Ein Hype, der längst zur Gaming-Institution geworden ist: Millionen Menschen weltweit jagen auch 2026 noch täglich Monster mit ihrem Smartphone. Pokémon Go hat sich vom kurzlebigen Trend zum dauerhaften AR-Gaming-Phänomen entwickelt. Die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ empfiehlt Eltern weiterhin, sich intensiv mit dem Spiel zu beschäftigen und ihre Kinder über die nach wie vor bestehenden Risiken aufzuklären.
Bei Pokémon Go wird die reale Welt zur Spielfläche – ein Konzept, das inzwischen von zahllosen anderen AR-Spielen kopiert wurde. Vergleichbar mit einer digitalen Schnitzeljagd findet man Pokémon an öffentlichen Orten, besondere Gegenstände an echten Sehenswürdigkeiten, sogenannten Pokéstops. Dies funktioniert über Augmented Reality: Das Spiel erfasst die Bewegung und Umgebung des Spielers per GPS und Kamera und blendet virtuelle Gegenstände ein.
Die Grundprobleme sind auch Jahre nach dem Launch dieselben geblieben: „Wer sich wie ein ‚Smombie‘ auf den Display starrend fortbewegt um seltene Pokémon zu fangen, gefährdet sich im Straßenverkehr, kann sich verlaufen und in dunkle Ecken gelockt werden. Wichtig ist, immer auch seine Umgebung im Blick zu haben“, so SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer.
Neu hinzugekommen sind allerdings weitere Risiken: Das Spiel hat sich zu einem komplexen Ökosystem mit Events, Raids, PvP-Kämpfen und sozialen Features entwickelt. Kinder können heute viel intensiver mit Fremden interagieren als beim ursprünglichen Launch 2016.
App gründlich konfigurieren
Eltern sollten Installation und Anmeldung nach wie vor selbst vornehmen und sich vorher über aktuelle Datenschutzbestimmungen informieren. Die Altersfreigaben sind geblieben: Pokémon Go ist im Google Play Store mit 6 Jahren, im Apple App-Store mit 9+ eingestuft.
Da das Spiel heute noch komplexer geworden ist und von Kindern verlangt wird, Kaufanreizen standzuhalten, ihre Spielzeit selbst zu begrenzen, sich in Kontakt mit Fremden zu begeben, persönliche Daten freizugeben und sicher im Straßenverkehr zu agieren, empfiehlt der Spieleratgeber NRW das Spiel weiterhin erst ab 12 Jahren.
Wichtig: Seit 2024 bietet Pokémon Go erweiterte Kinderschutz-Features. Eltern können jetzt detaillierte Zeitlimits setzen, bestimmte Spielbereiche sperren und Interaktionen mit anderen Spielern komplett deaktivieren.
Datenschutz noch kritischer geworden
Die Datenschutz-Situation hat sich verschärft: Niantic sammelt heute noch mehr Daten als früher. Für Kinder unter 13 Jahren müssen Eltern weiterhin über den Pokémon Trainer Club ein Kinder-Konto anlegen. Dabei werden E-Mail-Adresse, Benutzername und Geburtsdatum abgefragt.
Neu ist: Das Spiel erstellt jetzt auch detaillierte Verhaltensprofile der Spieler und nutzt KI-Algorithmen, um das Spielverhalten zu analysieren. Diese Daten fließen in Niantics AR-Mapping-Projekte ein. Eltern sollten in den Einstellungen die Datensammlung auf das Minimum beschränken.
Um Pokémon Go spielen zu können, wird das Smartphone über GPS geortet. Die App speichert dabei Standortdaten und erstellt Bewegungsprofile. Andere Spieler können bei aktivierten sozialen Features den Standort und Benutzernamen sehen. Daher unbedingt einen anonymen Namen wählen und Standort-Sharing deaktivieren.
Tipp: Screenshots des Spiels niemals in sozialen Medien posten – moderne KI-Tools können daraus präzise Standorte ableiten.
In-App-Käufe sind aggressiver geworden
Das Monetarisierungsmodell hat sich deutlich verschärft. Pokémon Go bietet heute wesentlich mehr In-App-Käufe als früher: Premium-Pässe, limitierte Events, Kostüme, Lagerplatz-Erweiterungen und sogar Abo-Modelle. Virtuelle Poké-Münzen kosten echtes Geld und der Druck zum Kauf ist durch FOMO-Marketing (Fear of Missing Out) bei zeitlimitierten Events stark gestiegen.
Eltern sollten In-App-Käufe komplett deaktivieren (iOS) oder per Passwort schützen (Android). Zusätzlich empfiehlt sich die Aktivierung der neuen Ausgaben-Kontrolle in den Smartphone-Einstellungen, die vor jedem Kauf eine Bestätigung verlangt.
Bildschirmzeit bewusst begrenzen
SCHAU HIN! rät weiterhin zu festen Spielzeiten, etwa eine Stunde am Stück. Das ist heute wichtiger denn je, da Pokémon Go durch tägliche Boni, Events und soziale Features stark auf Dauerbindung setzt.
Moderne Smartphones bieten heute bessere Kontrollen: Eltern können über die Bildschirmzeit-Funktionen (iOS) oder Digital Wellbeing (Android) präzise Limits setzen. Ein Kompromiss kann sein, Kinder eine bestimmte Anzahl Pokémon fangen oder ein tägliches Ziel erreichen zu lassen.
Wichtig: Das Spiel nutzt heute Gamification-Techniken, die süchtig machen können. Achtet auf Warnsignale wie ständige Gedanken an das Spiel oder Vernachlässigung anderer Aktivitäten.
Sicherheit bleibt oberste Priorität
Die Sicherheitsrisiken sind real geblieben: Auch 2026 gibt es immer noch Berichte über Unfälle und kriminelle Aktivitäten rund um Pokéstops. Neu sind Probleme mit gefälschten Pokéstops, die Betrüger für Phishing-Angriffe nutzen.
Empfehlungen für sicheres Spielen:
– Spiel auf bekannte, gut beleuchtete Bereiche beschränken
– Bei jüngeren Kindern den Bewegungsradius klar definieren
– Niemals allein zu entlegenen Pokéstops gehen
– Abgesperrte Bereiche und Privatgelände respektieren
– Immer genügend Akku für Notfälle reservieren
Tipp: Nutzt die 2025 eingeführte „Buddy-Funktion“, mit der Eltern den Standort ihres Kindes in Echtzeit verfolgen können.
Für Familien bietet Pokémon Go auch positive Aspekte: Gemeinsame Spaziergänge, Entdeckung der Umgebung und körperliche Aktivität. Das Spiel kann ein Anlass sein, die Nachbarschaft neu zu erkunden – aber immer mit der nötigen Vorsicht.
Eine aktuelle pädagogische Spielebewertung finden Eltern beim Spieleratgeber NRW.
„SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV SPIELFILM. Der Medienratgeber für Familien unterstützt seit 2003 Eltern und Erziehende dabei, Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.
Zuletzt aktualisiert am 07.04.2026


