… nein, ich habe es (noch) nicht gelesen, das Werk der Piraten-Vorständin Julia Schramm alias @laprintemps mit dem immerhin witzigen Titel „Klick mich“. Weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob das sein muss, denn die Rezension auf Spiegel Online macht nicht gerade neugierig auf die Lektüre.

Interessant ist, was drumherum passiert. Das verdient einen näheren Blick. Denn Julia Schramm ist schließlich nicht irgendwer, sondern eine Frontfrau der Piraten, und die haben durchaus interessante Ansätze. Man muss es nicht gut finden, wenn jemand meint, das Urheberrecht müsse von Grund auf neu aufgestellt werden. Wenn ein Wek „die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur“ befördern kann, dann solle dieses Werk eben frei kopiert und verteilt werden dürfen, fordern die Piraten.

Wie gesagt: Man muss nicht derselben Meinung sein, kann sich aber mit der Forderung und den durchaus auch nachvollziehbaren Argumenten mal auseinandersetzen. Ich finde einige Ansätze durchaus sympathisch, für die Allgemeinheit zumindest. Je mehr Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung steht, frei, umso besser. Auf der anderen Seite muss aber auch sichergestellt sein, dass es sich lohnt, Werke zu schaffen. Dafür muss eine Lösung her.

Als jemand, der selbst schreibt, und das schon sehr lange (auch Bücher), verfolge ich die Debatte deshalb interessiert.

Spannend wird es immer dann, wenn Menschen wie Julia Schramm, die eben mit Verve „Freiheit des Wissens“ propagieren und das freie Kopieren unterstützen, Menschen, „die im Internet zu Hause“ sind, wie Julia selbst schreibt, wenn die dann plötzlich Bücher schreiben – auf, meine Güte!, auf Papier! Aber es lohnt sich ja. Wenn es stimmt, dass Julia Schramm 100.000 EUR Vorschuss bekommen hat, dann muss ich sagen: Hut ab. Gut verhandelt.

Aber passt das zu ihren Ansichten? Nicht wirklich. Das würde nur dann passen, wäre nur dann authentisch, wenn es das Buch zumindest gleichzeitig auch frei als PDF oder ePub zum Download gäbe – und nur, wer das Buch eben gedruckt haben möchte oder dafür unbedingt bezahlen will, kann es im Laden oder Onlineshop kaufen oder bezahlen. Das wäre konsequent und irgendwie auch erwartbar gewesen.

Aber vermutlich spielt der Verlag da nicht mit – was man auch verstehen kann, schließlich ist die Autorin bei den Piraten, nicht der Verlag.

Es war wohl unvermeidlich, dass Kopien des Werks frei im Internet kursieren. Aber schneller als Julia Schramm „Doppelklick“ sagen kann, haben die Verlagswächter den Regelverstoß bemerkt und gehandelt. Sie haben die illegale Quelle trocken gelegt. Das Problem wurde juristisch angegangen.

Aus Sicht des Verlags verständlich. Und wie äußert sich Julia Schramm dazu? Auf ihrer Webseite und ihrem Blog gibt es dazu bislang jedenfalls nichts, auch unter @laprintemps auf Twitter – Fehlanzeige. Es wäre doch wohl zumindest eine Erklärung oder Stellungnahme zu erwarten. Stattdessen schreibt Julia Schramm nur „Guten Morgen, lieber Mob“ und macht sich über alle lustig, die sie kritisieren. Selbstbewusstsein hat sie ja. Wie schön. Aber wie sie diesen Wertewiderspruch sieht und erklärt, das erfahren wir nicht, dabei wäre das interessanter als vermutlich alles, was im Buch steht.

 

2 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Schieb: Warum “Klick mich” doch ein gutes Buch ist […]

Kommentare sind deaktiviert.