die Wegwerfmentalität der Tech-Riesen.

Trotzdem bleibt das Fairphone ein Nischenprodukt. Es fehlt das Marketing-Budget der Großen, und viele Nutzer wollen trotz Nachhaltigkeits-Bewusstsein nicht auf die neuesten Kamera-Features oder das dünnste Design verzichten.

fairphone

Alternative Betriebssysteme kämpfen ums Überleben

Jolla und Sailfish OS haben die großen Hoffnungen von einst nicht erfüllen können. Das finnische Unternehmen existiert zwar noch, konzentriert sich aber hauptsächlich auf B2B-Lösungen und spezielle Märkte wie Russland. Für Privatnutzer ist Sailfish praktisch tot.

Dafür gibt es neue Hoffnungsträger: /e/OS (jetzt Murena) hat sich als De-Google-Android etabliert und bietet echte Privatsphäre. LineageOS hält die Custom-ROM-Szene am Leben. PostmarketOS bringt Linux auf alte Smartphones. Ubuntu Touch lebt als Community-Projekt weiter.

Aber seien wir ehrlich: Diese Alternativen bleiben Lösungen für Tech-Enthusiasten. Für den Durchschnittsnutzer sind sie zu kompliziert, zu fehlerhaft oder haben zu wenig App-Unterstützung.

Die großen Tech-Konzerne haben ihre Macht über unsere Smartphones 2026 eher noch ausgebaut als verloren. Trotz EU-Regulierung, trotz Right-to-Repair-Bewegung, trotz wachsenden Bewusstseins für Datenschutz. Am Ende siegt die Bequemlichkeit – und wir bleiben Gefangene in den goldenen Käfigen von Apple und Google.

Jolla

Zuletzt aktualisiert am 10.04.2026