Facebook hat mittlerweile 1,3 Milliarden Mitglieder weltweit – trotz der Datenschutzbedenken, die es gibt. Trotzdem gibt es eine Bewegung im Netz, hin zu sozialen Netzwerken, die eine Alternative zu Facebook oder Google+ darstellen. Ohne Datenausbeute, ohne Zwang zum Klarnamen.

Gerade ist ein neues soziales Netzwerk gestartet, Ello. Hier melden sich zurzeit Tausende neue Nutzer an – pro Stunde. Aber auch andere Alternativen wie Diaspora oder ganz spezielle Netzwerke im Smartphone können einzelne User begeistern. Doch sind sind eine echte Alternative?

Ello will mit Datenschutz punkten

Wer sich im neuen sozialen Netzwerk Ello anmeldet, das ich hier bereits vorgestellt habe, der bekommt derzeit noch ein sehr aufgeräumtes Angebot zu sehen. Viel mehr als ein Profil einrichten, Beiträge schreiben und sich mit anderen Leuten vernetzen ist hier im Augenblick noch nicht möglich. Ello bietet derzeit nur wenige Funktionen – kommt dafür aber auch ohne jede Werbung aus.

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Ello hat sich auf die Fahnen geschrieben, anders zu sein als Facebook. Die guten Aspekte von Facebook, eben die Vernetzung, ohne die Nachteile wie Werbung oder die kommerzielle Auswertung persönlicher Daten. Ein kleines Team von Entwicklern hat Ello programmiert – und versucht, Facebook die Stirn zu bieten. Sie haben nur relativ wenig Kapital zur Verfügung, deshalb geht es langsam voran, sehr langsam. Aber immerhin: Ein Anfang ist gemacht.

Reduzierter Funktionsumfang

Wer bei alternativen sozialen Netzwerken wie Ello denselben Funktionsumfang erwartet wie bei Facebook oder Google+, der muss zwangsweise enttäuscht sein. Ello bietet die Basics – nicht viel mehr, das wird sich auch in Zukunft nicht großartig ändern.

Ein anderer Nachteil ist natürlich: Alle Freunde sind bei Facebook, Google+, Twitter … aber nicht unbedingt in den zwar gut gemachten, aber nicht unbedingt gut besuchten alternativen Netzwerken. Man ist ein bisschen allein, es geht nicht so richtig zur Sache. Bei Ello melden sich aber derzeit rund 4.000 Leute pro Stunde an – das ist eine ganze Menge und könnte sich schneeballartig entwickeln.

Einladung erforderlich

Finanziert werden soll Ello später durch Gebühren, die für bestimmte Extras erhoben werden. Etwa für ein schickeres Profil oder mehr Komfort bei der Bedienung. Ein paar Euro im Monat. Kein Muss, nur eine Option.

Wer bei Ello mitmachen möchte, braucht derzeit allerdings noch eine Einladung. „Invite only“, so heißt es auf der Homepage. Jeder, der schon bei Ello ist, kann seinen Freunden eine Einladung schicken. Man findet auch auf Twitter und Co. schon mal eine Einladung. Oder man fordert einfach eine bei Ello an – kann aber ein paar Tage dauern. Ello will auf diese Weise kontrolliert wachsen, damit nicht zu viele neue User auf einmal ins Netzwerk drängen. In ein paar Wochen wird Ello dann für jeden direkt erreichbar sein.

Diasporta setzt auf Peer-to-Peer

Ein ernstzunehmender Konkurrent wird Ello ganz sicher nicht werden. Dafür hat Facebook einfach zu viel Vorsprung, bietet zu viele Funktionen. Außerdem viel mehr Menschen dort. Trotzdem ist Ello eine sehr, sehr interessante Alternative, der ich wünsche, dass sie ein erfolgreiches Nischendasein führt. Wem Kontrolle über die eigenen Daten wichtig ist, der ist bei Ello gut aufgehoben. Aber man muss eben schaffen, dass auch die eigenen Freunde zu Ello kommen.

Ähnliches gilt für Diaspora. Eine andere Alternative, die es schon etwas länger gibt. Diaspora hat keine zentralen Server, sondern ist als Peer-to-Peer-Netzwerk angelegt. Hier sind die gespeicherten Daten auf vielen Rechnern verteilt.

Das macht das Netzwerk noch weniger anfällig für Kontrollen oder Missbrauch. Doch bislang konnte sich Diaspora nicht, die Massen zu begeistern – obwohl hier Datenschutz wirklich groß geschrieben wird.

Diaspora

Whatsapp, Snapchat und Path

Ein erfolgreicher Ersatz sind Whatsapp und Snapchat. Auch hier kann man Gruppen bilden und Nachrichten austauschen. Mit Snapchat lassen sich Fotos verschicken, die sich nach 10 Sekunden automatisch auflösen. