Ich dachte eigentlich, die Zeiten wären vorbei, in denen man sich öffentlich damit brüstet, mit Technik und Internet nix am Hut zu haben. Aber da habe ich wohl nicht mit Johannes B Kerner gerechnet, dem geschmeidigen Abendtalker des ZDF. (Zumindest noch, er geht ja wieder zum Privatfernsehen.)

Also, heute (22.09.09) jedenfalls schafft es Kerner, sich auf der einen Seite darüber zu beklagen, dass deutsche Politiker so lahm sind und nicht mit der Zeit gehen. Vorbild Obama und so, man kennt das. Doch wenige Minuten später setzt sich Kerner hin und will twittern – und sagt mindestens vier Mal lauthals in die Kamera, dass er noch nie getwittert habe und auch sicher nie twittern werden. „Twitter ist wie die Pest“, gibt er zum Besten.

Aha. Sicher ein ausgewogenes Urteil, fundiert und auf Erfahrung fussend, wo er doch noch nie getwittert hat.

Dann schaut sich Kerner einige Twitternachrichten von Politikern an und macht sich lustig darüber, weil er die Nachrichten belanglos findet. „Wen interessiert denn das?“, fragt er. Diese Frage allerdings, bei allem Respekt, kann man sich wohl mit Fug und Recht bei nahezu jeder JKB-Sendung stellen, und zwar andauernd. Denn JKB ist Sendung gewordene Belanglosigkeit. Wen interessiert denn das? Eben!

Gast Kronzucker hat ähnlich unqualifizierte Kommentare zu Twitter und Internet zum Besten gegeben. Lojewski hat das Internet verteidigt („Wo wären wir ohne?“), Steffen Seibert hat immerhin versucht, darauf hinzuweisen, welchen Wert Twitter zum Beispiel im Iran hatte und hat – aber das wollte in dieser Sendung keiner hören, jedenfalls am wenigstens JBK.

Meine Güte, wie beschämend.


13 Kommentare
  1. Dennis Kröger
    Dennis Kröger sagte:

    Wer Twitter nicht mag, mag es eben nicht. Nur man sollte es nicht breit treten und Personen die es mögen, damit nerven.
    Ich mag Twitter solange es in einem gewissen Rahmen bleibt. Wenn ich beispielsweise eine Videospieleseite in meiner „Follow“-Liste habe, dann werde ich mit kurzen Texten auf das Neuste dieser Szene aufmerksam gemacht. Egal ob ich am Bus stehe oder gerade was esse. Wenn mich ein Thema interessiert, ich aber nur wenig zeit habe, ist Twitter die ideale Lösung. Was private Twitterer angeht kann man sich streiten und manche übertreiben es auch ein wenig.

  2. Tim
    Tim sagte:

    15% für JBK bei der Umfrage sollte uns allen zu Denken geben. Ich habe Twitter auch nicht vermisst, bevor es gestartet wurde.

  3. George
    George sagte:

    Da bin ich auf Stefans Seite. Zugegeben, ich bin auch bei Twitter vertreten, aber nur gelegentlich. Ich habe drei Blogs, ein privates und zwei sachbezogene. EInes habe ich in drei jahren gelernt: Fasse dich kurz! Die Internetgeneration hat die Konzentrazionsspanne einer Fruchtfliege, lange Artikel – so interessant sie auch sein mögen – werden nicht gelesen.
    Twitter verstärkt diese Unart meiner Meinung nach. Alles kurz und inhaltsleer, nur nichts zum Nachdenken. Ein Link hier, ein witziger Spruch da, ich koche Spaghetti, mein BH wird zu klein, meine Waschmaschine ist kaputt…
    Twitter ist wie bloggen für Alzheimerkranke. Neulich las ich sogar irgendwo von einer Theorie daß Alzheimer durch Twitter gefördert würde, weil das Gehirn „nichts zu tun“ bekommt. Durch gezielte Nutzung ließe sich dieser Effekt unkehren, wenn man durch die Kürze der Mitteilungen viel Inhalt in 140 Zeichen quetschen möchte. Diese wäre eine hohe Denkleistung. Aber wieviele Tweets mit Inhalt gibt es schon?

