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Mit Google Maps 3D und KI Häuserfassaden entpixeln

von | 13.03.2018 | Internet

Google Streetview kennt wohl jeder: Der praktische Onlinedienst von Google, der das virtuelle Flanieren durch die Straßen der Welt ermöglicht. Doch viele deutsche Häuserfassaden sind verpixelt. Mittlerweile nutzt Google verschiedene 3D-Dienste und KI-gestützte Technologien, um Häuserfassaden auf neue Art und Weise sichtbar zu machen – auch die verpixelten.

Die einen machen sich über Datenschutz praktisch gar keine Gedanken (siehe USA), die anderen übertreiben gerne schon mal. Als Google 2008 seinen Onlinedienst Streetview auch in Deutschland eingeführt hat, mussten nicht nur Gesichter und Kennzeichen verpixelt werden – was ja sinnvoll ist!

Auch Häuserfassaden, sofern sich nur ein einziger Mieter oder Besitzer beschwert. Das Ergebnis: Pixelmatten, wohin das Auge reicht, wenn man sich in Streetview deutsche Straßen anschaut. Diese Situation hat sich bis 2026 nicht grundlegend geändert.

Wie Google Gebäude mit neuen Technologien sichtbar macht

Die juristischen Scharmützel haben Google derart angenervt, dass seit 2010 keine Autos mehr durch deutsche Straßen fahren, um aktualisierte Aufnahmen zu machen. Nur der Rest der Welt wird weiter kartographiert. Doch Google wendet mittlerweile mehrere Tricks an, um verpixelte Häuser doch sichtbar zu machen.

Zwar nicht in Streetview, aber über verschiedene andere Dienste: Google Maps 3D, Google Earth mit der Immersive View und neuerdings auch über KI-gestützte Satellitenbilder. Aus der Vogelperspektive – aber weil man sich da einigermaßen frei bewegen kann, lassen sich die Häuser recht gut erkennen.

Tatsächlich: Man sieht durch die gerenderte (im Computer berechnete) Ansicht der Häuser ganz gut, wie die Gebäude aussehen. Man kann sogar in den Garten oder Hinterhof schauen. Seit 2024 nutzt Google dabei verstärkt künstliche Intelligenz, um aus verschiedenen Datenquellen noch detailliertere 3D-Modelle zu erstellen.

Neue KI-Technologien verbessern die Darstellung

Google hat seine Technologie deutlich weiterentwickelt. Das Unternehmen setzt mittlerweile auf neurale Netze und maschinelles Lernen, um aus verschiedenen Bildquellen photorealistische 3D-Modelle zu erstellen. Die sogenannte „Neural Radiance Fields“ (NeRF) Technologie ermöglicht es, aus wenigen 2D-Bildern beeindruckende 3D-Ansichten zu generieren.

Diese neuen Verfahren sind deutlich präziser als frühere Methoden. Sie können sogar Schatten, Beleuchtung und Texturen realistisch darstellen. Was besonders bemerkenswert ist: Die KI kann Bereiche interpolieren, die auf den ursprünglichen Aufnahmen verdeckt waren.

In der Tat sind das Ansichten, die auch jeder bekommt, der die Welt von oben per Flugzeug, Helikopter oder Ballon erkundet. Oder mit Hilfe seiner Drohne. Dennoch: Es ergeben sich Einsichten, die von der „Panoramafreiheit“ nicht abgedeckt sind. Die besagt, alles, was man als Passant ohne Hilfsgeräte (etwa Leitern) sehen kann, darf fotografiert werden.

Rechtliche Bewertung bleibt komplex

Ich habe nie verstanden, wieso diese Panoramafreiheit für Google Streetview nicht gilt. Verpixelte Häuser in Streetview – für mich nicht nachvollziehbar. Wenn sich aber jemand Gedanken macht, weil quasi jeder Garten und Hinterhof erforschen kann, so lässt sich das für mich besser nachvollziehen.

Es handelt sich dabei allerdings ausdrücklich NICHT um Fotoaufnahmen, sondern um Bilder, die aus verschiedenen Quellen kommen: Luftbilder von Google, Bing, Apple oder per Satellit aufgenommen. Hinzu kommen mittlerweile auch Daten von Drohnenflügen und anderen Quellen. Daraus errechnet Google die an sich schicken 3D-Ansichten.

Nutzer sind deswegen weitgehend machtlos, da es sich nicht um klassische Fotoaufnahmen handelt. Google erklärt: „Die 3D-Bilder bieten den Nutzern die Möglichkeit, einen Ort über ihren Computer zu erkunden. Sie zeigen jedoch nicht mehr, als ein Nutzer normalerweise sehen könnte, wenn er den Ort besucht oder Luftbilder erkundet, die an anderer Stelle verfügbar sind“.

Datenschutz in der Grauzone

Die rechtliche Situation bleibt auch 2026 in einer Grauzone. Während klassische Streetview-Aufnahmen klar geregelt sind, bewegen sich KI-generierte 3D-Modelle in einem weniger klar definierten Bereich. Die EU arbeitet zwar an umfassenden KI-Regulierungen, aber die spezifische Problematik von 3D-Kartendiensten ist noch nicht abschließend geklärt.

Besonders interessant wird es bei Googles neuer „Immersive View“ Funktion, die photorealistische Ansichten von Städten und Gebäuden bietet. Diese Technologie kombiniert Streetview-Daten mit Luftbildern und KI-Berechnungen zu einer nahezu nahtlosen virtuellen Erfahrung.

Datenschutzbeauftragte beobachten die Entwicklung mittlerweile kritischer als früher. Während sie anfangs keinen Handlungsbedarf sahen, fordern sie inzwischen klarere Regelungen für KI-gestützte Kartendienste. Die Sorge: Mit verbesserter Technologie werden private Bereiche immer detaillierter erfassbar.

Die Diskussion um digitale Überwachung und Privatheit hat sich seit 2020 deutlich intensiviert. Corona-Tracking, KI-Überwachung und die zunehmende Digitalisierung haben das Bewusstsein für Datenschutz geschärft. Google steht daher unter stärkerem Druck, transparent zu erklären, welche Daten wie gesammelt und verarbeitet werden.

Zuletzt aktualisiert am 10.03.2026

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