Auf den ersten Blick wirkt es wie die Ouvertüre zu einer Magier-Show: Der Vorhang öffnet sich, eine halbdunkle Bühne kommt zum Vorschein, reichlich bunte Scheinwerfer, auf einem Breitwand-Monitorbild schwebt ein Dirigent im Raum. Im Hintergrund ein vielköpfiger Chor, auch der nur virtuell, zusammengefügt aus 182 Video-Porträtbildern. Überraschender kann ein Konzert kaum beginnen.

Dabei sind sich die 185 Sängerinnen und Sänger aus zwölf Ländern unterschiedlicher Kontinente noch nie begegnet, kennen sich nur aus dem Internet. Ebenso Eric Whitacre, den Dirigenten und Komponisten. Der kam auf die Idee, den über die ganze Welt verstreuten Chor aus lauter Amateuren via YouTube zu casten. Musikalischer Input des Musik-Crowdsourcing Projekts: Die Whitecare-Komposition «Lux Aurumque».

Das technische Equipment des weltweiten Musikexperimentes besteht aus einem Blog, einer Facebookseite und einer bei YouTube. Alle Akteure haben ihren Gesangspart per Webcam eingeschickt. Schritt zwei: Eine zeitgleiche Aufnahme unter Anleitung des Monitor-Magiers. Der war nach eigenen Worten von dem Ergebnis total überwältigt und zu Tränen gerührt. Auch seine Fans sind begeistert. Einige denken schon weiter, wünschen sich als nächsten Level tausend schöne Stimmen, die «allein gemeinsam» singen.

Etwas «Making of» rund um das Viereinhalb-Minuten-Stück gibt es auch: Wer auf Bilder einzelner Interpreten klickt, gelangt über YouTube beispielsweise zum Conducting Track oder zur Aufnahmeanleitung für die Interpreten, sieht verschiedene Beispiele von Einzelperformances, mit denen sich «The Voices» für den Monitor-Chor beworben haben.
Die Komposition aus 243 Tonspuren nebst Videos ist auf der Webseite des Komponisten zu bewundern:

http://ericwhitacre.com/blog/the-virtual-choir-video-is-live