Die Lage ist ernst: Laut einer aktuellen Studie des Marktforschers IDC befindet sich auf 67% aller PCs so genannte „Spyware“. Software, die den Benutzer gezielt ausspioniert. Solche Schnüffel-Programme sammeln gezielt Daten, um sie später über eine bestehende Internetverbindung an Dritte zu übermitteln, unbemerkt und ohne Zustimmung des Benutzers.

Spyware nistet sich dazu im Arbeitsspeicher des PCs ein und beobachtet den PC-Benutzer, etwa um zum aktuellen Surfverhalten passende Reklame präsentieren zu können. Manche Spyware richtet ihr Augenmerk auf Konsumverhalten und Surfgewohnheiten oder spioniert sogar gezielt sensible Daten wie Kontodaten, Passwörter oder vertrauliche Informationen aus.

Spyware landet unbemerkt auf dem System, in der Regel durch Ausnutzung bekannter Sicherheitslücken in Browser oder E-Mail-Software. Mitunter installieren PC-Benutzer Spyware jedoch sogar selbst, freilich ohne es zu ahnen: Viele kostenlos im Netz erhältlichen Programme installieren Spyware „huckepack“. Mit der eigentlich gewollten Software landet gleichzeitig ein Schnüffelprogramm auf der Festplatte. Die Verbreiter werden dafür bezahlt.

Spyware gilt nicht nur als indiskret, sondern reduziert auch das Arbeitstempo des PCs und stellt vor allem ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko da. Im Handel befindliche Schutz-Software wie Antivirenprogramme kümmern sich bislang nur halbherzig um diese Art von Bedrohung. Wer sich gegen Spyware schützen will, nutzt kostenlos erhältliche Programme wie „Spybot Search and Destroy“ (http://www.sogehtsleichter.de/spybot) oder Adware (http://www.sogehtsleichter.de/adaware).

Doch nun hat Microsoft „AntiSpyware“ vorgestellt. Die Software befindet sich noch im Testbetrieb, kann aber kostenlos unter http://www.sogehtsleichter.de/antispy geladen werden. Das Programm, das vom kürzlich von Microsoft übernommenen Hersteller Giant kommt, untersucht nach der Installation den Rechner penibel nach virtuellen Schnüfflern. Nach Ende der Testphase, die für Sommer erwartet wird, könnte AntiSpyware kostenpflichtig werden.

AntiSpyware kennt und entdeckt über 9.000 verschiedene Spyware-Methoden. Dazu untersucht AntiSpyware nicht nur Systemdateien, Cookies und Dateien auf Festplatte, sondern auch die Systemdatenbank (Registry). Alles, was nach Schnüffelei aussieht, wird gemeldet. Durch eine automatische Update-Funktion bleibt das Programm stets auf dem Laufenden, welche neuen Tricks die Spyware-Macher anwenden.

Der Scanvorgang dauert nur wenige Minuten. Sollte Spyware entdeckt werden, erklärt das Programm, derzeit in Englisch, um welche Art von Spionage es sich handelt. Der Benutzer hat dann die Wahl, ob dagegen etwas unternommen werden soll. Ein Assistent meldet verdächtige Befunde auf Wunsch an Microsoft, um bei Bedarf die Spyware-Datenbank aktualisieren zu können.

Wettbewerber wie Symantec sehen es gelassen, dass Microsoft sich nun auch um Sicherheitsfragen kümmert: „Das Thema Anti-Spyware wird durch den Markteintritt von Microsoft in dieses Segment zu einem größeren Problembewußtsein in der breiten Öffentlichkeiten führen“, meint Matthew Moynahan, Vice President der Symantec Corporation. „Spyware ist eine wichtige Komponente, aber eben nur eine von vielen im Security-Umfeld. Anwender brauchen heute integrierte Sicherheitslösungen.“

Mitunter wurde gemeldet, Microsoft biete nun auch einen Virenschutz an. Doch in Wirklichkeit handelt es sich lediglich um ein verbessertes Programm zum Entfernen einiger bekannter, besonders aggressiver Würmer. Das „Malicious Software Removal Tool“ getaufte Programm läuft auf Windows XP, Windows Server 2003 sowie Windows 2000 und durchsucht den Rechner nach weit verbreiteten Schädlingen, darunter Sasser, MSBlaster und MyDoom, und entfernt sie auch.

Einen Virenschutz bietet Microsoft damit nicht an. Denn zum einen entfernt das Removal-Tool lediglich eine Handvoll Viren und Würmer, zum anderen kümmert sich die Software nur um solche Schädlinge, die sich bereits im System einnisten konnten. Microsoft sieht den Schutz deshalb nicht als Konkurrenz zu Produkten von Antiviren-Herstellern. In der Tat bieten solche Programme deutlich mehr Schutz: Sie kennen mehr als 80.000 Viren und Würmer, überwachen den Mail-Verkehr und blocken virtuelle Schädlinge ab, bevor sie überhaupt im Rechner laden können.

Microsofts Schutzprogramm ist dazu gedacht, bereits infizierte Systeme von den Schädlingen zu befreien. Denn nach einer von Microsoft in Auftrag gegebenen Studie haben 63% der privaten PC-Benutzer keinerlei Virenschutz im Einsatz oder bringen die Software nicht regelmäßig auf den neuesten Stand.

Das Hilfsprogramm soll einmal im Monat aktualisiert werden, oder wenn eine Virenepidemie das erforderlich macht. PC-Benutzer können das kleine Programm auf verschiedene Weise bekommen. Entweder über ein reguläres „Windows Update“, oder durch direkten Download unter http://www.sogehtsleichter.de/msvirus. Wer den Internet Explorer einsetzt, kann den Rechner auf der Microsoft-Homepage auch mit Hilfe eines ActiveX-Skripts untersuchen lassen –automatisch.