Onlinekurs hilft, Whistleblower rechtskonform zu schützen

von | 02.05.2023 | Digital

Whistleblower-Schutz ist seit 2023 Pflicht für deutsche Unternehmen. Die praktische Umsetzung bereitet vielen noch Kopfzerbrechen. Ein aktualisierter Onlinekurs des HPI zeigt, wie ihr die Anforderungen rechtssicher erfüllt.

Das Hinweisgeberschutzgesetz (HinSchG) ist seit Juli 2023 in Deutschland in Kraft – doch viele Unternehmen kämpfen noch immer mit der praktischen Umsetzung. Ein kostenloser Onlinekurs des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) hilft dabei, die rechtlichen Vorgaben korrekt umzusetzen. Der Kurs „Compliance Management: Whistleblower-Schutz in der Praxis“ wird regelmäßig aktualisiert und ist verfügbar auf der Lernplattform openHPI unter https://open.hpi.de/courses/compliance2023.

Gesetz bringt neue Pflichten für Unternehmen

Seit der Umsetzung der EU-Whistleblower-Richtlinie müssen Unternehmen ab 50 Mitarbeitern interne Meldestellen einrichten. „Die meisten Unternehmen haben inzwischen die Grundlagen geschaffen, aber die Details bereiten oft Probleme“, erklärt HPI-Justiziarin Dr. Ina Haarhoff. „Wir sehen immer noch viele Unsicherheiten bei der konkreten Ausgestaltung der Meldeverfahren.“

Besonders komplex wird es bei der technischen Umsetzung: Die Meldestellen müssen so konzipiert sein, dass sie die Anonymität der Hinweisgeber schützen können. Gleichzeitig müssen sie den Datenschutzanforderungen der DSGVO entsprechen – eine Gratwanderung, die rechtliches und technisches Know-how erfordert.

Whistleblower informieren die Öffentlichkeit

Whistleblower informieren die Öffentlichkeit

KI-Tools revolutionieren Hinweisgeber-Systeme

Eine wichtige Neuerung seit 2024: Viele Unternehmen setzen inzwischen auf KI-gestützte Compliance-Systeme. Diese können eingehende Meldungen automatisch klassifizieren, Prioritäten setzen und sogar potenzielle Risiken bewerten. „Künstliche Intelligenz hilft dabei, die Bearbeitung zu beschleunigen und gleichzeitig die Vertraulichkeit zu wahren“, so Haarhoff.

Besonders interessant: Moderne Systeme können verdächtige Muster erkennen, bevor es überhaupt zu Meldungen kommt. Sie analysieren Kommunikation und Arbeitsabläufe und schlagen proaktive Maßnahmen vor. Das reduziert nicht nur Compliance-Risiken, sondern kann auch die Unternehmenskultur verbessern.

Praktische Herausforderungen im Alltag

Der HPI-Kurs behandelt konkrete Alltagsprobleme: Wie geht ihr mit anonymen Meldungen um, die sich als falsch herausstellen? Wie schützt ihr Whistleblower vor subtilen Repressalien? Und wie stellt ihr sicher, dass auch Führungskräfte das System ernst nehmen?

„Viele Unternehmen unterschätzen den kulturellen Wandel, der nötig ist“, warnt Haarhoff. Es reiche nicht, nur die technischen und rechtlichen Mindestanforderungen zu erfüllen. Erfolgreiche Hinweisgeber-Systeme brauchen Vertrauen – und das entsteht nur durch gelebte Offenheit im Unternehmen.

Besonders heikel wird es bei Meldungen, die das Management selbst betreffen. Hier haben sich externe Ombudsstellen bewährt, die unabhängig agieren können. Solche hybriden Modelle kombinieren interne Effizienz mit externer Glaubwürdigkeit.

Neue Technologien für sicheren Schutz

Blockchain-basierte Meldesysteme gewinnen an Bedeutung: Sie dokumentieren lückenlos, wann welche Information eingegangen ist und wer darauf Zugriff hatte. Das schützt sowohl Hinweisgeber als auch Unternehmen vor falschen Anschuldigungen.

Quantenverschlüsselung steht vor dem Durchbruch und könnte die nächste Stufe des Datenschutzes einläuten. Erste Pilotprojekte laufen bereits bei großen Konzernen. „Die Technologie entwickelt sich rasant“, erklärt Haarhoff. „Unternehmen sollten ihre Systeme so aufbauen, dass sie zukunftsfähig sind.“

Internationale Entwicklungen beachten

Die EU plant weitere Verschärfungen: Ab 2027 könnten auch Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern verpflichtet werden, wenn sie in sensiblen Branchen tätig sind. Gleichzeitig entstehen weltweit ähnliche Regelungen – ein Flickenteppich, der internationale Unternehmen vor neue Herausforderungen stellt.

Besonders spannend: Die USA diskutieren über ein Federal Whistleblower Protection Act, das deutlich über die europäischen Vorgaben hinausgehen könnte. Unternehmen mit transatlantischen Geschäften sollten diese Entwicklungen im Blick behalten.

Hintergrund zur Bildungsplattform openHPI

https://open.hpi.de ist Europas führende offene Lernplattform für digitale Themen. Seit dem Start 2012 haben sich über 1,4 Millionen Lernende für die kostenlosen Kurse angemeldet. Mehr als 380.000 aktive Nutzer aus über 180 Ländern bilden eine lebendige Community.

Das Institut hat bisher über 150.000 Zertifikate ausgestellt und bietet mehr als 120 Kurse im Archiv an. Die Plattform setzt auf interaktive Formate, KI-gestützte Lernhilfen und praktische Übungen. Partnerplattformen wie openSAP, OpenWHO, KI-Campus und eGov-Campus nutzen dieselbe bewährte Technologie.

 

Zuletzt aktualisiert am 18.02.2026