Die National Security Agency (NSA) sammelt nach neuesten Erkenntnissen täglich über fünf Milliarden Handy-Datensätze aus aller Welt. Gespeichert werden die jeweils aktuellen Aufenthaltsorte der Handynutzer. Auf diese Weise kann der Geheimdienst mühelos Bewegungsprofile anfertigen und die Bewegung von mehreren hundert Millionen Handys und Smartphones verfolgen.
Das im Rahmen der Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden bekannt gewordene NSA-Spähprogramm betrifft mehr Menschen als alle anderen bekannten Überwachungsprogramme. Mehrere Hundert Millionen Handys sollen betroffen sein. Die NSA zapft dazu die Datenströme zwischen den großen Mobilfunkprovidern an, die sich zum Betrieb der Mobilfunknetze gegenseitig über die Aufenthaltsorte ihrer Kunden informieren.
Massive Datensammlung mit weitreichenden Folgen
Die NSA greift die Standortdaten ungefragt und unbemerkt ab. Dabei fallen derart große Datenmengen an, dass selbst die NSA mit Kapazitätsproblemen zu kämpfen hatte und das Rechenzentrum extra ausbauen musste. Heute, über ein Jahrzehnt später, ist die Sammelwut noch drastischer geworden – moderne 5G-Netze und die Allgegenwart von Smartphones haben die verfügbaren Datenmengen vervielfacht.
Die gesammelten Informationen werden nicht nur gespeichert, sondern auch systematisch ausgewertet. Ein „Co-Traveler“ getauftes Analyseprogramm versucht zu ermitteln, welche Personen Kontakt miteinander haben. Die Software analysiert Aufenthaltsorte und sucht nach ähnlichen Bewegungsmustern. So lässt sich ermitteln, ob und wo sich Menschen treffen, ob sie gemeinsam Wege zurücklegen oder sich regelmäßig begegnen.
Moderne KI macht Überwachung noch präziser
Seither haben sich die Analysemethoden dramatisch weiterentwickelt. Machine Learning und künstliche Intelligenz ermöglichen heute viel detailliertere Auswertungen der Bewegungsdaten. Algorithmen können nicht nur feststellen, wer sich wann wo aufhält, sondern auch Vorhersagen über zukünftiges Verhalten treffen. Predictive Analytics erlaubt es, aus Bewegungsmustern Rückschlüsse auf Gewohnheiten, Beziehungen und sogar politische Einstellungen zu ziehen.
Besonders problematisch: Die Kombination von Standortdaten mit anderen Informationsquellen. Social Media Posts, Online-Käufe, App-Nutzung – alles fließt in ein umfassendes Profil ein. Was 2013 noch aufwendige Datenanalyse erforderte, erledigen heute KI-Systeme in Echtzeit.
Globale Ausweitung der Überwachung
Das ursprünglich auf die USA fokussierte Programm hat sich längst globalisiert. Andere Geheimdienste haben ähnliche Systeme entwickelt oder arbeiten mit der NSA zusammen. Die „Five Eyes“-Allianz (USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland) teilt routinemäßig Standortdaten ihrer Bürger untereinander.
Auch autoritäre Regime nutzen ähnliche Technologien zur Überwachung ihrer Bevölkerung. China’s Social Credit System oder Russlands SORM-Programm zeigen, wie Standortüberwachung zur gesellschaftlichen Kontrolle eingesetzt wird. Die Technologie, die ursprünglich zur Terrorismusbekämpfung entwickelt wurde, dient heute oft der Unterdrückung von Dissidenten und Journalisten.
Rechtliche Entwicklungen und Schutzmaßnahmen
Seit den Snowden-Enthüllungen haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen teilweise verbessert. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) schränkt die Datensammlung ein, kann aber grenzüberschreitende Geheimdienstaktivitäten kaum stoppen. In Deutschland führten die Enthüllungen zu Reformen des BND-Gesetzes, allerdings mit begrenzter Wirkung.
Für Nutzer gibt es heute mehr Schutzmöglichkeiten: VPN-Dienste verschleiern den Standort, degoogelte Android-ROMs reduzieren Datenlecks, und spezielle Privacy-Smartphones wie das Librem 5 oder PinePhone bieten Hardware-Schalter für Mobilfunk und GPS. Dennoch bleibt komplette Anonymität schwer erreichbar.
Was das für euch bedeutet
Jeder Smartphone-Nutzer sollte sich bewusst machen: Euer Handy ist ein Peilsender. Selbst bei deaktiviertem GPS können Mobilfunkmasten euren ungefähren Standort bestimmen. Apps sammeln zusätzlich Daten, oft ohne dass ihr es merkt.
Völlig Unschuldige können so auf Verdachtslisten landen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder sich zufällig in der Nähe überwachter Personen aufhielten. Niemand wird über die gespeicherten Daten informiert oder kann Einspruch erheben. Der NSA-Skandal hat dadurch eine Dimension erreicht, die weit über die ursprünglichen Enthüllungen hinausgeht und heute jeden Smartphone-Nutzer weltweit betrifft.
Zuletzt aktualisiert am 20.04.2026

