Wer wissen möchte, welche Datenraten die einzelnen Mobilfunkanbieter in einer bestimmten Region hinbekommen, kann verschiedene praktische Onlinedienste befragen – doch Vorsicht vor den Eigenangaben der Netzbetreiber.
Wer auf der Suche nach einem neuen Handy-Tarif ist, sollte nicht nur auf die Gebühren schauen, sondern auch auf die Netzabdeckung des künftigen Anbieters. Denn was nützt ein günstiger Vertrag, wenn man am Wohnort oder an der Arbeitsstelle nur schlechten Empfang hat? Zwar bieten die Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und O2 eigene Übersichtskarten, die die Empfangsqualität in den verschiedenen Regionen Deutschlands darstellen. Doch unabhängige Daten sind meist vertrauensvoller.
Eine solche unabhängige Übersicht über die Abdeckung des Mobilfunknetzes bietet noch immer das Projekt FLOQ. Es sammelt mit Hilfe der gleichnamigen Smartphone-App entsprechende Daten, bereitet diese auf und stellt sie auf floq.net dar. Die Macher der Webseite sind also auf die Mithilfe der Nutzer angewiesen. Inzwischen sind über 250.000 Nutzer in allen Netzen aktiv, die bereits mehr als drei Millionen Messungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien vorgenommen haben.
Jeder Besitzer eines Android-Smartphones oder iPhones kann sich beteiligen und die App installieren. Diese misst die Datenraten beim Empfangen und Versenden sowie die Paketlaufzeiten, wenn das Handy online geht. Laut Aussage der Verantwortlichen werden die Werte anonymisiert zu FLOQ übertragen. Je mehr Menschen in möglichst unterschiedlichen Netzen mitmachen, desto genauer lassen sich Aussagen über die Empfangs- und Netzqualität an bestimmten Orten treffen.
Besonders interessant: FLOQ kann inzwischen auch 5G-Messungen durchführen und darstellen. Das ist wichtig, denn die Unterschiede zwischen den Anbietern sind bei 5G teilweise erheblich. Während die Telekom mit ihrem 5G-Netz bereits eine sehr gute Abdeckung erreicht hat, hinken Vodafone und O2 in manchen Regionen noch hinterher.
Für die Darstellung der Messergebnisse teilt FLOQ eine Landkarte in kleine Quadrate auf, die unterschiedliche Farben annehmen: sattes Grün steht für einen guten Empfang und schnelle Transferraten, dunkles Rot eher für das Gegenteil. Ein Klick auf eines der Quadrate verrät Details zu Download-, Upload-Geschwindigkeiten und Latenzzeiten.
Über die Suchfunktion finden Nutzer entsprechende Daten zum eigenen Wohnort oder beliebigen anderen Orten in den genannten Ländern. Vor allem in den dicht besiedelten Gebieten Deutschlands gibt es schon sehr viele auswertbare Daten. In ländlichen Regionen hat die Netzabdeckungskarte hingegen noch vereinzelt weiße Flecken.
Inzwischen lässt sich die Anzeige der Netzqualität nach verschiedenen Technologien filtern. Ihr könnt gezielt nach LTE-, 5G- oder UMTS-Empfang schauen. Das ist praktisch, denn nicht überall, wo LTE gut funktioniert, ist auch 5G verfügbar. Besonders beim neuen 5G-Standard gibt es noch deutliche regionale Unterschiede.
Neben FLOQ gibt es weitere unabhängige Alternativen: Die Bundesnetzagentur bietet mit ihrer „Breitbandmessung“ ein offizielles Tool, das sowohl Festnetz- als auch Mobilfunkgeschwindigkeiten misst. Auch hier können Nutzer eigene Messungen beisteuern und die Ergebnisse anderer einsehen.
Ein weiterer Tipp: Apps wie „OpenSignal“ oder „Speedtest“ von Ookla sammeln ebenfalls Millionen von Messungen weltweit und bieten detaillierte Karten zur Netzabdeckung. Diese Tools sind besonders nützlich, wenn ihr häufig ins Ausland reist.
Für eine fundierte Entscheidung solltet ihr mehrere Quellen nutzen. Schaut euch nicht nur die theoretische Abdeckung an, sondern auch reale Nutzererfahrungen in Foren oder bei Verbraucherschutzorganisationen. Besonders wichtig: Testet das Netz vor Ort, bevor ihr einen langfristigen Vertrag abschließt. Viele Anbieter bieten inzwischen Prepaid-Karten oder kurze Testphasen an.
FLOQ gibt nach wie vor eine gute Übersicht über die Netzabdeckung in Deutschland und anderen Ländern Europas. Im Detail muss man die Daten allerdings differenziert betrachten, denn sie basieren auf den Messungen vieler einzelner Apps. Die Qualität der Daten hat sich aber deutlich verbessert, da inzwischen genügend Messungen für statistisch relevante Aussagen vorhanden sind.
Zuletzt aktualisiert am 06.04.2026

