Wer hätte gedacht, dass Europas größtes Unternehmen für Telekommunikation nicht in der Lage ist, die Daten seiner Kunden zu schützen? Doch genau das ist der Fall, jedenfalls kommt derzeit eine Datenpanne nach der anderen ans Tageslicht. Peinlich für die Telekom – und Wasser auf den Mühlen all jener, die sich für einen besseren Datenschutz engagieren. Mehr als zehntausend Menschen haben am Wochenende in Berlin öffentlich für mehr Datenschutz protestiert. Motto der Demo: „Freiheit statt Angst: Stoppt den Überwachungswahn.“ Vor allem die umstrittene Vorratsdatenspeicherung, die seit Anfang des Jahres in Kraft ist, treibt angesichts der aktuellen Meldungen immer mehr Menschen Sorgenfalten auf die Stirn. Die Datenpannen zeigen eindrucksvoll, wie leicht es passieren kann, dass selbst große Datenmengen in falsche Hände geraten.

Klar, dass auch der von Bundesinnenminister Schäuble geplante Bundestrojaner im Fokus der Kritik stand und steht. Überhaupt: Wolfgang Schäuble. Er ist quasi zum wichtigsten Feindbild der Datenschützer geworden. Sein Konterfei ist auf Hunderten von Webseiten zu sehen, verbunden mit dem – zweifellos übertriebenen – Slogan „Stasi 2.0“.

Der Hintergrund ist klar: Viele fürchten einen Überwachungsstaat, der alle Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnik ausnutzt, um seine Bürger zu überwachen.

Fest steht: Datenschutz bekommt in der Bevölkerung einen immer größeren Stellenwert. Klar, denn wer hätte nicht ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken, dass die eigenen persönlichen Daten für jeden öffentlich zugänglich sind, plötzlich im Internet kursieren?

Doch genau das passiert eben immer öfter. Da ist es kein beruhigender Gedanke, wenn noch mehr Daten gesammelt werden sollen – von Amts wegen angeordnet.

Mehr Sensibilität in Sachen Datenschutz kann meiner Meinung nach nicht schaden. Es wäre übrigens schon eine Menge gewonnen, wenn die Menschen selbst ihre Daten weniger großzügig verteilen würden, etwa wenn sie bereitwillig Webmasken ausfüllen, nur um an einem dubiosen Preisausschreiben teilzunehmen.

Das ist Datenschutz, den jeder selbst im Griff hat.

Aber auch Unternehmen und Staat muss genauer auf die Finger geschaut werden. Sonst werden wir uns auch in Zukunft immer wieder über Datenpannen ärgern.