Wie gut sind meine Gesundheitsdaten gesichert?

von | 22.07.2016 | Tipps

Mit persönlichen Daten ist das so eine Sache. Manche Daten geben wir ohne weiteres preis, zum Beispiel, wenn wir Onlinedienste nutzen oder Social Media Apps verwenden. Da bekommen die Anbieter jede Menge Daten frei Haus geliefert – auch Bewegungsdaten. Den meisten von uns macht das nichts aus.

Doch andere Bewegungsdaten sind durchaus sensibel, nämlich dann, wenn sie mit unserer Gesundheit zu tun haben. Viele von uns tragen heute Smartwatches oder Fitness Tracker am Handgelenk. Diese Daten sind für viele interessant, Krankenkassen zum Beispiel, aber auch Tech-Konzerne und Werbetreibende. Wie gut sind unsere Gesundheitsdaten 2026 wirklich geschützt?

Welche Art von Gesundheitsdaten werden heute gesammelt?

Das kommt darauf an, wie wir ausgerüstet sind. Viele von uns tragen heute 24h am Tag kleine Hightech-Computer am Handgelenk – Apple Watch, Samsung Galaxy Watch oder Fitness Tracker von Fitbit, Garmin und Co. Diese Geräte registrieren ununterbrochen nicht nur den Puls, sondern auch Herzfrequenzvariabilität, Sauerstoffsättigung, EKG-Daten, Schlafphasen, Stresslevel und erkennen sogar Vorhofflimmern oder Stürze.

Die Sensoren werden immer ausgefeilter: Moderne Wearables messen Körpertemperatur, analysieren die Hautleitfähigkeit und können bei Frauen den Menstruationszyklus tracken. Manche Apple Watch Modelle warnen sogar vor gefährlich hohen oder niedrigen Herzfrequenzen und können automatisch Notrufe absetzen.

Die Daten werden meist in Echtzeit ans Smartphone übertragen und dort gespeichert und ausgewertet. Zusätzlich nutzen viele Menschen spezialisierte Gesundheitsgeräte: Bluetooth-Blutdruckmessgeräte, kontinuierliche Glukosemonitore für Diabetiker, Körperanalysewaagen, die Muskelmasse und Körperfett messen, oder sogar Thermometer, die Fieberdaten automatisch an Health-Apps übertragen.

Fitness

Reicht das Smartphone allein schon für Gesundheitsdatensammlung?

Absolut. Moderne Smartphones sind wahre Sensor-Pakete. Sie erfassen automatisch Schritte, zurückgelegte Distanzen, erklommene Stockwerke und sogar Gang-Patterns. Die verbauten Beschleunigungssensoren und Gyroskope sind so präzise, dass sie erkennen können, ob ihr geht, rennt, Rad fahrt oder Auto fahrt.

iPhones mit Face ID messen sogar euren Puls, indem sie minimale Farbveränderungen im Gesicht analysieren. Android-Phones können über die Kamera Atemfrequenz und Herzschlag messen. Google hat diese Features 2021 eingeführt und kontinuierlich verbessert.

Dazu kommen Mikrofone, die Husten, Schnarchen oder andere Atemgeräusche aufzeichnen können – falls ihr entsprechende Apps installiert habt. Das ist natürlich längst nicht so detailliert wie bei dedizierten Fitness-Trackern, aber die Datenmenge ist trotzdem beträchtlich.

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Wo werden die Gesundheitsdaten gespeichert und wer hat Zugriff?

Apple hat sein HealthKit-System massiv ausgebaut. Alle Gesundheitsdaten landen in der Apple Health App, die mittlerweile als eine Art digitale Patientenakte fungiert. Ihr könnt sogar Arztberichte, Impfzertifikate und Laborwerte dort speichern. Google Health hat ähnliche Funktionen entwickelt, Samsung bietet Samsung Health an.

Das Problem: Obwohl die Daten lokal verschlüsselt werden, bieten alle Anbieter Cloud-Synchronisation an. Apple bewirbt zwar End-zu-End-Verschlüsselung für Health-Daten in iCloud, aber sobald Daten die Cloud erreichen, entstehen potenzielle Angriffspunkte.

Gesundheits-Apps von Drittanbietern sind oft weniger vertrauenswürdig. Eine Studie des Chaos Computer Clubs von 2025 zeigte, dass über 60% der beliebten Fitness-Apps persönliche Daten an Werbenetzwerke weiterleiten – teilweise unverschlüsselt.

Apple Watch

Wie nutzen Tech-Konzerne unsere Gesundheitsdaten heute?

Die Begehrlichkeiten sind seit 2016 stark gewachsen. Apple hat 2024 eine große Gesundheitsstudie mit über 500.000 Teilnehmern durchgeführt und sammelt weiterhin anonymisierte Daten zur „Forschung“. Google hat mit Fitbit Zugang zu Millionen von Fitness-Profilen und nutzt diese für KI-Algorithmen.

Amazon ist über Alexa und das Halo-Programm (inzwischen eingestellt, aber Daten bleiben) ebenfalls im Gesundheitsbereich aktiv. Meta sammelt über WhatsApp Status-Updates zu Workouts und analysiert Instagram-Posts nach Fitness-Inhalten.

Besonders problematisch: Versicherungen und Krankenkassen drängen zunehmend auf Zugang zu Fitnessdaten. In den USA bieten bereits viele Versicherungen Rabatte für das Teilen von Fitness-Tracker-Daten. In Deutschland ist das noch nicht erlaubt, aber der Druck wächst.

Wie könnt ihr eure Gesundheitsdaten besser schützen?

Erstens: Prüft regelmäßig eure Datenschutzeinstellungen. Bei Apple könnt ihr in den Health-Einstellungen genau festlegen, welche Apps auf welche Daten zugreifen dürfen. Schaltet die iCloud-Synchronisation für Health-Daten ab, wenn ihr sie nicht braucht.

Zweitens: Vermeidet kostenlose Fitness-Apps von unbekannten Anbietern. Sie finanzieren sich meist über Datenverkauf. Setzt lieber auf etablierte Anbieter oder zahlt für werbefreie Versionen.

Drittens: Lest die Datenschutzerklärungen eurer Fitness-Apps – zumindest die Abschnitte über Datenübertragung und -speicherung. Viele Apps übertragen Daten in die USA oder nach Asien, wo andere Datenschutzgesetze gelten.

Von der Politik erwarten wir strengere Regeln. Die DSGVO war ein Anfang, aber Gesundheitsdaten brauchen besonderen Schutz. Krankenkassen und Versicherungen sollten keinen Zugang zu individuellen Fitnessdaten bekommen – niemals.

Die Fitness-Tracker-Revolution hat unser Bewusstsein für Gesundheit geschärft, aber der Preis dafür könnte unsere Privatsphäre sein. Bleibt wachsam und entscheidet bewusst, welche Daten ihr preisgeben wollt.

Zuletzt aktualisiert am 07.04.2026