Ab sofort gelten bei der Lufthansa Group strenge neue Regeln für Powerbanks. Das Laden und Nutzen der mobilen Akkus ist während des Fluges komplett verboten. Was steckt dahinter – und was bedeutet das für dich als Passagier?
Wer kennt das nicht: Der Akku des Smartphones zeigt bedrohliche fünf Prozent an, der Flug dauert noch vier Stunden, und die Powerbank liegt griffbereit in der Tasche. Ein schnelles Einstecken, und das Problem wäre gelöst. Doch genau das ist ab sofort Geschichte – zumindest auf allen Flügen der Lufthansa Group.
Was genau hat sich geändert?
Seit dem 15. Januar 2026 gilt ein umfassendes Nutzungsverbot für Powerbanks auf allen Flügen der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaften. Das betrifft nicht nur die Lufthansa selbst, sondern auch Eurowings, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Discover Airlines, Air Dolomiti und Edelweiss Air. Wer also innerhalb dieses Konzernverbunds fliegt, muss sich auf neue Spielregeln einstellen.
Die wichtigsten Punkte der neuen Regelung: Powerbanks dürfen während des Fluges weder zum Laden von Geräten genutzt noch selbst über das Bordnetz aufgeladen werden. Sie müssen im Handgepäck mitgeführt werden – das Aufgeben im Koffer ist strikt verboten. Und auch wo die Powerbank verstaut werden darf, ist jetzt genau festgelegt: in der Sitztasche des Vordersitzes, am eigenen Körper oder im Handgepäck unter dem Sitz. Die Gepäckfächer über den Sitzen sind tabu.
Pro Passagier sind maximal zwei Powerbanks erlaubt, jeweils mit einer Kapazität von höchstens 100 Wattstunden. Das entspricht etwa 27.000 Milliamperestunden – die allermeisten handelsüblichen Modelle liegen darunter. Für leistungsstärkere Geräte zwischen 100 und 160 Wattstunden braucht man eine vorherige Genehmigung der Airline. Noch größere Akkus sind komplett ausgeschlossen.
Der Hintergrund: Wenn Akkus zur Gefahr werden
Die Verschärfung kommt nicht von ungefähr. Die Lufthansa Group begründet die neuen Regeln mit überarbeiteten Empfehlungen der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA sowie internationaler Organisationen wie IATA und ICAO. Doch der eigentliche Auslöser liegt rund 8.000 Kilometer entfernt.
Im Januar 2025 brach auf einem Airbus A321 der südkoreanischen Fluggesellschaft Air Busan ein Feuer aus. Die Maschine stand glücklicherweise noch am Boden in Busan und hatte wegen einer Verspätung noch nicht abgehoben. Der Brand breitete sich dennoch rasant aus – innerhalb weniger Minuten stand der gesamte Rumpf in Flammen. Alle 176 Passagiere konnten über Notrutschen evakuiert werden, einige wurden leicht verletzt. Die Untersuchung ergab: Eine Powerbank im Gepäckfach über den Sitzen hatte das Feuer ausgelöst.
Dieser Vorfall war ein Weckruf für die gesamte Branche. Denn er zeigt eindrücklich, was passieren kann, wenn ein Lithium-Ionen-Akku unkontrolliert Energie freisetzt.
Die Physik hinter der Gefahr
Lithium-Ionen-Akkus sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ihre Stärke – eine enorme Energiedichte auf kleinstem Raum – ist gleichzeitig ihre Achillesferse.
Das Problem hat einen Namen: thermisches Durchgehen. Wird ein Akku beschädigt, überladen oder zu stark erhitzt, kann eine Kettenreaktion einsetzen. Die Batterie erhitzt sich selbst, wodurch weitere Wärme freigesetzt wird. Ein Teufelskreis, der Temperaturen von bis zu 1.100 Grad erreichen kann.
Das Tückische: Solche Brände sind extrem schwer zu löschen. Lithium-Ionen-Batterien produzieren beim Verbrennen ihren eigenen Sauerstoff. Selbst unter Wasser brennt eine solche Batterie weiter – in der beengten Umgebung einer Flugzeugkabine ein Alptraum.
Warum die Regeln nicht übertrieben sind
Statistisch gesehen ist das Risiko eines Akkubrandes gering. Doch die Konsequenzen können katastrophal sein. In den USA entfallen bereits rund 29 Prozent aller Vorfälle mit gefährlichen Materialien in Flugzeugen auf Lithium-Ionen-Akkus – Tendenz steigend, parallel zur wachsenden Verbreitung dieser Technologie.
Die neuen Regeln der Lufthansa zielen darauf ab, genau die Situationen zu vermeiden, die ein thermisches Durchgehen auslösen können. Das Laden erzeugt Wärme. Das Nutzen erzeugt Wärme. Und ein Akku, der unkontrolliert im Gepäckfach über dem Kopf liegt, ist im Notfall schwerer zu erreichen als einer, der in Reichweite des Passagiers verstaut ist.
Die Lufthansa geht mit dem Verbot weiter als manche andere Airlines, orientiert sich dabei aber an einem internationalen Trend. Singapore Airlines hatte bereits im April 2025 die Nutzung untersagt, Cathay Pacific, Emirates, Qatar Airways und Etihad folgten im Laufe des Jahres. Ostasiatische Airlines reagierten nach dem Air-Busan-Vorfall besonders schnell.
Was das praktisch für dich bedeutet
Die gute Nachricht: Die USB-Anschlüsse und Steckdosen an Bord bleiben nutzbar. Du kannst dein Smartphone also weiterhin direkt über das Bordnetz laden – nur eben nicht mehr über den Umweg einer Powerbank.
Das erfordert etwas mehr Planung. Der wichtigste Tipp: Alle Geräte vor dem Flug vollständig aufladen. Der Flugmodus spart unterwegs Strom. Ein praktischer Hinweis: Viele Flugzeuge haben sowohl USB-C als auch USB-A-Anschlüsse – wer beide Kabeltypen einpackt, ist auf der sicheren Seite.
Für Menschen mit medizinischen Geräten gibt es eine Ausnahme. Wer beispielsweise eine Insulinpumpe mit einer Powerbank betreiben muss, darf dies nach Rücksprache mit der Airline weiterhin tun.
Der Blick nach vorn
Die Lufthansa-Entscheidung wird wohl nicht die letzte Verschärfung in diesem Bereich sein. Die Entwicklung hin zu immer leistungsfähigeren Akkus schreitet voran, und damit wachsen auch die potenziellen Risiken.
Für Passagiere bedeutet das: Es lohnt sich, vor jedem Flug die aktuellen Regelungen der jeweiligen Airline zu prüfen. Was heute noch erlaubt ist, kann morgen schon eingeschränkt sein. Die Lufthansa informiert über Pre-Flight-E-Mails und Ansagen an Bord.
Die neuen Regeln mögen zunächst unbequem erscheinen. Doch sie dienen einem guten Zweck: der Sicherheit aller an Bord. Und ein vollgeladenes Smartphone vor dem Abflug ist am Ende vielleicht gar keine so schlechte Gewohnheit.