Wer aus der Ferne auf den eigenen Computer zugreifen möchte, hat dazu mehrere Optionen: Remote Desktop Protocol (RDP), SSH oder VNC. Bei Linux-Systemen wie Ubuntu ist VNC (Virtual Network Computing) oft die erste Wahl – und das Beste daran: Der VNC-Server ist bereits eingebaut und muss nur aktiviert werden.
VNC vs. Remote Desktop: Was ist der Unterschied?
VNC überträgt den kompletten Desktop-Bildschirm über das Netzwerk, während RDP hauptsächlich bei Windows-Systemen zum Einsatz kommt. Der Vorteil von VNC: Es funktioniert plattformübergreifend zwischen Linux, Windows und macOS. Ihr könnt also von jedem Betriebssystem auf euren Ubuntu-Rechner zugreifen.
VNC-Server in Ubuntu aktivieren
- Öffnet die Einstellungen (früher über das Dash, heute über das Anwendungsmenü oder mit Super-Taste + „Einstellungen“)
- Navigiert zu Freigabe oder Sharing
- Aktiviert den Schalter oben rechts, um die Freigabe zu aktivieren
- Klickt auf Desktop-Freigabe oder Screen Sharing
- Aktiviert die Option „Zugriff auf die Anzeige zulassen“
Sicherheitseinstellungen konfigurieren
Nach der Aktivierung solltet ihr unbedingt die Sicherheitsoptionen anpassen:
Authentifizierung: Wählt zwischen „Neue Verbindungen müssen um Zugriff bitten“ oder „Passwort erforderlich“. Letzteres ist für dauerhafte Fernzugriffe praktischer.
Passwort setzen: Falls ihr euch für die Passwort-Option entscheidet, vergebt ein starkes Passwort mit mindestens 8 Zeichen.
Netzwerk-Zugriff: Standardmäßig akzeptiert Ubuntu nur Verbindungen aus dem lokalen Netzwerk. Für Zugriff von außen müsst ihr zusätzliche Schritte unternehmen.
Erweiterte Konfiguration über die Kommandozeile
Für erweiterte Einstellungen öffnet das Terminal und nutzt diese Befehle:
gsettings set org.gnome.desktop.remote-desktop.vnc enable true
gsettings set org.gnome.desktop.remote-desktop.vnc auth-method 'password'
Die IP-Adresse eures Ubuntu-Rechners findet ihr mit:
hostname -I
VNC-Client: So stellt ihr die Verbindung her
Um auf euren Ubuntu-Desktop zuzugreifen, benötigt ihr einen VNC-Viewer:
Windows: TightVNC Viewer, UltraVNC oder RealVNC
macOS: Screen Sharing (eingebaut) oder RealVNC
Linux: Remmina (meist vorinstalliert), Vinagre oder TigerVNC
Mobile: VNC Viewer Apps für Android und iOS
Gebt einfach die IP-Adresse eures Ubuntu-Rechners ein, standardmäßig nutzt VNC Port 5900.
Häufige Probleme und Lösungen
Schwarzer Bildschirm: Das passiert oft, wenn der Ubuntu-Desktop gesperrt ist. Entsperrt den Bildschirm direkt am Rechner.
Verbindung wird abgelehnt: Überprüft, ob die Firewall (ufw) den VNC-Port blockiert:
sudo ufw allow 5900
Langsame Übertragung: VNC überträgt viele Bilddaten. In den Client-Einstellungen könnt ihr die Bildqualität reduzieren oder Kompression aktivieren.
Sicherheit bei externem Zugriff
Für Zugriff über das Internet solltet ihr zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen treffen:
VPN verwenden: Statt VNC direkt ins Internet zu stellen, richtet einen VPN-Server ein und greift darüber zu.
SSH-Tunnel: Leitet VNC-Verbindungen durch einen verschlüsselten SSH-Tunnel:
ssh -L 5900:localhost:5900 benutzername@euer-server.de
Port-Weiterleitung: Falls ihr VNC doch direkt nutzen wollt, ändert den Standard-Port und aktiviert zusätzliche Authentifizierung.
Alternative: GNOME Remote Desktop
Seit Ubuntu 22.04 LTS verwendet GNOME Remote Desktop standardmäßig RDP statt VNC. Das bietet bessere Performance und Sicherheit. Ihr könnt in den Einstellungen zwischen beiden Protokollen wählen.
VNC bleibt aber weiterhin eine solide Option für plattformübergreifenden Fernzugriff. Mit der richtigen Konfiguration habt ihr euren Ubuntu-Desktop überall dabei – egal ob im Heimnetzwerk oder unterwegs.
Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026

