Über zwei Jahre nach Elon Musks Twitter-Übernahme ist aus dem Kurznachrichtendienst eine völlig andere Plattform geworden. X kämpft mit massivem Nutzerschwund, Umsatzeinbußen und wachsender Konkurrenz. Eine Bilanz der dramatischen Veränderungen.
Am 27. Oktober 2022 übernahm Elon Musk für 44 Milliarden Dollar Twitter – heute, über zwei Jahre später, ist von der ursprünglichen Plattform kaum noch etwas übrig. Der Tesla- und SpaceX-CEO, der laut Forbes mit einem Vermögen von rund 240 Milliarden Dollar weiterhin zu den reichsten Menschen der Welt zählt, hat die Plattform radikal umgekrempelt.
Gleich nach der Übernahme entließ Musk das komplette Top-Management und in den folgenden Monaten über 80% der Belegschaft – von ursprünglich 7.800 Mitarbeitern blieben weniger als 1.500 übrig.
Seitdem Elon Musk bei Twitter/X das Sagen hat, hat sich eine Menge verändert
Technische Probleme und Ausfälle nehmen zu
Die drastischen Personalkürzungen haben spürbare Folgen: X kämpft regelmäßig mit technischen Problemen, Server-Ausfällen und Bugs. Ohne ausreichend Entwickler und Ingenieure können Updates nur noch langsam ausgerollt werden. Die Content-Moderation ist praktisch zusammengebrochen – automatische Systeme zur Erkennung von Spam, Bots und Hassrede funktionieren oft nicht mehr richtig.
Musks Verständnis von „absoluter Meinungsfreiheit“ führte zur Rückkehr gesperrter Accounts, darunter auch die von Verschwörungstheoretikern und rechtsextremen Influencern. Die Folgen sind messbar: Studien belegen eine deutliche Zunahme von Hassrede, Desinformation und toxischen Inhalten.

Inszenierung: Elon Musk schleppt ein Becken ins Hauptquartier
Werbeeinbußen und finanzielle Krise
Die Veränderungen haben schwerwiegende finanzielle Folgen: Der Werbeumsatz von X ist um geschätzte 70-80% eingebrochen. Große Marken wie Disney, Apple, IBM und viele andere haben ihre Werbebudgets abgezogen – teilweise nach antisemitischen Äußerungen Musks selbst.
Um die Verluste zu kompensieren, führte Musk verschiedene Bezahl-Features ein: X Premium kostet mittlerweile 8 Dollar monatlich in den USA (in Deutschland etwa 8 Euro), X Premium+ sogar 16 Dollar. Nutzer können gegen Bezahlung längere Posts verfassen, weniger Werbung sehen und ihre Posts werden algorithmisch bevorzugt.
Trotz dieser Maßnahmen soll X laut Insider-Berichten monatlich noch immer Millionenverluste schreiben. Der Unternehmenswert ist von den ursprünglich 44 Milliarden auf geschätzte 10-15 Milliarden Dollar gefallen.
Elon Musk gewährt mehr Redefreiheit
Konkurrenz wächst: Meta Threads und andere Alternativen
Die Schwäche von X haben Konkurrenten genutzt: Meta startete im Juli 2023 erfolgreich „Threads“, das binnen weniger Monate über 100 Millionen Nutzer gewann. Auch Mastodon, Bluesky und andere dezentrale Netzwerke verzeichneten enormen Zulauf.
Besonders Threads profitiert von der Integration in das Instagram-Ökosystem und zieht gezielt unzufriedene X-Nutzer an. Die Plattform punktet mit stabilerer Technik und professionellerer Content-Moderation.
KI-Integration und neue Features
Parallel zu den Problemen versucht Musk, X mit KI-Features zu modernisieren. Ende 2023 integrierte er „Grok“, einen ChatGPT-Konkurrenten, der X-Daten in Echtzeit nutzt. Premium-Nutzer können Grok für Recherchen und Content-Erstellung verwenden.
Zudem plant Musk, X zu einer „Everything App“ auszubauen – ähnlich dem chinesischen WeChat. Bezahlfunktionen, Shopping und sogar Banking sollen integriert werden. Erste Tests laufen bereits in ausgewählten Märkten.
Nutzerschwund und veränderte Demografie
Trotz aller Bemühungen verliert X kontinuierlich Nutzer. Schätzungen gehen von einem Rückgang um 15-30% seit der Übernahme aus – besonders betroffen sind westliche Märkte. Viele Prominente, Politiker und Unternehmen haben ihre Aktivität drastisch reduziert oder sind ganz abgewandert.
Die verbliebene Nutzerschaft ist politisch deutlich nach rechts gerückt. Linksliberale Stimmen sind seltener geworden, während konservative und rechtspopulistische Inhalte dominieren. Diese Entwicklung verstärkt den Werbe-Exodus, da Brands das veränderte Umfeld meiden.
Ausblick: Ungewisse Zukunft
Zwei Jahre nach der Übernahme steht X an einem Scheideweg. Einerseits arbeitet Musk an innovativen Features und KI-Integration, andererseits kämpft die Plattform mit strukturellen Problemen, Nutzerschwund und finanziellen Verlusten.
Ob die Vision einer „Everything App“ aufgeht oder X weiter an Relevanz verliert, wird sich in den kommenden Monaten entscheiden. Sicher ist: Die Twitter-Ära ist endgültig vorbei – was aus X wird, bleibt eine der spannendsten Fragen der Tech-Welt.
Für Medienschaffende, Politiker und Journalisten bleibt X trotz aller Probleme noch immer eine wichtige Plattform – auch wenn viele parallel auf Alternativen setzen. Die Dominanz der frühen Twitter-Jahre ist jedoch Geschichte.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026