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Werbung in Spielen: Für Kids nicht in Ordnung

von | 22.08.2018 | Digital

Das Smartphone hat den PC als wichtigste Plattform für Spiele endgültig abgelöst. Mit Mobile Games lässt sich eine Menge Geld verdienen – der Markt ist 2026 auf über 130 Milliarden Dollar angewachsen. Deshalb gibt es eine riesige Auswahl an Spielen. Viele Games sind aber gratis. Verdient wird trotzdem – mit immer aggressiverer Werbung! Das nervt nicht nur, es ist auch problematisch, wenn Kinder und Jugendliche der Dauerberieselung ausgesetzt sind.

Früher hat man Spiele gekauft – in der Box oder online – und dann losgelegt, an der Konsole, auf dem PC. Heute bezieht man Games praktisch ausschließlich über App Stores und Online-Plattformen.

Vor allem auf Smartphone und Tablet dominiert das Free-to-Play-Modell komplett. Der Verdrängungswettbewerb ist gigantisch: Über 500 neue Mobile Games erscheinen täglich in den App Stores. Also sind die meisten Spiele gratis, damit sie überhaupt eine Chance haben, entdeckt zu werden. Bezahlen müssen die User auf andere Weise – und das wird immer dreister.

Der Preis von Gratis-Games: Noch mehr Werbung als früher

Das Problem hat sich seit 2018 massiv verschärft. Vor allem Kinder und Jugendliche laden gerne Gratis-Games. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie Mama und Papa nicht fragen müssen. Denn wenn sie ein paar Euro kosten, kommt garantiert die Frage: Was ist das denn eigentlich? Muss das sein? Kostenlose Spiele hingegen haben eine größere Chance, von den Eltern durchgewunken zu werden.

Doch auch die Anbieter von Gratis-Games müssen Geld verdienen. Und wie wird verdient? Mit Ads – und zwar immer mehr davon. 2026 sind Werbeunterbrechungen alle 30-60 Sekunden Spielzeit Standard geworden. Das bekommen Eltern oft gar nicht mit. Hauptsache, die Kids sind beschäftigt.

Viele Games präsentieren heute praktisch ununterbrochen Werbung. Nicht nur am Bildschirmrand, sondern vollbildschirmig und oft mehrmals pro Minute. Diese „Rewarded Video Ads“ unterbrechen den Spielfluss und zeigen bis zu 30 Sekunden Reklame, die sich nicht überspringen lässt. Oft Werbung für andere Games, aber auch für Konsumerprodukte, Online-Casinos oder fragwürdige Apps.

Besonders perfide: Viele Games nutzen heute „Playable Ads“ – interaktive Werbespiele, die Kinder dazu verleiten, weitere Apps herunterzuladen. Oder sie verwenden psychologische Tricks: „Schau dir diese Werbung an, um ein Extra-Leben zu bekommen!“ Kinder erdulden diesen Zeitdiebstahl meist anstandslos.

Immer mehr Werbung in Game-Apps

KI macht Werbung noch gezielter

Neu ist 2026: Künstliche Intelligenz analysiert das Spielverhalten in Echtzeit und passt Werbung individuell an. Algorithmen erkennen, wann ein Kind besonders empfänglich für bestimmte Botschaften ist. Das macht die Werbewirkung noch stärker.

Ein weiteres Problem: Viele Games sammeln Unmengen von Daten über ihre jungen Nutzer. Spielzeiten, Vorlieben, sogar Emotionen werden erfasst und für zielgerichtete Werbung genutzt. Das Geschäft mit Kinderdaten boomt.

Kids werden systematisch konditioniert

Ich sehe mehrere gravierende Probleme, die sich seit 2018 verschärft haben. Die Kids gewöhnen sich daran, dass Werbetreibende permanent über ihre Lebenszeit bestimmen. Hier mal 30 Sekunden, dort mal 30 Sekunden. Bei intensiven Spielern summiert sich das auf mehrere Stunden Werbung pro Woche.

Eine Menge Lebenszeit, die da geklaut wird. Außerdem verändert Werbung Menschen – besonders Kinder. Sie erzeugt Bedürfnisse, macht mit bislang unbekannten Produkten vertraut, aber vor allem: Sie konditioniert auf Konsum. Studien zeigen, dass Kinder nach intensiver Mobile-Game-Nutzung deutlich konsumfreudiger werden.

Werbung ist problematisch – vor allem für Kinder. Hirnforscher wie Prof. Manfred Spitzer sehen ein grundsätzliches Problem in der exzessiven Smartphone-Nutzung durch Kinder. Wenn diese Nutzung durch Werbung noch gesteigert und belohnt wird, verstärkt sich die Problematik.

Regulierung? Fehlanzeige!

Eltern haben praktisch keine Kontrolle darüber, welche Werbung ihren Kindern gezeigt wird. Während im TV wenigstens Werbezeiten begrenzt sind, herrscht in Mobile Games der totale Wildwuchs. Niemand kontrolliert, wie viel Werbung gezeigt werden darf. Niemand prüft, welche Inhalte Kids zu sehen bekommen.

Das ist ein Skandal, der sich 2026 noch verschärft hat. Die EU-Gesetzgebung hinkt der Realität Jahre hinterher. Während Tabak- und Alkoholwerbung streng reguliert ist, dürfen Game-Entwickler Kinder ungehindert mit Dauerwerbesendungen bombardieren.

Meine Forderung bleibt aktuell: Werbeverbot in Games für Kinder unter 12 Jahren. Andere Länder machen vor, dass das geht. Südkorea hat 2025 entsprechende Gesetze verabschiedet. Wann zieht Deutschland endlich nach?

Bis dahin bleibt Eltern nur: Kostenpflichtige Games kaufen, Werbefreie Versionen wählen oder den Flugmodus aktivieren – dann funktionieren viele Werbemechanismen nicht. Eure Kinder werden es euch danken, auch wenn sie es zunächst nicht verstehen.

Zuletzt aktualisiert am 08.03.2026

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