Die Zeiten, in denen im World Wide Web grundsätzlich alles kostenlos zu haben war, sind allmählich vorbei. Vor allem für so genannten „Premium Content“, hochwertige Inhalte, die nicht ohne weiteres an anderer Stelle im Netz kostenlos zu haben sind, verlangen die Anbieter zunehmend Geld. Denn mit Hilfe von Werbebannern lassen sich viele Webseiten nicht mehr finan-zieren.

Die Bereitschaft der Internetbenutzer, für hochwertige Inhalte zu bezahlen, nimmt gleichzeitig spürbar zu. Laut einer aktuel-len Studie von Fittkau & Maaß erklären sich 56 Prozent der In-ternetbenutzer inzwischen bereit, für Online-Inhalte zu bezah-len. Die besten Absatzchancen haben demnach hochwertige Fi-nanzinformationen, Artikel, Testberichte, Archivdaten und Software. Laut Studie erklären rund 90 Prozent der Onliner, in den nächsten sechs Monaten „bestimmt oder konkret“ Geld im Web auszugeben.

Ein Wachstumsmarkt, der viele Anbieter hoffen lässt. Größtes Problem jedoch: die Abrechnung. Während klassische Waren wie Musik-CDs, Bücher, Bekleidung oder Schmuck gewöhnlich per Kre-ditkarte, Lastschrift oder Rechnung bezahlt werden, lohnt sich das bei Kleinbeträgen nicht. Digitale Inhalte werden in der Regel zu vergleichsweise geringen Preisen angeboten. Oft kos-ten sie nur wenige Cent, nur selten mehr als ein Euro. Fach-leute sprechen deshalb in diesem Zusammenhang gerne von „Mic-ropayments“.

„Kleinbeträge über herkömmliche Verfahren abzurechnen, ist äu-ßerst kompliziert und teuer“, weiß Firstgate-Gründer Stangl. Grund: Bei Kreditkarte, Überweisung oder Bankeinzug zehren die Verwaltungskosten den eigentlichen Zahlbetrag für die Online-Infos schnell auf oder übersteigen ihn sogar. Deshalb hat sich Firstgate auf das Inkasso von Kleinbeträgen spezialisiert. Das Kölner Unternehmen rechnet im Auftrag der Webanbieter beliebi-ge Kleinbeträge ab, übernimmt alle technischen und administra-tiven Aufgaben.

Inhalteanbieter, die Firstgate mit dem Inkasso beauftragen, müssen sich weder um die Kreditwürdigkeit der Kundschaft, noch um den eigentlichen Zahlungsverkehr kümmern. Der Charme des „Click&Buy“ getauften Bezahlsystems: Der Inhalteanbieter muss weder spezielle Software auf seinem Webserver installieren, noch irgendwelche technischen Voraussetzungen erfüllen oder Geräte anschaffen. Ein gewöhnlicher Webserver reicht. Der An-bieter muss lediglich dafür sorgen, dass die auf seiner Web-seite bereitgestellten Bezahlinhalte über Firstgate abgewi-ckelt werden.

Technisch funktioniert das so: Bei den kostenpflichtigen Ange-boten sind spezielle Querverweise (Links) in die Webseite ein-zubauen. In den kryptisch wirkenden Linkadressen sind ver-schiedene Informationen verborgen, etwa die Kontonummer des Anbieters. Firstgate wickelt den Einkauf ab und verweist bei erfolgreicher Zahlungsabwicklung wieder auf den Webserver des Anbieters. Der kann den eigentlichen digitalen Inhalt dann an den zahlenden Internetkunden ausliefern.

Der Datensurfer bekommt von den technischen Einzelheiten nichts mit. Es erscheint lediglich eine Dialogbox auf dem Bildschirm, in dem der Bezahlvorgang bestätigt werden muss. Preis und Laufzeit des Angebots sind deutlich vermerkt. „Was im Einzelfall berechnet wird, entscheidet allein der Anbie-ter“, erklärt Norbert Stangl. Die Anbieter können in speziel-len Webformularen festlegen, was jedes einzelne Angebot kosten soll. Selbst Minipreise von 1 Cent sind möglich.

Außerdem kann der Anbieter festlegen, wie lange der Kunde nach Bezahlen auf die Angebote zugreifen darf: Ob nur wenige Minu-ten, einige Stunden oder gar Tage – alles lässt sich einstel-len. Auch zeit- und volumenbasierte Gebührenmodelle sind mög-lich, ebenso Abotarife.

Der Konsument hat den Vorteil, dass alle „Einkäufe“ aufsum-miert und monatlich einmal abgerechnet werden, etwa über Kre-ditkarte, Lastschrift oder Telefonrechnung. Außerdem bleibt die Anonymität der Datensurfer gewahrt: Der Verkäufer erfährt nicht, wer konkret bei ihm eingekauft hat.

Laut Fittkau & Maaß nutzen die meisten Datensurfer Firstgates „Click & Buy“, um in Internet zu bezahlen. Seit dem Jahr 2000 am Markt, hat sich das Bezahlverfahren zum Marktführer entwi-ckelt. Über 2,5 Millionen Internetbenutzer bezahlen bereits auf diesem Weg. Auf Platz zwei: Die „Webcents“ von Web.de. An-fangs konnten Web.de-Benutzer damit ausschließlich Angebote von Web.de selbst bezahlen, etwa SMS- oder Faxdienste. Mitt-lerweile steht das Bezahlverfahren jedoch auch anderen Anbie-tern offen. Die technische Vorgehensweise ist ähnlich. Dritter im Bunde: T-Pay von der Telekom.

Große Anbieter wie die Stiftung Warentest oder Verlagshäuser bieten ihrer Kundschaft mehrere Bezahlverfahren an. Kleine An-bieter können mit einem Abrechnungsverfahren anfangen und mit relativ wenig Aufwand erste Erfahrungen sammeln. Funktioniert alles, lassen sich ohne weiteres weitere Bezahlsysteme integ-rieren. Für die eigentliche Abwicklung der Zahlungsvorgänge werden Provisionen zwischen 15 und 35 Prozent fällig.