Microsoft hat die schwedische Spieleschmiede Mojang gekauft, die das populäre Spiel Minecraft entwickelt. Über 20 Millionen Menschen spielen derzeit Minecraft, über 100 Millionen haben es schon mal gespielt – eins der derzeit populärsten Games überhaupt. Stellt sich die Frage, wieso Microsoft den Spaß 2,5 Milliarden Dollar kosten lässt.

An der Grafik kann der Erfolg von Minecraft wohl kaum liegen. Denn mehr als eine wenig spektakuläre Klötzchengrafik bekommen Minecraft-Spieler nicht geboten. Trotzdem hat sich das Spiel bislang unglaubliche 55 Millionen Mal verkauft – in nicht mal drei Jahren. Die Spieler lieben es, mit den groben Pixel-Klötzchen ihre eigenen virtuellen Welten zu erschaffen.

Minecraft hat seinen ganz eigenen Charme, der sich – das muss man auch sagen – keineswegs jedem erschließt. Es gibt kein eigentliches Ziel, das man im Spiel erreichen könnte oder müsste.

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20 EUR pro verkauftem Spiel

Auf der Homepage von Minecraft, die auch unspektakulär aussieht, kann man eine Demo spielen – oder für 20 EUR die Software kaufen. Läuft auf Windows, Mac und Linux, aber auch auf Spielekonsolen wie Xbox. Und Versionen für Android und iPhone gibt es auch, die Minecraft Pocket Edition.

Egal wo man ist: Fast überall kann man Minecraft spielen. Und die Fans machen jede Menge Werbung für das Spiel. Auf Youtube zum Beispiel gibt es unzählige Videos, in denen die Spieler zeigen, welche Welten sie erschaffen haben oder welche Kniffe sie drauf haben, um sich in den virtuellen Welten zu behaupten.

Und auf Twitch TV, so eine Art Online-Fernsehkanal für Spielefans, kann man erfahrenen Spielern live über die Schulter schauen, wie sie sich in Minecraft behaupten. Minecraft ist ein riesiges Thema im Netz.

Keine Regeln, keine Ziele, alles möglich

Jeder Spieler kann machen was er möchte. Es gibt keine Regeln. Er kann Landschaften gestalten, Berge erklimmen oder Höhlen erforschen, Häuser bauen, er kann dem Wetter trotzen, Schlösser bauen oder Maschinen erfinden. Und Teil einer Community sein. Was so klobig aussieht, ist fein durchdacht. Und weil alles möglich ist, haben irgendwie alle Spaß.

Die Grafik sieht aus wie in Computerspielen aus den 90er Jahren. Man trotzt bewusst dem Mainstream. So, als würde man einen Oldtimer statt eines modernen Sportwagens fahren. Aus Überzeugung. Minecraft-Erfinder Markus Notch Persson liebt die Freiheit und verrückte Ideen. Er wird deshalb von vielen verehrt – ihm wurde im Spiel sogar ein virtuelles Denkmal gebaut.

Notch Persson, der Erfinder des Spiels, macht allerdings nicht weiter. Er scheidet aus. Doch irgendwie müssen sich die 2,5 Milliarden Dollar, die Microsoft investiert, rentieren – wie?

So will Microsoft Geld verdienen

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum einen will Microsoft sich die große Fangemeinde sichern. Millionen vor allem junge User, die das Spiel mögen – und denen man in Zukunft andere Sachen verkaufen kann.

Vermutlich will Microsoft von der kreativen Spieleschmiede aber auch neue Spiele haben, zum Beispiel für die Spielekonsole Xbox One. Da braucht es immer neue Ideen.

Außerdem will Microsoft seinen Mobilbereich aufmöbeln. Neue Spiele und Konzepte für Smartphones und Tablets von Microsoft, denn im Mobilbereich ist Microsoft bislang eher schwach aufgestellt.

Firmenaufkäufe heute sanfter als früher

Ich glaube allerdings nicht, dass Microsoft das Spiel teurer macht oder alles mit Werbung zupflastert oder die User nun gleich verpflichtet, ein Microsoft-Konto aufzumachen. Eine Firma kaufen und einfach schlucken, das macht man heute nicht mehr.

Beispiel: Instagram. Als Facebook die Foto-App vor zwei Jahren für eine Milliarde Dollar gekauft hat, haben auch viele befürchtet, Facebook würde den Dienst komplett verändern und vereinnahmen. Das ist aber nicht passiert. Instagram gibt es nach wie vor – und wurde weiter entwickelt, etwa mit Videofunktionen und schicken Video-Effekten.

Auch Whatsapp gab es nach dem Aufkauf unverändert weiter. Oder Skype – viel hat sich nicht verändert. Es gibt viele solcher Beispiele. Deshalb wird Microsoft auch Minecraft wahrscheinlich unangetastet lassen.

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