Das Ende von Blackberry-Smartphones: Vom Absturz zum Comeback

von | 07.10.2016 | Tipps

Blackberry war einst der König der Smartphones. Doch bereits 2016 musste der kanadische Pionier kapitulieren und gab sein Smartphone-Geschäft auf. Fast zehn Jahre später zeigt sich: Diese Entscheidung war nur der Anfang einer kompletten Neuerfindung. Heute ist Blackberry ein völlig anderes Unternehmen – und durchaus erfolgreich.

Der einstige Smartphone-König hatte schon damals erkannt: Gegen iPhone und Android war kein Kraut gewachsen. Die charakteristische Tastatur und das eigene Betriebssystem konnten dem Touchscreen-Boom nichts entgegensetzen. Der Marktanteil schrumpfte auf unter ein Prozent – ein dramatischer Absturz für den einstigen Marktführer.

So entschied sich Blackberry 2016, die Smartphone-Entwicklung komplett an externe Partner abzugeben. Die Hardware-Produktion übernahmen zunächst chinesische Hersteller wie TCL, später kamen weitere Partner hinzu. Blackberry selbst konzentrierte sich auf Software und Sicherheitslösungen.

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Das endgültige Aus für Blackberry-Smartphones

2022 folgte dann der finale Schlussstrich: Blackberry stellte den Support für alle seine Legacy-Dienste ein. Alte Blackberry-Geräte mit BB7, BB10 oder älteren Betriebssystemen verloren ihre Internetverbindung, E-Mail-Funktionen und sogar Notrufe funktionierten nicht mehr. Das war das endgültige Ende einer Ära.

Die letzten Versuche mit Android-basierten Geräten wie dem Priv (2015) oder dem DTEK50 und DTEK60 (2016/2017) blieben erfolglos. Zu teuer, zu spät und ohne überzeugende Alleinstellungsmerkmale – die Nutzer waren längst zu iPhone oder Samsung gewechselt. Die legendäre Blackberry-Tastatur war zum Anachronismus geworden in einer Welt der Touchscreens.

Blackberrys zweites Leben: Cybersecurity und Automotive

Doch das Ende der Smartphones war nicht das Ende von Blackberry. Im Gegenteil: Das Unternehmen hat sich erfolgreich neu erfunden. Heute ist Blackberry ein führender Anbieter für Cybersecurity-Lösungen und Automotive-Software.

Der Fokus liegt auf drei Kernbereichen:

Cybersecurity: Mit BlackBerry Cylance bietet das Unternehmen KI-basierte Endpoint-Protection. Die Software nutzt Machine Learning, um Malware zu erkennen, bevor sie Schäden anrichtet. Große Unternehmen und Behörden setzen auf diese Technologie.

Automotive Software: BlackBerry QNX ist das Betriebssystem, das in Millionen von Autos läuft – von BMW über Ford bis hin zu Tesla. Mit dem Boom der Elektromobilität und autonomen Fahrzeuge ist diese Sparte besonders wertvoll geworden.

IoT-Sicherheit: In einer vernetzten Welt werden sichere Kommunikationslösungen immer wichtiger. Blackberry liefert die Software-Basis für kritische Infrastrukturen.

Von der Krise zum Comeback

Finanziell steht Blackberry heute deutlich besser da als in den Smartphone-Jahren. Der Umsatz kommt fast ausschließlich aus wiederkehrenden Software-Lizenzen – ein stabileres Geschäftsmodell als der harte Hardware-Markt.

2024 konnte Blackberry sogar wieder Wachstum verzeichnen, nachdem jahrelang die Umsätze geschrumpft waren. Besonders die Automotive-Sparte profitiert vom Trend zu Software-definierten Fahrzeugen. Jedes moderne Auto ist heute ein rollender Computer – und braucht entsprechend sichere Software.

Die Ironie der Geschichte: Während Blackberry im Smartphone-Markt grandios scheiterte, ist das Unternehmen heute erfolgreicher denn je in Bereichen, die ohne Smartphones gar nicht existieren würden. Die Expertise in sicherer Kommunikation, die einst Blackberry-Handys so beliebt bei Geschäftsleuten und Politikern machte, ist heute gefragter denn je.

Lehren aus dem Blackberry-Desaster

Der Fall und Wiederaufstieg von Blackberry zeigt: Manchmal ist ein radikaler Kurswechsel die einzige Rettung. Statt krampfhaft am alten Geschäftsmodell festzuhalten, hatte Blackberry den Mut, sich komplett neu zu erfinden.

Für die Tech-Branche ist Blackberry ein Lehrbeispiel: Innovation allein reicht nicht. Man muss auch verstehen, was Kunden wirklich wollen. Die perfekte Tastatur nützt nichts, wenn alle Touchscreens bevorzugen. Aber die dahinterliegende Technologie – Sicherheit, Verschlüsselung, robuste Software – bleibt wertvoll, nur in neuen Anwendungsfeldern.

Heute erinnern sich nur noch wenige an die Zeit, als „BlackBerry“ und „Smartphone“ synonym waren. Aber die DNA des Unternehmens – sichere, zuverlässige Kommunikationstechnologie – lebt weiter. Nur eben nicht mehr in der Hosentasche, sondern im Auto, im Rechenzentrum und in kritischen Infrastrukturen.

So gesehen war das Ende der Blackberry-Smartphones nicht das Ende einer Geschichte, sondern der Anfang einer neuen. Eine Geschichte, die zeigt: Manchmal muss man loslassen, um zu gewinnen.

Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026

Jörg Schieb
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