Surface Go eingestellt: Warum Microsoft die kompakte 2-in-1-Serie aufgab

von | 10.07.2018 | Hardware

Das Microsoft Surface hat sich als vielseitige 2-in-1-Geräteserie etabliert. Während die aktuellen Surface-Modelle deutlich leistungsstärker geworden sind, bleibt der Blick auf die Entwicklung der kompakten Surface Go-Serie interessant – auch wenn Microsoft 2024 die Produktion eingestellt hat.

Das Surface Go war Microsofts Versuch, ein erschwingliches 2-in-1-Gerät für den Einstieg zu schaffen. Mit dem 10-Zoll PixelSense Display und dem charakteristischen Kickstand, der Winkel bis 165 Grad ermöglichte, war es für den mobilen Einsatz konzipiert. Die damaligen Intel Pentium Gold Prozessoren und die Intel HD-Grafikeinheit waren jedoch schon 2018 nur bedingt zukunftsfähig.

Heute dominieren in der kompakten Tablet-Klasse andere Hersteller. Apple hat mit den iPad Air und iPad Pro Modellen den Markt weitgehend übernommen, während Microsoft sich auf die leistungsstärkeren Surface Pro und Surface Laptop Serien konzentriert. Die aktuellen Surface Pro 11 (2024) und Surface Laptop 7 setzen auf ARM-basierte Snapdragon X Elite Prozessoren oder Intel Core Ultra Chips der 13. Generation.

Die Surface Go-Serie hatte durchaus ihre Berechtigung: Das Gerät bot eine Akkulaufzeit von bis zu neun Stunden und war mit USB-C ausgestattet – damals noch nicht selbstverständlich. Die Wahlmöglichkeiten zwischen 4 und 8 GB RAM sowie 64 und 128 GB Speicher wirkten jedoch schon zur Markteinführung knapp bemessen.

Besonders problematisch war Windows 10 Home im S Modus, der nur Apps aus dem Microsoft Store zuließ. Viele Nutzer empfanden diese Beschränkung als zu limitierend für den produktiven Einsatz. Unternehmenskunden erhielten zwar Windows 10 Pro, aber auch hier war der S Modus die Standard-Einstellung.

Das Zubehör-Ökosystem von damals

Microsoft setzte bereits beim Surface Go auf ein umfangreiches Zubehör-Portfolio. Das Surface Go Type Cover gab es in verschiedenen Farben, ebenso die Surface Mobile Mouse via Bluetooth. Der Surface Pen war kompatibel und bot bereits damals eine ordentliche Druckempfindlichkeit.

Dieses Zubehör-Konzept hat Microsoft bis heute beibehalten und ausgebaut. Der aktuelle Surface Slim Pen 2 bietet haptisches Feedback, während die Surface Pro Signature Keyboards mit Slim Pen Storage eine noch bessere Integration ermöglichen.

Warum die Surface Go-Serie eingestellt wurde

Microsoft hat die Surface Go-Linie 2024 still und heimlich auslaufen lassen. Die Gründe sind vielschichtig: Die Performance war für moderne Anwendungen zu schwach, die Speicherausstattung zu knapp und die Konkurrenz durch iPads und Android-Tablets zu stark.

Zudem haben sich die Nutzungsgewohnheiten geändert. Viele Tasks, für die man früher ein kompaktes Windows-Gerät brauchte, lassen sich heute problemlos auf Smartphones oder leistungsstarken Tablets erledigen. Microsoft erkannte, dass der „Sweet Spot“ bei den Surface Pro-Modellen liegt, die zwar größer und teurer sind, aber deutlich mehr Leistung bieten.

Die heutige Surface-Landschaft

Statt auf kleine, schwache Geräte setzt Microsoft heute auf drei Hauptlinien: Surface Pro (abnehmbare Tastatur), Surface Laptop (klassisches Notebook-Design) und Surface Studio (All-in-One für Kreative). Alle aktuellen Modelle sind deutlich leistungsstärker als das damalige Surface Go.

Die Surface Pro 11-Serie startet bei etwa 1200 Euro und bietet wahlweise ARM-Prozessoren (Snapdragon X Plus/Elite) oder Intel Core Ultra. Der Sprung in der Performance ist gewaltig – was beim Surface Go oft stockte, läuft hier flüssig.

Besonders interessant ist Microsofts Fokus auf KI-Features: Die neuen Surface-Geräte sind „Copilot+ PCs“ mit speziellen NPUs (Neural Processing Units) für lokale KI-Berechnungen. Features wie Windows Studio Effects, Live Captions oder die Recall-Funktion (soweit verfügbar) benötigen diese zusätzliche Rechenpower.

Alternativen im kompakten Segment

Wer heute ein kompaktes 2-in-1-Gerät sucht, findet bei anderen Herstellern interessante Optionen. Lenovo bietet mit der ThinkPad X1 Tablet-Serie professionelle Lösungen, während HP mit den Elite x2-Modellen ebenfalls im Business-Segment punktet.

Im Consumer-Bereich dominiert Apple mit den iPad-Modellen, die in Kombination mit dem Magic Keyboard durchaus als Laptop-Ersatz taugen. Die Performance der M-Series Chips ist beeindruckend, auch wenn man sich in das Apple-Ökosystem einkaufen muss.

Android-Tablets wie das Samsung Galaxy Tab S-Serie bieten ebenfalls ordentliche 2-in-1-Funktionalität, erreichen aber nicht die Desktop-Kompatibilität von Windows-Geräten.

Das Surface Go war ein interessantes Experiment, das zeigte: Bei 2-in-1-Geräten führen Kompromisse bei der Performance schnell zu Frustration. Microsoft hat daraus gelernt und konzentriert sich heute auf leistungsstarke, aber entsprechend teure Geräte. Die Zeit der „kleinen“ Surface-Geräte ist vorbei – zumindest vorerst.

Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026