Das Recht auf Vergessen ist längst kein Google-Monopol mehr. Seit dem wegweisenden EuGH-Urteil von 2014 müssen alle Suchmaschinen in Europa auf berechtigte Anträge reagieren und Links aus ihren Trefferlisten entfernen. Was bei Google schon seit Jahren Standard ist, haben mittlerweile auch andere Anbieter wie Microsoft Bing, DuckDuckGo und Yahoo implementiert.
Bei Microsoft Bing könnt ihr euer Recht auf Vergessen über ein spezielles Onlineformular geltend machen. Der Prozess ist mittlerweile deutlich streamliner als in den Anfangsjahren. Microsoft hat seine Bewertungskriterien verfeinert und bearbeitet Anträge in der Regel binnen vier bis sechs Wochen.
Voraussetzungen für einen erfolgreichen Antrag
Um einen Link bei Bing entfernen zu lassen, müsst ihr bestimmte Bedingungen erfüllen. Zunächst braucht ihr einen Wohnsitz in der EU, der Schweiz, Norwegen oder seit 2021 auch in Großbritannien. Als Identitätsnachweis reicht eine Kopie des Personalausweises oder Reisepasses.
Entscheidend ist aber die inhaltliche Begründung. Microsoft prüft jeden Einzelfall anhand mehrerer Kriterien: Ist die Information noch aktuell und von öffentlichem Interesse? Handelt es sich um eine Person des öffentlichen Lebens? Überwiegt das Recht auf Information das Persönlichkeitsrecht?
Besonders erfolgversprechend sind Anträge bei veralteten Informationen über Privatpersonen, längst erledigten Rechtsstreitigkeiten oder irreführenden Berichten. Wenig Chancen habt ihr dagegen bei aktuellen Nachrichtenmeldungen, Verurteilungen wegen schwerer Straftaten oder wenn ihr als öffentliche Person agiert.
Der Bewertungsprozess wird immer komplexer
Microsoft hat sein Bewertungsverfahren in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. Ein Team von Rechtsexperten und Datenschutzspezialisten prüft jeden Antrag individuell. Dabei fließen auch Empfehlungen der europäischen Datenschutzbehörden ein, die regelmäßig ihre Leitlinien aktualisieren.
Interessant: Microsoft behandelt unterschiedliche Länder teilweise verschieden. Was in Deutschland als schützenswerte Privatsphäre gilt, kann in Frankreich anders bewertet werden. Diese Unterschiede spiegeln die verschiedenen Rechtstraditionen wider und machen die Bearbeitung komplex.
Praktische Tipps für euren Antrag
Formuliert eure Begründung präzise und sachlich. Emotionale Appelle helfen wenig – Microsoft orientiert sich an rechtlichen Kriterien. Erklärt konkret, warum die Information veraltet, irreführend oder unverhältnismäßig ist.
Fügt relevante Belege bei: Zeitungsartikel, die eure Version stützen, Gerichtsbeschlüsse oder andere Dokumente, die eure Argumentation untermauern. Je besser dokumentiert, desto höher die Erfolgschancen.
Seid geduldig: Die Bearbeitung dauert mehrere Wochen. Microsoft muss oft Rücksprache mit Webseitenbetreibern halten und komplexe rechtliche Abwägungen treffen.
Was passiert nach der Genehmigung?
Wird euer Antrag genehmigt, verschwinden die betreffenden Links aus den europäischen Suchergebnissen von Bing. Wichtig: Die ursprünglichen Webseiten bleiben unverändert. Nur der Weg über die Suchmaschine wird blockiert.
Microsoft informiert in der Regel auch die betroffenen Webseitenbetreiber über die Entfernung. Diese können Widerspruch einlegen, was den Prozess verlängern kann.
Alternative Suchmaschinen nicht vergessen
Obwohl Google mit über 90% Marktanteil dominiert, solltet ihr bei anderen Suchmaschinen nicht vergessen, entsprechende Anträge zu stellen. DuckDuckGo, Ecosia, Startpage und andere Anbieter haben ebenfalls Verfahren für das Recht auf Vergessen etabliert.
Manche spezialisierte Suchmaschinen wie Yandex oder Baidu sind schwieriger zu handhaben, da sie nicht der europäischen Rechtsprechung unterliegen.
Grenzen des Rechts auf Vergessen
Trotz aller Möglichkeiten: Das Recht auf Vergessen ist kein Allheilmittel. Journalistische Berichterstattung genießt hohen Schutz, ebenso wie Informationen von historischer Bedeutung oder über Personen des öffentlichen Lebens.
Zudem wirkt die Entfernung nur in den jeweiligen Rechtsräumen. Was in Europa gelöscht wird, kann in anderen Ländern weiterhin auffindbar sein.
Dennoch ist das Recht auf Vergessen ein wichtiges Instrument geworden, um die Balance zwischen Informationsfreiheit und Persönlichkeitsschutz zu wahren. Microsoft und andere Anbieter haben ihre Verfahren stetig verbessert und bieten heute professionelle Lösungen für berechtigte Anliegen.
Zuletzt aktualisiert am 18.04.2026

