Der neueste Trend: Videorekorder im Web. Man kann sie jederzeit über das Internet programmieren – also auch aus dem Büro – und die aufgezeichneten Sendungen dann auf dem PC oder dem Fernseher anschauen. Allerdings gibt es einige juristische Auseinandersetzungen in Sachen Urheberrecht.

Videorekorder stehen traditionell im Wohnzimmer, in der Regel direkt unter dem Fernseher. Die Sendungen werden auf VHS-Kassette, DVD oder auf Festplatte aufgezeichnet. Die richtige Taste auf der Fernbedienung gedrückt, schon kann man sich die aufgenommene Sendung ansehen.

Virtuelle Rekorder stehen 24h am Tag zur Verfügung

Ganz neu sind Videorekorder im Web: Virtuelle Aufnahmegeräte, die sich über das Internet programmieren und bedienen lassen. Ein Server speichert die programmierten Sendungen – und liefert die aufgezeichneten Filme, Talk-Shows oder Serien später per Datenleitung nach Hause. Die viel beschworene Konvergenz der Medien, das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet, hier ist sie bereits Wirklichkeit.

Es gibt bereits mehrere Videorekorder im Web. Onlinetvrecorder.com ist kostenlos, shift.tv und save.tv sind kostenpflichtige Angebote. Die Funktionsweise ist bei allen Online-Rekordern weitgehend identisch: Wer den Dienst nutzen möchte, meldet sich an und richtet so einen persönlichen, virtuellen Videorekorder ein. Technisch gesehen wird Speicherkapazität für die aufgezeichneten Sendungen reserviert.

Electronic Program Guides

Soll etwas aufgenommen werden, schlägt der Benutzer in einem „Electronic Program Guide“ (EPG), einer elektronischen Programmzeitschrift, das aktuelle Fernsehprogramm nach. Hier lassen sich alle Sendungen bis zu 14 Tage im Voraus sehen. Um etwas aufzunehmen, reicht ein einfacher Mausklick, schon ist die Sendung vorgemerkt. Einfacher, als auf jedem „richtigen“ Videorekorder. Bei Serien wird auf Wunsch jede einzelne Folge automatisch aufgenommen.

Da keiner der Online-Videorekorder VPS (Video Program System) beherrscht, werden allerdings Veränderungen am Sendetermin nicht automatisch erkannt. Sollte sich eine Sendung verschieben, beginnt der Rekorder trotzdem zur programmierten Zeit die Aufnahme. Darum kann der Benutzer angeben, wie viele Minuten vor dem geplanten Sendetermin und wie viele danach mit aufgenommen werden sollen, als Sicherheitspuffer.

Kein Video on Demand Angebot

Die Aufnahme lässt sich noch bis wenige Sekunden vor Sendebeginn programmieren. Anders als beim echten Videorekorder zu Hause kann der Online-Videorekorder sogar mehrere Programme gleichzeitig aufnehmen, bei save.tv lassen zum Beispiel bis zu 10 Programme parallel. Hat man allerdings vergessen, eine Sendung aufzunehmen, gibt es keine Möglichkeit, darauf zuzugreifen. Das hat rechtliche Gründe, anderenfalls wären die Videorekorder keine Videorekorder, sondern „Video on Demand“-Angebote.

Es gibt zwei Wege, eine Online-Aufzeichnung anzuschauen: Download oder Streaming. Beim Download wird die komplette Videodatei per Datenleitung auf den eigenen Rechner geholt. Wer sich für Streaming entscheidet, kann die Aufnahme schon beim Herunterladen anschauen – es landet keine Datei auf der Festplatte.

Die Aufnahmen anschauen

Vorteil des Downloads: Nach dem Herunterladen stehen einem alle Möglichkeiten offen. Die Aufnahme kann nicht nur am PC-Monitor angeschaut werden, sondern auch auf dem Fernseher, etwa indem der Rechner mit dem Fernseher verbunden wird. Wer einen Media Center PC im Wohnzimmer stehen hat, muss sich nicht mal Gedanken um die passende Verkabelung machen. Weitere Möglichkeit: Nach dem Download eine DVD brennen. Die braucht dann nur noch in den DVD-Player eingelegt zu werden.

Die Bedienung ist bei allen Online-Videorekordern recht ähnlich und auch recht komfortabel. Die größten Unterschiede gibt es beim Programmangebot: Das kostenlose Angebot onlinetvrecorder.com bietet 12 Programme, darunter alle großen Stationen in Deutschland. shift.tv hat 19 Programme im Angebot und save.tv sogar 24 Programme.

Die Bildqualität

Große Unterschiede auch bei der Bildqualität. Während onlinetvrecorder.com und shift.tv eine Auflösung von 384 mal 288 Bildpunkten bieten, bringt es save.tv auf 720 Mal 576 Pixel, das ist quasi VHS-Qualität. Herunter geladene Aufnahmen hinterlassen einen hervorragenden Eindruck.

Wer die im Web aufgenommenen Sendungen ohnehin nur auf seinem PC anschauen möchte, kann sich mit einer reduzierten Bildqualität zufrieden geben. Soll die aufgezeichnete Sendung allerdings auf einem Fernseher mit großer Anzeigefläche angeschaut werden, macht sich die höhere Bildqualität von save.tv bezahlt.

Allerdings bedeutet eine höhere Bildqualität auch immer einen höheren Datendurchsatz: Die Videodateien von save.tv sind am größten. Es ist aber ohnehin eine schnelle DSL-Leitung nötig, um einen Online-Videorekorder sinnvoll nutzen zu können. Eine 60-minütige Sendung hat bei onlinetvrecorder.com und shift.tv etwa einen Umfang von 200 MByte, save.tv liefert eine Datei mit rund 400 MByte Volumen.

Kosten und Einschränkungen

Während onlinetvrecorder.com kostenlos ist, verlangen shift.tv und save.tv zwischen 5 und 10 Euro im Monat für den Service, je nach Laufzeit des Abos. onlinetvrecorder.com ist kompliziert in der Handhabung, oft überlastet und quillt über vor Werbung. shift.tv und save.tv lassen sich recht komfortabel bedienen.

Derzeit wird juristisch geprüft, ob die Angebote nicht gegen das Urheberrecht verstoßen. RTL hat gegen shift.tv geklagt. Im Mai hat das LG Leipzig dem Sender Recht gegeben, shift.tv darf seitdem die Programme von RTL und Tochter Vox nicht mehr aufzeichnen. Weitere Klagen sind anhängig. Die Sender befürchten Werbeausfälle, da sich bei Online-Videorekordern die Werbepausen quasi automatisch herausschneiden lassen.

Praktisch sind die neuen Online-Videorekorder aber allemal.

Online-Videorekorder

http://www.onlinetvrecorder.com: Der kostenlose Anbieter hat die schlechteste Bildqualität. Viel Werbung und vergleichsweise komplizierte Bedienung. Ein zügiger Download der Aufzeichnungen oft nur zwischen 1 und 6 Uhr nachts möglich.

www.save.tv: Bietet die beste Bildqualität. Das Angebot lässt sich 14 Tage kostenlos testen, danach kostenpflichtig. Kosten: Zwischen 5 und 10 Euro im Monat, je nach Laufzeit.

http://www.shift.tv: Einfache Handhabung und ordentliche Bildqualität. 30 Minuten Aufnahmekapazität sind kostenlos. Wer mehr aufnehmen möchte, muss Abonnent werden. Mindestlaufzeit: 3 Monate à 9,95 Euro.