Eigentlich ist das Internet relativ schwer zu kontrollieren. Nachrichten und Meinungen bahnen sich hier fast immer irgendwie den Weg. Es gibt schließlich unzählige Verbreitungswege, aus denen man auswählen kann: Internetforen, Youtube, Blogs, Kontaktbörsen, Podcasts, von den üblichen Kommunikationskanälen wie E-Mail, Chat, Instant Messaging etc. ganz zu schweigen.

Da stellt sich die Frage: Wie schaffen es die Chinesen, das Internet zu kontrollieren und zu zensieren – und das auch noch ziemlich erfolgreich?

Im Grunde genommen ganz einfach: Zum einen ist das Internet in China zentral organisiert, zum anderen wird viel Aufwand für die Kontrolle betrieben. Wenn in einem Land der gesamte Datenverkehr über einen zentralen, von der Regierung kontrollierten Knoten abgewickelt wird, ist Kontrolle einfach: Alle Datenpakete müssen durch das Nadelöhr. Einzelne Server, Webangebote oder Webseiten im Ausland zu sperren, ist dann wirklich ein Kinderspiel.

Man darf Internet in China eben nicht mit dem Internet in der westlichen Welt vergleichen. Bei uns gibt es Tausende von Providern, die alle miteinander konkurrieren und weitgehend selbst bestimmen, welche Datenleitungen sie mieten und wie sie den Datenverkehr organisieren. Einen zentralen, von der Regierung überwachten Datenknoten gibt es bei uns nicht – Kontrolle ist damit zwar nicht unmöglich, aber ungemein erschwert.

In China hingegen ist Kontrolle einfach – und auch Zensur.

Das gilt vor allem für ausländische Webangebote. Es ist also nicht nötig, jeden PC mit einer Schnüffel-Software auszustatten oder irgendwie zu überwachen. Die Chinesen knipsen einfach in der Zentrale die Webseiten aus, die sie stören. In einer zentralen Organisation recht einfach, so wie in einer Firma ein Webangebot gesperrt werden kann – oder wenn Eltern mit Hilfe von Filter-Software Webseiten mit jugendgefährenden Inhalten blockieren.

Ärgerlich ist, dass es (auch) westliche Firmen sind, die bei der Zensur in China Schützenhilfe leisten. So versorgen Softwarefirmen aus dem Westen die Chinesen mit Filter-Software, amerikanische Netzwerkspezialisten sorgen für die Vernetzung – und amerikanische Suchmaschinen unterwerfen sich dem Diktat der Mächtigen und sperren und blocken im vorauseilenden Gehorsam alles, was nicht auf chinesischen Flachbildschirmen erscheinen soll.

Vermutlich auch diesen Blogeintrag. Denn er dürfte wohl zu kritisch sein.

Rund 30.000 hauptberufliche Internetzensoren soll es in China geben, die das Web nach Angeboten durchforsten, die für die mittlerweile rund 250 Millionen Internetnutzer in China unsichtbar gemacht werden. Einfach so. Mausklick genügt.

Schade.

Nein: Ärgerlich.

Nein: Eine Schande.

PS: Wer testen möchte, ob eine bestimmte Webseite hinter der “Great Firewall of China” zu erreichen ist, kann den kostenlosen Online-Test durchführen: Einfach Webadresse eingeben – und Test abwarten. Der Test soll zwar nicht hundertprozent sicher funktionieren, gibt aber erste Anhaltspunkte, ob eine Webadresse in China zu erreichen ist oder nicht.