Es muss einem nicht alles gefallen, was man bei Youtube zu sehen bekommt – und wenn es Inhalte gibt, die gegen geltendes Recht verstoßen, so muss man gegen diese Inhalte vorgehen und gemeinsam mit Youtube versuchen, die Täter zu ermitteln. Aber Youtube komplett sperren, weil einzelne Inhalte nicht in Ordnung sind? Das wäre so, als würde man den Berliner Hauptbahnhof dicht machen, weil ein Kiosk einen Porno verkauft. Unverhältnismäßig.

Von Diktaturen wie China oder Iran ist man derart regides Vorgehen gewohnt: Onlinedienste, die den Mächtigen gefährlich werden können, werden entweder komplett gesperrt oder stark eingeschränkt. Twitter und Youtube trifft es besonders oft, aber auch Facebook oder Google müssen mitunter dran glauben. Es ist aber etwas anderes, wenn ein europäisches Land, das zudem in die EU will, so reagiert. Die Türkei hat vor über zwei Jahren den Zugang zum Videoportal Youtube gesperrt. Komplett. Im Vorfeld hat es um einige Videos Streit gegeben, die als schwere Beleidigung des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk empfunden werden konnten.

Die strittigen Videos sind nun entfernt, das Portal ist wieder freigeschaltet. Aber die Türkei muss sich fragen lassen, wie verhältnismäßig es ist, einen kompletten Onlinedienst wegen einiger verstörender Videos zu sperren. Youtube ist nämlich nur ein Beispiel. Laut Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die Türkei mehr als 5000 Seiten im Web sperren lassen. Freie Meinungsäußerung scheint noch nicht besonders relevant zu sein in der Türkei.

Schade.