Wer wollte es bestreiten: Apple ist ein ziemlich innovativer Laden. Man kann ja nicht ernsthaft behaupten, dass Apple hier und da mal erfolgreich ist, praktisch durch Zufall. Nein, Apple ist ausgesprochen kreativ und gestaltet die gesamte Industrie ordentlich mit. iPod, iPhone, iPad, iTunes, AppStore – hat es alles so vorher nicht gegeben, erst Apple hat uns gezeigt, dass es Spaß machen kann, unterwegs Musik zu hören, online Musik oder Apps einzukaufen, Smartphones mit den Fingern zu bedienen oder Zeitungen auf einem Tablet zu lesen.

Auch das Design – vorbildlich. Das alles lässt sich Apple gut bezahlen. Apple-Hardware kostet – entsprechend gut verdient das Unternehmen. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Herstellern. Einige versuchen, den Trend zu nutzen und mit ähnlichen Produkten erfolgreich zu sein. Die alles entscheidende Frage ist dann immer: Sind die Produkte nur ähnlich – oder wurde schlicht alles nur kopiert, ergo: geklaut?

Alles geklaut! Zu diesem Schluss kommt Apple beim Konkurrenten Samsung. Samsungs Galaxy Tab ist neben dem Xoom von Motorola die einzige ernsthafte Alternative zum iPad. Auch Samsings Smartphones sind gut gemacht. Nun wirft das US-Unternehmen den Südkoreanern vor, verschiedene Patente verletzt zu haben. Design und Bedienung, teilweise sogar einzelne Elemente des User Interface seien so dicht an iPhone und iPad dran, dass man schon von Patentverletzungen sprechen müsse…

Apple verlangt nicht nur den sofortigen Stopp des Verkaufs, sondern auch Schadenersatz.

Ich bin kein Jurist, finde solche juristischen Auseinandersetzungen aber immer eher überflüssig – es sei denn, jemand hat wirklich 1:1 alles kopiert oder bedient sich dreist bei Technologien oder kopiert ein Design vollständig. Das kann ich persönlich beim Galaxy Tab und den Smartphones nicht erkennen.

Apple hat ein Waschpulver erfunden (iPad) – und beschwer sich jetzt, dass andere auch ein Waschpulver verkaufen. Solange die Zusammensetzung nicht dieselbe ist, gibt es in meinen Augen keinen Grund, einen Patentanwalt zu beauftragen. Aber in den USA sieht das etwas anders aus, da gibt es Patente auf alles Mögliche.

Und natürlich ist der Gerichtssaal längst zu einem Nebenschauplatz für Auseinandersetzungen mit dem Wettbewerb geworden. Das muss man sich auch leisten können, denn solche Auseinandersetzungen sind kostspielig. Es geht aber auch um viel, viel Geld… Immerhin hat sich Apple mit Samsung keinen Zwerg ausgesucht, den man in Grund und Boden klagen kann, weil man die volleren Geldspeicher hat. Samsung kann sich wehren.

Sympathisch finde ich solche Klagen jedenfalls nicht. Man sollte seine Kraft lieber in weitere Innovationen stecken. Wer den Wettbewerbern immer einen Schritt voraus ist, hat nichts zu befürchten. In der schnellebigen IT-Industrie ist es ja nicht wie zum Anfang des Industriezeitalters: Da hat eine Erfindung jahrezehntelang Bestand gehabt. Heutige Taktraten sind ungleich höher.