Netflix hat das Basis-Abo bereits in mehreren Ländern gestrichen – und zwingt Nutzer in teurere Modelle oder das Werbe-Abo. In Deutschland gibt es erste Anzeichen für diese Strategie.
Der Streaming-Gigant Netflix steht unter enormem Finanzdruck: Milliardenschwere Investitionen in Eigenproduktionen bei gleichzeitig stagnierendem Abonnentenwachstum zwingen das Unternehmen zu drastischen Maßnahmen. Nach dem rigorosen Vorgehen gegen Account-Sharing folgt nun die nächste Stufe: die schrittweise Abschaffung des günstigsten werbefreien Abos weltweit.

Das Basismodell von Netflix wird nur noch versteckt angezeigt
Globale Strategie: Basis-Abo verschwindet überall
Was 2023 in Kanada begann, hat sich 2024 und 2025 zu einem weltweiten Trend entwickelt. Netflix hat das Basis-Abo mittlerweile in den USA, Großbritannien, Australien und zahlreichen anderen Märkten komplett eingestellt. Die Botschaft ist klar: Wer werbefrei streamen will, muss deutlich mehr zahlen.
Aktuell bietet Netflix in Deutschland noch vier Abo-Varianten:
- Standard mit Werbung: Full HD, zwei Geräte gleichzeitig, Werbeunterbrechungen (4,99 Euro/Monat)
- Basis: HD, nur ein Gerät, werbefrei (7,99 Euro/Monat) – noch verfügbar
- Standard: Full HD, zwei Geräte, werbefrei, ein zusätzlicher Nutzer möglich (12,99 Euro/Monat)
- Premium: 4K/UHD, vier Geräte, werbefrei, zwei zusätzliche Nutzer möglich (17,99 Euro/Monat)
Doch die Zeichen stehen auf Veränderung: Netflix versteckt das Basis-Abo bereits tief in den Menüs und bewirbt es nicht mehr aktiv auf der deutschen Website.
Deutschland im Visier: Erste Warnsignale
Die Strategie läuft nach einem bewährten Muster ab: Zunächst wird das Basis-Abo für Neukunden schwer auffindbar gemacht, dann komplett aus der Auswahl entfernt. Bestandskunden können ihr Abo zunächst weiter nutzen, bis auch sie zum Wechsel gedrängt werden.
Industrie-Insider berichten, dass Netflix in Deutschland bereits 2024 begonnen hat, das Basis-Abo weniger prominent zu bewerben. Auf der Hauptseite werden primär das Werbe-Abo und die Standard-Variante angepriesen. Diese „Soft-Elimination“ ist typisch für Netflix‘ schrittweise Vorgehensweise.
Der Zwang zur Entscheidung
Sobald das Basis-Abo wegfällt, stehen die etwa 800.000 deutschen Basis-Abonnenten vor einer unangenehmen Wahl:
Option 1: Werbe-Abo (4,99 Euro) – Günstiger, aber mit 4-6 Minuten Werbung pro Stunde. Netflix zeigt dabei personalisierte Werbung und sammelt zusätzliche Nutzerdaten. Für viele ein No-Go.
Option 2: Standard-Abo (12,99 Euro) – 62% Preiserhöhung für das gleiche werbefreie Erlebnis, nur mit einem zusätzlichen Stream. Für Single-Haushalte überteuert.
Option 3: Kündigung – Netflix nimmt dieses Risiko bewusst in Kauf. Analysen zeigen: Etwa 70% der Basis-Nutzer wechseln in ein teureres Abo, statt zu kündigen.
Warum Netflix so vorgeht
Die Rechnung ist simpel: Netflix verdient am Werbe-Abo durch doppelte Einnahmen (Abo-Gebühr plus Werbeerlöse) mittlerweile mehr als am alten Basis-Modell. Gleichzeitig steigen die Inhaltskosten explosionsartig – allein 2025 investiert Netflix über 17 Milliarden Dollar in neue Produktionen.
CEO Greg Peters erklärte Ende 2024 offen: „Das Basis-Abo passt nicht mehr in unsere Strategie. Wir fokussieren uns auf Modelle, die nachhaltiges Wachstum ermöglichen.“ Übersetzt heißt das: mehr Geld pro Kunde.
Konkurrenz macht es vor
Netflix steht mit dieser Strategie nicht allein da. Amazon Prime Video führte 2024 ebenfalls Werbung in sein Standard-Abo ein – wer werbefrei schauen will, zahlt 2,99 Euro extra. Disney+ erhöhte 2025 seine Preise drastisch und drängt Nutzer ebenfalls in Werbe-Abos.
Der gesamte Streaming-Markt konsolidiert sich um wenige, teure Premium-Angebote und günstige Werbe-Varianten. Die goldene Zeit günstiger, werbefreier Streaming-Abos geht definitiv zu Ende.
Was Nutzer jetzt tun können
Wer das Basis-Abo noch nutzt, sollte sich auf Veränderungen einstellen. Ein Blick auf alternative Streaming-Dienste lohnt sich: Apple TV+ bietet nach wie vor ein werbefreies Abo für 9,99 Euro, allerdings mit deutlich weniger Content.
Ein Tipp für preisbewusste Nutzer: Das jährliche Wechseln zwischen Streaming-Diensten wird immer beliebter. Statt dauerhaft mehrere Abos zu bezahlen, rotieren viele Nutzer alle 2-3 Monate zwischen Netflix, Disney+, Amazon Prime und anderen.
Netflix testet übrigens bereits weitere Monetarisierungs-Strategien: In ausgewählten Märkten experimentiert der Konzern mit Premium-Inhalten, die auch für Standard-Abonnenten extra kosten. Die Richtung ist klar – streaming wird teurer, nicht günstiger.
Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026