Ein neuer Trend im Web: Fotografien mit mehr als einer Milliarde Pixel bieten bisher nicht dagewesene Detailtiefe.

Wer den Auslöser einer modernen Digitalkamera betätigt, bannt das eingefangene Bild gewöhnlich mit einer Auflösung von 10, 12 oder 16 Megapixel auf den Speicherchip. Vollkommen ausreichend, um später qualitativ hochwertige Abzüge von den Fotos zu machen. Sofern die Bilder nur im Internet landen, reicht ein Bruchteil dieser Auflösung.

Mehrere Milliarden Bildpunkte

Doch manchen Fotografen kann die Auflösung offensichtlich nicht hoch genug sein. Jedenfalls gibt es einen interessanten Trend im Web: Auf immer mehr Webseiten tauchen Fotos auf, die mit deutlich über einem Gigapixel aufgelöst sind. Gestochen scharfe Bilder, die oft aus drei, vier Milliarden Bildpunkten bestehen – und deshalb erstaunliche Möglichkeiten bieten.

Auf der Webseiten http://www.xrez.com können sich Besucher davon überzeugen. Hier lassen sich die Skylines von Chicago, Boston, Los Angeles oder Honolulu bestaunen. Allerdings erst, nachdem eine kleine Software geladen und installiert wurde, das kostenlose Plugin „HD View“ von Microsoft. Diese Erweiterung ist notwendig, um überhaupt mit den mehrere Hundert MByte großen Digitalaufnahmen umgehen zu können.

Plugins laden die jeweils benötigten Bildteile

Gigapixel-Bilder werden nie komplett geladen, das würde viel zu lange dauern und außerdem zu viel Speicherplatz beanspruchen. Stattdessen wird immer nur der Ausschnitt geladen, den der Besucher gerade betrachtet, so ähnlich wie beim Heranzoomen von Details beim virtuellen Gleitflug über die Erde mit Google Earth.

Genau das macht Gigapixel-Fotos zu einem regelrechten Erlebnis. Man kann nahezu endlos in die Bilder eintauchen, immer weiter heran zoomen. In der ersten Stufe sieht man lediglich das übliche Stadtbild, wie bei einem gewöhnlichen Foto. Wo normale Aufnahmen nach einigen Zoomstufen matschig oder pixelig wirken, lassen sich bei Megapixel-Aufnahmen immer neue Details erkennen.

Im Fall eines Stadtpanoramas bedeutet das konkret: Sieht man anfangs nur die Grundzüge einer Brücke, werden nach und nach immer mehr Details erkannbar. Irgendwann sieht man sogar, dass Autos auf der Brücke fahren, nach weiterem Heranzoomen sind sogar mühelos Farbe und Automodell zu erkennen. Das Plugin sorgt dafür, dass die jeweils nächsten Zoomstufen automatisch im Hintergrund nachgeladen werden, damit das Herein- und Herauszoomen fast nahtlos funktioniert.

Google Earth kann auch Gigapixel

Auch mit Google Earth lassen sich Gigapixel-Aufnahmen anschauen, zumindest ab Version ab 4.2. dazu in den „Ebenen“ unter „Galerie“ die Option „Gigapixl Photos“ aktivieren. Google Earth präsentiert dann in den Karten kleine Kamerasymbole an den Stellen, wo Gigapixel-Aufnahmen hinterlegt sind. Durch Doppelklick der Symbole lassen sich die Fotos laden – und betrachten.

Bei Google Earth sind vor allem beeindruckende Architekturaufnahmen zu sehen. Sehr schön bei solchen Gigapixel-Bildern: Man kann nicht nur den Gesamteindruck eines Gebäudes genießen, sondern eben auch Details wir Ornamente oder Material bestaunen, ohne das Foto wechseln zu müssen.

Um derart hoch aufgelöste Fotos herzustellen, müssen mehrere Dutzend Aufnahmen gemacht und mit Hilfe von Spezial-Software zusammen montiert werden. Das ist mit hohem Aufwand verbunden.

Auch Adobe tüftelt an Gigapixeln

Derzeit sind einige Softwareunternehmen an dem Thema dran. Microsoft will das Plugin „HD Viewer“ weiter entwickelt, Google hat die Gigapixel-Funktion in sein Google Earth eingebaut. Auch Adobe erweitert derzeit sein Bildprogramm Photoshop um entsprechende Funktionen, damit künftige Versionen der Software mühelos mit Gigapixel-Aufnahmen klar kommen und beim Zusammenbauen solcher beeindruckenden Aufnahmen behilflich sind. Es wäre zu wünschen, denn Gigapixel-Bilder sind mehr als eine Spielerei: Sie können eine echte Bereicherung sein, so wie 360-Grad-Panoramaaufnahmen.