Die IFA ist die Trendschau der Technik-Branche. Hier zeigt die Industrie für Unterhaltungselektronik, was sie kann und was sie Neues auf den Markt werfen möchte. Und weil Technik heute längst nicht mehr nur was für Technikfreaks ist, sondern Technik irgendwie dazu gehört, gibt es dieses Jahr besonders viele Neuerungen, hat man den Eindruck. Denn viele interessieren sich dafür und kaufen auch. Ob wir all den technischen Schnickschnack eigentlich brauchen, den wir auf der IFA zu sehen bekommen?

Wer sich für Technik begeistern kann, für den ist ein Spaziergang durch die Hallen der IFA ein wahres Fest. Ich jedenfalls gehe total gerne über die IFA. Denn nirgendwo sonst bekommt man so viele neue Geräte und Gadgets auf einen Schlag geboten. Von Minicomputern fürs Handgelenk, Smartwatch genannt, über gebogene Fernseher, die größer sind als manches Studentenzimmer bis hin zu vernetzten Haushaltsgeräten. Es gibt eine Menge zu bestaunen.

Beispiel: Fernseher. Eigentlich das Kernthema auf der IFA. Die Hersteller müssen sich ständig was Neues einfallen lassen. Sonst kauft keiner. Seit 2012 gehen die Verkaufszahlen zurück, trotz Fußball-WM. Irgendwie hat jeder längst einen HD-Fernseher stehen oder hängen. Flatscreen ist heute Standard. Was soll also noch kommen? Die Industrie hat da durchaus Ideen und einiges mit uns vor. 4K ist ein Stichwort, auch Ultra-HD genannt. 4K bietet eine vier Mal höhere Auflösung als Full-HD. Die Bildqualität ist tatsächlich beachtlich.

Nur: Was bringt es, sich einen sündhaft teuren 4K-Fernseher zu kaufen, wie ihn alle führenden Hersteller mittlerweile anbieten, wenn es so gut wie keine 4K-Inhalte gibt? Es gibt praktisch kaum einen Film in 4K-Auflösung. Es haben noch nicht mal alle Fernsehsender auf HD umgestellt, an ein Fernsehbild in 4K ist da nicht zu denken.

4K-Filme gibt es noch am ehesten aus dem Netz. Doch wie frustrierend muss es sein, sich vom Händler einen teuren 4K-Fernseher aufschwatzen zu lassen und nachher zu Hause nichts in 4K-Qualität anschauen zu können, ohne Aussicht auf zeitnahe Lösung des Problems? Deshalb reicht es mir, die Wundergeräte in den Messehallen zu bestaunen. Zu Hause brauche ich so was erst mal nicht.

Auf dem Schreibtisch sieht das anders aus. Dort macht ein 4K-Monitor durchaus Sinn, denn Computer können ohne weiteres derart hochaufgelöste Bilder liefern. Gestochen scharfe Schriften, kristallklare Spielebilder, selbst Youtube kann schon 4K. Doch, auf dem Schreibtisch macht 4K Sinn. Nicht aber im Wohnzimmer.

Ein anderer Trend sind gekrümmte Bildschirme. Motto: Krumm ist das neue Flat. Muss jetzt jeder haben, der hipp sein will. Weil Fernseher im Wohnzimmer ja unbedingt immer größer werden müssen, haben sich die Hersteller gedacht: Wenn wir sie ein wenig krümmen, steigert das die Bildqualität. Curved-TVs heißen diese Geräte.

Doch um es mal klar zu sagen: Unter einem Meter Bildschirmdiagonale bringt eine Krümmung unter ergonomischen Gesichtspunkten rein gar nichts. Bei riesigen Bildschirmen mit zwei Meter und mehr Diagonale bringt es durchaus einen Vorteil, wenn der Schirm gekrümmt ist – wenn der Zuschauer nah vor dem Fernseher sitzt. Aber die Filme werden dadurch auch nicht besser. Gekrümmt ist nett – aber ein verzichtbarer Gimmick.

Ein anderes Schlagwort ist Streaming. Musik, Radio, Fernsehen, Videos, Kinofilme. Kommt heute auf Wunsch alles als Stream nach Hause. Das ist zweifellos praktisch, wenn man über eine ausreichend schnelle Datenleitung verfügt. Auf dem Land alles andere als selbstverständlich. Doch darüber spricht auf der IFA niemand.

Auf der IFA wird gezeigt, wie sich die Streams komfortabel im ganzen Haus verteilen lassen, wie Musik ins Badezimmer und Kinofilme ins Wohnzimmer gelangen. Ist alles praktisch, kostet aber auch eine Menge Geld. Und macht uns, das sei bei aller Begeisterung für die Vorteile auch mal gesagt, abhängiger von Onlinediensten und Internet-Providern. Fällt einer der beiden aus, bleiben die Boxen stumm und der Monitor dunkel. Von den gesammelten Daten mal ganz zu schweigen.

Und auch der Haushalt und das ganze Haus werden zunehmend vernetzt. Da kann ich mit der Smartphone-App die Heizung steuern, das Lichtklima kontrollieren und die Waschmaschine starten – auch wenn ich gar nicht zu Hause bin. Dadurch lässt sich durchaus Energie sparen, das ist unbestritten. Allerdings ist Technik auch immer anfällig. Apps haben Fehler. Akkus sind leer. Das Netzwerk fällt aus. Und schon kann man nicht mehr die Temperatur regeln, das Licht ausknipsen oder die Türe öffnen. Alles durchaus denkbare Pannen, die natürlich auf keiner Messe gezeigt werden.

Technischer Fortschritt ist was Feines und bedeutet oft mehr Komfort. Doch zu viel Technik – und das sagt Ihnen ein überzeugter Technikfan – bedeutet auch ein Mehr an Abhängigkeit. Jeder muss selbst entscheiden, wie abhängig er sein möchte. Es gibt aber jedenfalls Grenzen.

ifa-2014