Wenn sich Apple-Chef Steve Jobs mal aus seiner Luxusvilla in Kalifornien bemüht, wenn er ein, zwei Mal im Jahr das Licht der Öffentlichkeit sucht, sich auf eine Bühne stellt und die neuesten Produkte mit Apfel-Logo präsentiert, ist das jedes Mal ein mediales Großereignis. Eine Audienz für die Weltöffentlichkeit. Eine Ehre für alle, die dabei sein dürfen – so sehen es zumindest alle Apple-Mitarbeiter.

Wer nicht live dabei sein darf – und das dürfen wirklich nur die aller wenigstens, höchstens ein paar Hundert handverlesene Gäste aus aller Welt, Journalisten, Analysten, Kunden –, wer also nicht leibhaftig dabei sein darf, wenn Steve Jobs sich auf die Bühne begibt und von den neuesten Erfindungen seiner Ingenieure schwärmt, der versucht anders, dabei zu sein, etwa mit Hilfe von Liveübertragungen im Internet, zumindest wer ein echter Apple-Fan ist.

Und davon gibt es bekanntlich viele. Auch und vor allem in den Medien. Fast alle berichten über das Ereignis, so ernsthaft und selbstverständlich, als ob der Weltfrieden verkündet oder ein Heilmittel gegen Krebs entdeckt worden wäre. Dabei stellt letztlich nur ein Konzern seine neuesten Produkte vor. Kommerzielle Produkte. Computer. Onlinedienste. Software. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Warum also interessieren sich also so stark dafür, wenn Apple seine Produkte herzeigt? Wieso schauen alle hin, berichten weitgehend unkritisch, verfallen in Jubel und teilweise sogar in Trance? Die Bloggerszene zum Beispiel ist in heller Aufregung, wenn wieder so ein Apple-Day ist, da werden hektisch Fotos und Infos ins Netz gestellt, noch während der Veranstaltung. Selbst Spiegel Online kann sich dieser Magie nicht entziehen und hat einen Live-Ticker angeboten, da konnten die Leser im Sekundentakt lesen, ob sich Steve Jobs gerade nach links oder rechts dreht, ob er lächelt order irgendwas hochhält.

Wirklich absurd – mit kritischem Journalismus hat das nichts mehr zu tun. Der gesamte Medienapparat wird zur Fankurve. Da geht dann eine Laola-Welle durch die Medien, alle bringen sich in Stimmung, johlen mit, sind entzückt, dass ihre Leser, Hörer, Zuschauer sich ebenfalls begeistern. Dabeisein ist alles.

Irgendwie kann sich halt kaum einer dieser merkwürdigen Sogkraft entziehen. Und das lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass Apple es geschafft hat, zu einer emotionalen Marke zu werden. Apple-Produkte sind emotional belegt, es sind Lifestyle-Produkte, schön anzusehen, schick gestaltet, irgendwie anders. Nichts für Menschen, die sich nur für Technik begeistern können, sondern für Menschen, die Technik mögen, wenn sie gut aussieht – und funktioniert.

Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass Steve Jobs durchaus Charisma besitzt. Er wird wie ein Popstar gefeiert – und das macht sich Apple zunutze. Gleichzeitig dringt vor der eigentlichen Veranstaltung fast nichts nach außen. Eine perfekte Inszenierung.

Apple ist eben längst kein Computerhersteller mehr, sondern in der Unterhaltungsindustrie tätig. Das merkt man. Nach dem medialen Kater.

2 Kommentare
  1. Rolf Badenhausen
    Rolf Badenhausen sagte:

    Technik-Pragmatiker sind nicht unbedingt auf die von Steve Jobs angepriesenen Zwitter-Züchtungen, jenen turnusmäßig verheißenen, schließlich als Ei des Kolumbus angebotenen Neuerfindungen des Rades angewiesen. Andere Hardware-Hersteller, die sich im harten Wettbewerb um ein faires Preis-Leistungsverhältnis mit Microsoft-Betriebssystemen bemühen, haben diese Art einer mich längst anwidernden Apple-Selbstbeweihräucherung nicht nötig. Und eben das imponiert mir weitaus mehr.

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  1. […] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Ellen Trude, Matthias Rückel und joerg schieb, Peter Schindler erwähnt. Peter Schindler sagte: Wann kommt eigentlich AppleShit? Medienhype um Apples iPad | schieb.de – http://shar.es/aPW3M […]

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