Was macht Apple mit all dem Geld?

von | 29.01.2015 | Tipps

Ich habe keine Apple-Aktien. Ich habe nichts davon, wenn Apple weiterhin zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehört. 383 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2023. Über 97 Milliarden Dollar Gewinn. Das sind unvorstellbare Summen – und sie werden Jahr für Jahr größer.

Ich gönne dem Unternehmen den Erfolg. Gute Produkte, geschicktes Marketing, visionäre Geschäftspolitik – all das soll belohnt werden. Doch durch den sich nun dauerhaft abzeichnenden Erfolg drängt sich eine andere Frage auf: Was, bitteschön, macht Apple mit all dem Geld?

Wer so viele Menschen erreicht, wer so viel verdient, der hat auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Doch was macht Apple? Nach wie vor lässt das Unternehmen primär in Asien produzieren – wenn auch unter mittlerweile besseren Bedingungen als früher. Und Apple nutzt weiterhin komplexe Steuerstrukturen, um die Steuerlast zu optimieren, auch wenn die EU 2016 eine Nachzahlung von 13 Milliarden Euro durchgesetzt hat.

Apple sitzt auf einem Cash-Berg von über 160 Milliarden Dollar. Damit könnte man eine Menge bewegen. Klar, das Unternehmen hat in den letzten Jahren durchaus Fortschritte gemacht: Die Apple Park-Zentrale läuft komplett mit erneuerbaren Energien, bis 2030 soll die gesamte Lieferkette CO2-neutral werden. Das ist löblich, aber gemessen an den Möglichkeiten noch immer bescheiden.

97 Milliarden Dollar Jahresgewinn: Damit könnte man deutlich mehr bewirken. Man könnte die Preise für Produkte senken – stattdessen kostet ein iPhone Pro Max heute über 1.300 Euro. Man könnte eine milliardenschwere Klimastiftung gründen, die echten Impact hat. Man könnte Bildungsprogramme in Entwicklungsländern finanzieren oder die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern revolutionieren.

Stattdessen kauft Apple hauptsächlich eigene Aktien zurück – allein 2023 waren es 77 Milliarden Dollar. Das treibt den Aktienkurs nach oben und macht Investoren glücklich, aber gesellschaftlich bringt es wenig. Die Dividende von 0,24 Dollar pro Aktie ist eher symbolisch.

Interessant wird es bei Apples neuesten Geschäftsfeldern. Die Vision Pro kostet 4.000 Dollar und richtet sich an eine winzige Zielgruppe. Die KI-Funktionen von „Apple Intelligence“ kommen hauptsächlich den neuesten (und teuersten) Geräten zugute. Selbst die grundlegende Reparierbarkeit der Produkte verbessert sich nur schleppend – obwohl Apple die Mittel hätte, hier Maßstäbe zu setzen.

Dabei zeigen andere Tech-Giganten, dass es auch anders geht. Die Gates Foundation hat über 70 Milliarden Dollar für globale Gesundheit und Bildung bereitgestellt. Auch wenn man Bill Gates‘ Ansatz kritisch sehen kann – die Dimension ist beeindruckend. Oder nehmt die Bezos Earth Fund mit 10 Milliarden Dollar für den Klimaschutz.

Apple könnte mit seiner Marktmacht echte Veränderungen anstoßen. Wenn das Unternehmen morgen beschließen würde, nur noch mit Zulieferern zu arbeiten, die lebenswerteL öhne zahlen, würde das die gesamte Elektronikindustrie verändern. Wenn Apple eine offene Reparatur-Infrastruktur schaffen würde, könnten Millionen von Geräten länger genutzt werden.

Stattdessen sehen wir vor allem Business as usual. Natürlich ist Apple ein börsennotiertes Unternehmen mit Verpflichtungen gegenüber Aktionären. Aber bei solchen Gewinnmargen wäre durchaus Spielraum für mehr gesellschaftliche Verantwortung vorhanden.

Es mag romantisch oder naiv wirken, sich zu wünschen, dass ein Unternehmen dieser Größe seine Möglichkeiten voll ausschöpft – nicht nur für Profit, sondern für echten gesellschaftlichen Fortschritt. Aber bei einem Konzern, der täglich 265 Millionen Dollar Gewinn macht, ist es eigentlich zu erwarten. Und längst überfällig.

Die Frage bleibt also: Was macht Apple wirklich mit all dem Geld? Die Antwort ist ernüchternd einfach: Vor allem mehr Geld daraus machen.

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Zuletzt aktualisiert am 17.04.2026