    Wo wären wir denn ohne Internet? Die Frage ist gut! Ich liebe das Internet, ich bleibe mit Menschen in Kontakt, kann schneller recherchieren als früher. A propos: neulich schrieb ich mal in meinem Blog etwas und verwendete das Wort „Flugrost“. Man kann sich nicht vorstellen wie viele dumme Kommentare da kamen, von HAHA bis Ä’wasn das?‘
    Auf die Idee vielleicht mal Wikipedia zu Rate zu ziehen kam von denen keiner. Internet, das ist Fun und Freiheit, zur Vermehrung ihres Wissens benutzen es wohl die wenigsten.

    Ich finde es keineswegs beschämend zu sagen man hätte mit Twitter und Internet nichts oder wenig am Hut. Es ging auch ohne, und das tut es immer noch. Viel zu viele Menschen machen sich zu Sklaven ihres Handys (ein Thema für sich) oder sitzen stundenlang(!) am PC ohne wirklich irgendwas zu tun. Darin sehe ich NICHT den Sinn moderner Technik.

  4. herbert küppers
    herbert küppers sagte:

    Wollte ich immer schon mal sagen,JBK soll sich mal mehr zurücknehmendenn so wichtig,wie tut ,ist er bestimmt nicht.
    Warum sagt ihm denn niemand daß er einigermaßen unwichtig für die Allgemeinheit ist.

  5. Peter Michael
    Peter Michael sagte:

    Textzitat: „…..und sagt mindestens vier Mal lauthals in die Kamera, dass er noch nie getwittert habe und auch sicher nie twittern werden“

    Klingt ja fast so, als stelle man sich mit so einer Aussage gesellschaftlich ins Abseits! „Twittern … twittern…“ – ich kann es bald nicht mehr hören.
    Ist ja fast wie …. eine Pest! Zum ersten Mal wird mir der Kerner ein klein wenig sympathisch!

  6. Stefan
    Stefan sagte:

    Ich finde das vollkomemn richtig,und diese sinn freien lobeshymenn auf twitter nerven einfach nur noch!

    Was soll toll daran sein sich auf 140 zeichen zu beschränken?
    Zumal das meiste eh nur verlinkungen auf andere dinge sind!

    Und alternativen werden in der regel überhaupt nicht erwähnt.
    Zum beispiel http://www.soup.io!

    Vor allem immer diese gequälten antworten,statt ganz entspannt ne antwort zu schreiben,quetscht man sich irgend ne Antwort auf 140 zeichen raus,und kürzt komplett sinnnfrei links!

    Im Grunde ist die Grundidee von twitter nicht schlecht(what are you doing),und dafür reichen 140 zeichen.

    Aber in der regel werden da Bilder verlinkt,Blogs verlinkt,Videos verlinkt!

    Sprich alles sachen für die 140 zeichen ebent nicht ausreichen!

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Autor und Moderator Jörg Schieb (z.B. für “Angeklickt” beim WDR) polterte in seinem Blog Kerner hinterher: “Wen interessiert denn das?”, fragt er. Diese Frage allerdings, bei allem […]

  2. […] einen Einblick in TWITTER erhalten. Johannes B. Kerner wollte in seiner Talkshow zeigen, wie der Kurznachrichtendienst funktioniert. Als er sein Fakeprofil findet, gibt es keinen Halt mehr für den TV-Modorator, […]

  3. […] beweißt sich Johannes B. Kerner. Unfollow für Kerner: In seiner Talkshow im ZDF zog er über Twitter her und meinte, dass Twitter „die Pest sei“ und er sich nie mit dem Dienst beschäftigt habe. […]

  4. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von joerg schieb, Felix Nensa, Reiner Grißhammer , joerg schieb und anderenerwähnt. joerg schieb sagte: Armutszeugnis: #JKB hält Twitter "für die Pest" und brüstet sich damit, noch nie getwittert zu haben. Toller Mann! http://bit.ly/Pqk1J […]

  5. […] hatte bereits gestern direkt nach der Sendung Jörg von Schieb.de darüber gebloggt: “JBK (Johannes B Kerner) findet Twitter “die Pest”“. Johannes B. Kerner Skandal – JBK entdeckt eigenen […]

Kommentare sind deaktiviert.