it der geeigneten Software lassen sich Fernsehsender aus aller Welt im Web angucken – legal und kostenlos. Selbst einige Hollywoodfilme kommen gratis nach Hause.

Fernsehen ohne Fernseher, das ist heute durchaus möglich. Moderne DSL-Leitungen bieten längst genügend Bandbreite, um Fernsehen und Filme in bestechender HD-Qualität auf den Rechner zu holen. Die viel zitierte Konvergenz der Medien ist im vollen Gang.

Mehr als ein normaler PC oder Mac mit DSL-Anschluss ist heute nicht nötig, um sich im Netz mit Fernsehprogrammen aus aller Welt zu versorgen. Besonders elegant geht das mit Joost, einer kostenlosen Software, die sich jeder unter http://www.joost.com für Windows und Mac abholen kann.

Joost holt Fernsehen auf den PC

Wer das Programm auf seinem Rechner installiert, bekommt wenige Momente später einen interaktiven Program Guide zu sehen, der einen Überblick über das breite Angebot verschaffen will. Mehrere Dutzend Themenkanäle („Channels“) stehen zur Auswahl, darunter viele kleine Sender und Spartenkanäle. Große Sender sind bislang nicht im Angebot. Der Zuschauer kann aus mehreren Tausend Sendungen wählen.

Die Bedienung ist wie bei einem modernen Fernseher. Allerdings bietet Joost keine Liveprogramme, sondern „Konserven“, also aufgezeichnete Sendungen, Shows und Filme. Man kann jederzeit zwischen den Kanälen wechseln, ein Programm anhalten und bei Bedarf vor- oder zurück spulen.

Der Service wird über kleine Werbeeinblendungen refinanziert. Im Augenblick winzige Werbebanner, die in der Ecke erscheinen, später sollen reguläre Werbespots dazu kommen. Ausgedacht haben sich das Konzept Janus Friis und Niklas Zennström. Die beiden haben vorher die Tauschbörse Kazaa und den VoIP-Service Skype auf den Weg gebracht. Seit Anfang Oktober kann jeder am öffentlichen Betatest teilnehmen. Kostenlos und ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Kostenlose Nutzung des Programms

Joost will die größte Fernsehzentrale im Netz werden. Derzeit bietet Joost rund 250 Kanäle mit über 15.000 Einzelbeiträgen an, darunter jede Menge Musik, Comedy und Zeichentrick. Noch gibt es eine klare Dominanz amerikanischer Sender und Programme. Doch das soll sich ändern. Das Angebot wächst derzeit täglich. So gibt es auch einige deutschsprachige Inhalte, darunter sogar komplette Kinofilme wie „Star Treck: Der Aufstand“, „The Italian Job“ oder „Die Stunde der Patrioten“, die sich jeder gratis und legal anschauen kann. Die Filme werden gestreamt, also gleich abgespielt. Ein Download, etwa auf einen tragbaren Player, ist derzeit nicht möglich.

Fernsehen übers Netz bedeutet allerdings auch: Es müssen ungeheure Datenmengen transportiert werden. Bei einer Stunde Sehvergnügen fallen rund 400 MByte Datenvolumen an. Eine DSL-Flatrate ist daher Pflicht. Das Besondere an Joost: Die Daten kommen nicht etwa von zentralen Servern, sondern aus einem dezentralen Netzwerk, ein Peer-to-Peer-Network (P2P). Die Daten werden auf zahllosen Rechnern angeschlossener User verteilt und bei Bedarf dort abgeholt. Eine Technologie, die sich bei Musiktauschbörsen in der Vergangenheit bestens bewährt hat.

Von all dem, was im Hintergrund abläuft, merkt der Benutzer nicht viel. Außer, dass sich seine Festplatte mit der Zeit immer mehr füllt. Bis zu 500 MByte Daten werden dort abgelegt.

Die Bildqualität ist etwas schlechter als bei üblichen Fernsehbildern, von HD-Qualität derzeit noch keine Spur.

In punkto Bildqualität

Stattdessen wirken die Fernsehbilder weichgespült. Vereinzelt gibt es sogar Störungen (Artefakte). Joost kodiert die Videobilder im aktuellen H.264-Standard. Eine bessere Qualität ist denkbar, aber erst für später geplant. Es macht aber Spaß, mit Joost ein bisschen Fernsehzukunft zu schnuppern.

Deutlicher simpler ist das Konzept, das Zattoo verfolgt. Wer sich unter http://www.zattoo.com die ebenfalls kostenlos erhältliche Software abholt und installiert, kann danach 18 verschiedenen Fernsehstationen aus aller Welt am PC-Bildschirm anschauen, von Al Jazeera über DSF und Giga bis TVE. Auch hier kommen die Fernsehbilder aus dem Web. Allerdings live. So kann man sich Fernsehprogramme live auf den Rechner holen, ohne eine TV-Karte einbauen zu müssen. Die Bildauflösung ist allerdings eher bescheiden, die Bild- und Tonqualität ebenfalls. Um jedoch während der Arbeit die Nachrichten oder eine Sportveranstaltung verfolgen zu können, reicht Zattoo völlig aus.