Man möchte in diesen Tagen wirklich nicht Entwickler für Microsoft Office sein, denn der Wind bläst derzeit kräftig aus allen Richtungen: Kostenlose Office-Pakete zum Herunterladen hier, kostenlose Online-Webprogramme dort – und alle wollen sie Platzhirsch Microsoft Konkurrenz machen. Auch wenn bislang keins der Gratisprogramme auch nur annähernd an den Funktionsumfang von Microsoft Office herankommt: Einige der Suiten werden immer besser – und für viele User ist der Funktionsumfang vollkommen ausreichend.

Release Candidate für Windows, Linux und Mac

Das gilt vor allem für OpenOffice, die beste und beliebteste Alternative zum Büropaket aus Redmond (die übrigens ganz offiziell OpenOffice.org heißt, aber das will sich nicht wirklich durchsetzen). Seit Monaten entwickelt die OpenOffice-Gemeinde an der Version 3, die kurz vor der Fertigstellung steht. Noch im September soll die finale Version unter http://www.openoffice.org zum Download bereit stehen, für Windows, Mac OS X und Linux.

Wer nicht so lange warten möchte, kann bereits den „Release Candidate“ (RC) laden. So werden Programmversionen genannt, die eigentlich fertig sind – und nur noch einigen letzten Tests unterzogen werden. Neue Funktionen oder optische Veränderungen gibt es nicht mehr.

Grund genug, sich das neue OpenOffice mal näher anzuschauen. Aber bitte nicht zu viel erwarten, denn ein Quantensprung ist OpenOffice 3 nicht gerade. Am Funktionsumfang hat sich jedenfalls nur verhältnismäßig wenig geändert. Das aus Textverarbeitung (Write), Tabellenkalkulation (Calc), Präsentation (Impress), Grafikprogramm (Draw) und Datenbank (Base) bestehende Paket wurde vor allem optisch aufpoliert.

Die Entwickler haben der reichlich angestaubten Benutzeroberfläche ein dringend nötiges Facelift verpasst.

Freundliche Farben und übersichtlicher

Freundlichere Farben, buntere Icons, besser aufgeräumte Menüs. So wurde zum Beispiel das Startcenter verbessert. Von hier aus lassen sich die einzelnen Programme aus der Suite starten oder neue Dokumente anlegen. Die Regiezentrale wirkt aufgeräumter, freundlicher, übersichtlicher.

Verbessert wurde auch die Zusammenarbeit mit dem Konkurrenten Microsoft Office. So lassen sich nun problemlos Dokumente öffnen, die mit dem aktuellen Office 2007 erstellt wurden. OpenOffice verfügt dazu über einen eigenen Import-Filter, der im Test verlässlich arbeitet. Eine Exportfunktion für Office 2007 gibt es derzeit allerdings nicht.

Writer hat die meisten neuen Funktionen

Die meisten zusätzlichen Funktionen hat die Textverarbeitung Writer spendiert bekommen. Bei Bedarf lassen sich im Writer nun mehrere Seiten gleichzeitig darstellen und bearbeiten. Ein kleiner Schieberegler in der rechten unteren Ecke erlaubt, das gezeigte Dokument nahezu stufenlos zu zoomen. Ähnlich wie in Word können Writer-Benutzer nun zwischen den Ansichten Normal, Mehrseiten und Buch wählen.

Deutlich verbessert wurde auch Kommentarfunktion: Durch das integrierte Lotus Notes können Kommentare nun mit Namen versehen werden, die sich zudem farblich unterscheiden lassen. Auf Knopfdruck lässt sich die integrierte Rechtschreibprüfung nutzen.

Calc kommt mit größeren Tabellen klar

Wer Grafiken zuschneiden muss, damit sie besser in ein Dokument passen, kann nun auf die Hilfe von OpenOffice 3 zählen: Das Grafikmodul Draw wurde mit einer zusätzlichen Funktion ausgestattet, die so etwas im Handumdrehen erledigt. Aufatmen auch für alle User, die mit großen Datenbeständen arbeiten: Calc kommt nun auch mit größeren Tabellen klar. War man bislang auf 256 Spalten beschränkt, können nun bis zu 1024 Spalten angelegt werden.

Schön wäre gewesen, wenn sich die Entwickler auch mal dem Thema Optimierung beschäftigt hätten, denn meiner Meinung nach ist OpenOffice nicht gerade schnell. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis die einzelnen Programmmodule geladen und gestartet sind. Hier gibt es keine erkennbaren Verbesserungen.

Gut für die rasch wachsende Zahl von Mac-Benutzern: OpenOffice 3 läuft nun nativ auf Rechnern mit Mac OS X, also ohne „Tricksereien“ und damit deutlich schneller und stabiler. Die Installation des X-Window-Systems (X11), die bislang nötig war, um OpenOffice auf Mac nutzen zu können, kann nun entfallen.