Word, Excel, Mail, Videokonferenz – so sieht für die meisten Home Office aus. Aber auch in ausgefalleneren Jobs arbeiten heute viele zu Hause. Etwa Ingenieure der NASA. Sie kontrollieren und steuern die Milliarden Kilometer entfernten Mars-Rover Perseverance und Curiosity vom heimischen Schreibtisch aus.
Viele Menschen sitzen im Homeoffice und gewöhnen sich daran, von zu Hause aus auf das Firmennetzwerk zuzugreifen und mit Kollegen nur virtuell in Videokonferenzen zu sprechen. Aber nur wenige steuern im Homeoffice einen mehrere Milliarden Dollar teuren Roboter. Und nur eine Handvoll kontrolliert gleich mehrere Roboter, die je nach Konstellation der Planeten rund 50 bis 400 Millionen Kilometer weit entfernt sind.
Mars-Rover steuern zwischen Kaffee und Katze
Unglaublich: Auch die Mars-Rover „Perseverance“ und „Curiosity“ werden von NASA-Mitarbeitern im Homeoffice überwacht und gesteuert. Perseverance hat erst kürzlich erfolgreich Gesteinsproben für den geplanten Transport zur Erde gesammelt – aufgrund von Befehlen, die NASA-Ingenieure am heimischen Küchentisch programmiert hatten.
Ja, programmiert. Denn eine Live-Steuerung ist angesichts der ungeheuren Entfernung unmöglich; das Funksignal braucht für jede Richtung zwischen 4 und 24 Minuten – je nach Planetenposition. Also lässt sich keiner der Rover wie in einem Videospiel steuern, die Experten müssen vielmehr jeden Schritt minutiös vorbereiten.
Die Arbeit klingt spannend: Wer die Rover steuert, nutzt heute hochauflösende VR-Headsets und sieht die Mars-Oberfläche in fotorealistischem 3D. So lassen sich die nächsten Bewegungen der Rover millimetergenau planen – und dann auch programmieren.
KI-Assistenten helfen bei der Routenplanung
Seit 2024 kommen dabei auch KI-Assistenten zum Einsatz, die mögliche Routen vorschlagen und Gefahren wie lockeren Untergrund oder scharfkantige Felsen automatisch erkennen. Die finale Entscheidung treffen aber immer noch Menschen.
In der NASA-Zentrale stehen nach wie vor leistungsfähigere Monitore und Sichtgeräte zur Verfügung. Im Homeoffice kommen mittlerweile hochgerüstete Gaming-Rechner mit RTX 4090-Grafikkarten zum Einsatz, die die Mars-Oberfläche in Echtzeit und photorealistisch darstellen können. Kombiniert mit modernen VR-Headsets wie der Apple Vision Pro oder Meta Quest 3 entsteht ein immersives Erlebnis, das dem vor Ort kaum nachsteht.
20 Menschen, vier Planeten, unzählige Chats
Rund 20 bis 30 Personen sind parallel damit beschäftigt, die nächsten Bewegungen zu planen und zu koordinieren – nicht nur für die Mars-Rover, sondern auch für die Drohne „Ingenuity“ und andere Sonden im Sonnensystem. Jeder probiert Szenarien durch – und alle stehen per Slack, Microsoft Teams und speziellen NASA-Videokonferenz-Systemen im ständigen Kontakt.
Jeder einzelne muss dazu mitunter bis zu 20 Chat-Kanäle im Blick behalten und in bis zu sechs Videokonferenzen gleichzeitig präsent sein. Multitasking auf einem Level, das selbst erfahrene Remote-Worker ins Schwitzen bringt.
Neue Herausforderungen mit neuen Missionen
Mit der geplanten Artemis-Mondmission und dem Mars Sample Return Program wird die Remote-Arbeit der NASA-Teams noch komplexer. Bald sollen auch Mond-Rover vom Homeoffice aus gesteuert werden – mit deutlich kürzeren Signallaufzeiten von nur 1,3 Sekunden, was ganz neue Steuerungsmöglichkeiten eröffnet.
Die Ingenieure berichten von surrealen Momenten: Während sie einen milliardenteuren Roboter über eine fremde Planetenoberfläche navigieren, kocht im Hintergrund der Kaffee oder die Katze springt auf den Schoß. „Science Fiction wird zur Routine“, beschreibt es eine NASA-Ingenieurin.
Die Pandemie hat gezeigt: Auch die komplexesten technischen Projekte lassen sich remote bewältigen. Chats und Videokonferenzen sind dabei nur der Anfang – zumindest darin ähnelt die Arbeit der Weltraum-Ingenieure jener von uns Normalos auf der Erde. Nur dass deren „Büro“ eben mal ein anderer Planet ist.
Die Mars-Sonde Curiosity hat ein Selfie gemacht: Aufwändig auf dem Mars – aber auch eindrucksvoll!
Zuletzt aktualisiert am 01.03.2026

