Die digitale Überwachung ist 2026 allgegenwärtig geworden. Meta, Google, TikTok und Co. sammeln nicht nur eure Klicks und Likes, sondern erstellen mittlerweile detaillierte Persönlichkeitsprofile durch KI-Analyse. Was früher simple Werbeanpassung war, ist heute zu präziser Verhaltensvorhersage geworden. Aber ihr habt mehr Rechte als je zuvor – wenn ihr wisst, wo ihr suchen müsst.
Seit der DSGVO und dem Digital Services Act haben sich die Möglichkeiten zur Dateneinsicht drastisch verbessert. Die Unternehmen müssen heute deutlich transparenter sein, auch wenn sie es nicht gerne tun.
Die großen Tech-Konzerne kennen uns heute erschreckend genau. Durch Machine Learning analysieren sie nicht nur, was wir posten oder suchen, sondern auch wie lange wir bei bestimmten Inhalten verweilen, welche Emotionen unsere Gesichter beim Scrollen zeigen (bei aktivierter Kamera) und sogar unsere Tippgeschwindigkeit als „digitalen Fingerabdruck“.
Digitale Akte anfordern – heute umfassender denn je
Dank der DSGVO müssen alle großen Plattformen euch eine vollständige Kopie eurer Daten zur Verfügung stellen. Diese „Datenportabilität“ ist euer Recht – und die Unternehmen dürfen das nicht mehr nur oberflächlich machen.
Meta (ehemals Facebook) bietet seit 2024 einen deutlich umfassenderen Datendownload. Unter „Einstellungen & Privatsphäre“ → „Deine Informationen“ findet ihr jetzt „Informationen herunterladen“. Hier könnt ihr zwischen einem „schnellen“ Export (wie früher) und einem „vollständigen“ Export wählen. Der vollständige Export enthält auch:
- KI-basierte Interessenskategorien
- Emotionsanalysen eurer Posts
- Verweildauern bei verschiedenen Inhalten
- Cross-Platform-Tracking-Daten von Instagram und WhatsApp
- Sogar Daten von Websites mit Meta-Pixel, die ihr besucht habt
Der Download kann mehrere Wochen dauern – ein Zeichen dafür, wie umfangreich die Datensammlung geworden ist.
X (Twitter) und TikTok – die neuen Datenkraken
X (ehemals Twitter) unter Elon Musk sammelt seit 2024 noch aggressiver Daten. Der „Datenexport“ findet sich unter „Einstellungen“ → „Dein Konto“ → „Lade ein Archiv deiner Daten herunter“. Neu dabei: Analyse eurer politischen Präferenzen (für die Algorithmus-Anpassung) und sogar Sprachanalysen eurer Audio-Spaces.
Besonders krass ist TikTok geworden. Der chinesische Konzern ByteDance sammelt:
– Gesichtserkennung und Emotionsanalyse aus Videos
– Geräte-Fingerprinting (sogar eurer anderen Apps)
– Standortdaten auch bei deaktiviertem GPS (über WLAN-Triangulation)
TikToks Datenexport findet ihr unter „Profil“ → „Einstellungen“ → „Datenschutz“ → „Deine Daten anfordern“. Achtung: TikTok liefert oft unvollständige Exports – hier lohnt sich eine offizielle Beschwerde bei eurer Datenschutzbehörde.
Was weiß Google 2026 über mich?
Google bleibt der absolute Datenriese, aber immerhin auch der transparenteste. Das neue „Mein Google-Profil“ (myactivity.google.com) zeigt erschreckend detaillierte Einblicke:
- KI-Persönlichkeitsanalyse: Googles Gemini AI erstellt detaillierte Persönlichkeitsprofile
- Kaufverhalten: Nicht nur aus Google Shopping, sondern auch aus Gmail-Rechnungen extrahiert
- Gesundheitsdaten: Aus Suchanfragen abgeleitete Gesundheitsprognosen
- Standort-Timeline: Bis auf 3 Meter genau, auch in Gebäuden
- Stimm-Biometrie: Aus Google Assistant und YouTube-Kommentaren
Das Positive: Bei Google könnt ihr fast alles auch wieder löschen. Unter „Daten & Datenschutz“ findet ihr granulare Löschoptionen.
Neue Spieler: ChatGPT, LinkedIn und Apple
OpenAI sammelt durch ChatGPT massive Datenmengen über eure Denkprozessen. Unter „Settings“ → „Data Export“ könnt ihr sehen, welche Konversations-Muster analysiert wurden.
LinkedIn ist 2026 zur Business-Datenkrake geworden. Neben Karrieredaten sammelt Microsoft auch:
– Gehaltsschätzungen aus euren Kontakten
– Persönlichkeits-Scores für Recruiter
– Sogar private Nachrichten werden auf „Professionalität“ gescannt
Apple, lange als Privacy-Champion gefeiert, sammelt seit 2024 deutlich mehr Daten für seine KI-Services. Der „Datenschutzbericht“ in iOS zeigt, dass auch Apple detaillierte Nutzerprofile erstellt – nur eben „lokal auf dem Gerät“.
Eure Rechte: Löschen, Korrigieren, Widersprechen
Seit 2024 haben die Durchsetzungsbehörden richtig Zähne bekommen. Ihr könnt:
- Vollständige Löschung verlangen („Recht auf Vergessenwerden“)
- Datenrichtigkeit einfordern
- Widerspruch gegen KI-Analyse einlegen
- Automated Decision Making ablehnen
Die Unternehmen müssen binnen 30 Tagen reagieren – oder drohen drakonische Strafen.
Praktische Tools für mehr Kontrolle
Nutzt Browser-Extensions wie „Privacy Badger“ oder „Ghostery“ für automatisches Tracking-Blocking. Die neue EU-App „MyData“ (verfügbar ab März 2026) zeigt euch alle gesammelten Daten aller Dienste in einer Übersicht.
Fazit: Die Datensammlung ist massiver geworden, aber eure Rechte auch stärker. Nutzt sie.
Zuletzt aktualisiert am 08.04.2026



