Napster hat damit angefangen: Wer hier Kunde ist, kann Musik mieten – anstatt sie zu kaufen. Für wenige Euro im Monat stehen jederzeit mehr als 1,5 Millionen Musiktitel zur Verfügung. Jetzt will auch T-Online zum Vermieter werden. Müssen Musikfreunde schon wieder umdenken?

Kennen Sie Rob Fleming? Der Musikfreak aus Nick Hornbys Roman „High Fidelity“ hat sich nie an die CD gewöhnen können, sondern lieber weiter LPs aufgelegt. Seine Plattensammlung – ein Heiligtum. Für Menschen wie Rob Fleming muss das 21. Jahrhundert wohl die Hölle sein. Schließlich kommt Musik heutzutage aus der Datenleitung – und landet materielos auf der Festplatte und im MP3-Player.

Musik im Abo: Aus über 1,5 Millionen Titeln auswählen

Moderne MP3-Player fassen ohne weiteres mehrere Tausend Musiktitel. Sie ordnen die Musik auf Knopfdruck nach Titel, Genre oder Künstler – und spielen auf Knopfdruck jeden gewünschten Titel, bei Bedarf sogar passend zur aktuellen Stimmung. Wozu noch mühsam eine Plattensammlung pflegen? „Alles meins“, denkt mancher MP3-Fan sicherlich, wenn er stolz seinen Player betrachtet – schließlich hat er all die Musik gekauft.

Aber Vorsicht: Auch das muss heute nicht mehr stimmen. Denn Musik lässt sich auch mieten. Bei Napster zum Beispiel ist das schon so: Für 10 Euro im Monat können Napster-Benuzer aus über 1,5 Millionen Musiktiteln auswählen und bis zu drei PCs mit beliebig viel Musik betanken. Theoretisch lassen sich alle 1,5 Millionen Musikstücke auf die Festplatte schaufeln. Niemand hindert einen. Für 5 Euro mehr kann sogar auch der MP3-Player mit Musik versorgt werden.

Abo zu Ende? Dann verstummt die Musik

Nur eins geht nicht: Die Musik zu brennen. Die Musik ist eben nur gemietet. Und das bedeutet: Sie lässt sich nur so lange abspielen und anhören, wie das Abonnent besteht. Sobald das Abo gekündigt wird, verstummt die Musikbibliothek. „Digital Right Management“ macht’s möglich: Der Rechner prüft alle paar Tage, ob das Abo noch besteht. Falls nicht, wird die Musik sofort gesperrt. Auch auf dem MP3-Player.

Ein wasserdichtes Konzept – und für alle, die Musik nicht horten, sondern einfach nur hören wollen, zweifellos ein attraktives Angebot. Allerdings gibt es einige Fallstricke. Denn damit sich die Musik wie in einem Agentenfilm quasi selbst vernichtet, sobald das Abo abgelaufen ist, muss der MP3-Player technisch mitspielen. Und darum werden nur ganz bestimmte Player unterstützt. Apples iPod zum Beispiel gehört nicht dazu.

Musik im Abo: Wie viele Titel dürfen es denn sein?

Musik im Abo hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Für verhältnismäßig kleines Geld hat man Zugriff auf unzählige Musiktitel und kann sich jederzeit anhören, was man möchte – jederzeit, ohne Mehrkosten. Wer seine Stereoanlage mit dem PC verbindet, muss nie wieder eine CD einlegen. Auf der anderen Seite ist die Musik futsch, sobald das Abo gekündigt wurde.

Auch andere Musikanbieter setzen auf das neue Konzept. Auch T-Onlines Musicload will schon bald Musik vermieten. T-Mobile und Vodafone ebenso. Und vielen dürfte’s gefallen. Nicht nur für Rob Fleming ist das natürlich ein Albtraum.