Die Sysinternals-Tools sind seit über zwei Jahrzehnten ein unverzichtbares Arsenal für System-Administratoren und Power-User. Diese mächtige Sammlung von Diagnose- und Verwaltungstools stammt ursprünglich von Mark Russinovich und wurde von Microsoft übernommen. Das Besondere: Ihr müsst diese Tools nicht einmal herunterladen oder auf einem USB-Stick mit euch herumtragen. Sie lassen sich direkt aus dem Internet starten – ein Feature, das auch 2026 noch funktioniert und extrem praktisch ist.
Sysinternals Live: Tools direkt aus der Cloud
Microsoft hostet alle Sysinternals-Tools über einen speziellen Netzwerk-Share namens „Sysinternals Live“. Dieser Service ist kostenlos und ermöglicht es, über 70 verschiedene Tools direkt aus dem Web zu starten, ohne sie lokal installieren zu müssen. Das ist besonders nützlich, wenn ihr an fremden Rechnern arbeitet oder spontan ein Diagnose-Tool benötigt.
Im Beispiel starten wir den legendären Process Explorer, der euch detaillierte Informationen über laufende Programme und Hintergrunddienste anzeigt. So geht’s unter aktuellen Windows-Versionen (Windows 10, 11 und Windows Server 2019/2022):
- Drückt Windows+R für den Ausführen-Dialog, oder klickt mit der rechten Maustaste auf den Start-Button und wählt „Ausführen“.
- Gebt folgende Adresse ein: \live.sysinternals.comtools
- Nach einem Klick auf „OK“ öffnet sich ein Explorer-Fenster mit dem kompletten Sysinternals-Arsenal.
- Per Doppelklick auf „procexp.exe“ startet der Process Explorer – oder auf „procexp64.exe“ für die 64-Bit-Version.
Die wichtigsten Tools im Überblick
Die Sysinternals-Sammlung umfasst mittlerweile über 70 Tools. Hier sind die absoluten Must-haves:
Process Explorer (procexp.exe): Der ultimative Task-Manager-Ersatz. Zeigt nicht nur laufende Prozesse, sondern auch deren Abhängigkeiten, geöffnete Dateien und Registry-Keys. Unverzichtbar für die Fehlersuche.
Process Monitor (procmon.exe): Überwacht in Echtzeit alle Dateisystem-, Registry- und Prozess-Aktivitäten. Perfekt, um herauszufinden, was ein Programm im Hintergrund treibt.
Autoruns (autoruns.exe): Zeigt alle Programme, die beim Windows-Start geladen werden – weit detaillierter als der Task-Manager. Ideal zum Aufspüren von Malware oder Performance-Bremsen.
PSTools: Eine Sammlung von Kommandozeilen-Tools für Remote-Administration. PsExec ermöglicht es beispielsweise, Programme auf entfernten Rechnern auszuführen.
TCPView (tcpview.exe): Zeigt alle aktiven TCP- und UDP-Verbindungen mit den zugehörigen Programmen. Unverzichtbar für Netzwerk-Diagnosen.
Alternative Zugriffswege
Neben dem direkten Netzwerk-Zugriff gibt es weitere Möglichkeiten:
Über die Kommandozeile: Öffnet eine erhöhte Eingabeaufforderung und gebt direkt den Pfad ein: \live.sysinternals.comtoolsprocexp.exe. Das Tool startet sofort.
PowerShell-Integration: Mit PowerShell könnt ihr Sysinternals-Tools elegant in Skripte einbinden. Der Befehl & "\live.sysinternals.comtoolsprocexp.exe" startet beispielsweise den Process Explorer.
Lokale Kopie für Offline-Nutzung: Wer häufiger offline arbeitet, kann die komplette Sammlung von der Microsoft-Website herunterladen. Die Tools funktionieren ohne Installation – einfach entpacken und starten.
Sicherheitsaspekte beachten
Der Zugriff auf Sysinternals Live erfordert eine aktive Internetverbindung und die Berechtigung, auf Netzwerk-Shares zuzugreifen. In Unternehmensumgebungen kann dies durch Firewalls oder Gruppenrichtlinien blockiert sein. Admins sollten dann entweder entsprechende Freigaben erteilen oder eine lokale Kopie der Tools bereitstellen.
Bei der ersten Nutzung eines Tools werden die Lizenzbedingungen angezeigt. Ein Klick auf „Agree“ akzeptiert die kostenlose Nutzung. Diese Zustimmung wird lokal gespeichert und muss pro Tool nur einmal erfolgen.
Warum Sysinternals auch 2026 unverzichtbar sind
Obwohl Windows mittlerweile viele eingebaute Diagnose-Tools mitbringt, bleiben die Sysinternals-Tools unersetzlich. Sie bieten eine Detailtiefe und Funktionalität, die Microsoft bewusst nicht in Windows integriert, um das System nicht zu überladen. Für Troubleshooting, Performance-Analyse und System-Überwachung sind sie nach wie vor das Maß aller Dinge.
Die direkte Ausführung über das Internet macht diese Tools noch zugänglicher. Keine Installation, keine Updates – immer die neueste Version verfügbar. Ein cleveres Konzept, das zeigt, dass manchmal die einfachsten Lösungen die besten sind.
Zuletzt aktualisiert am 18.04.2026

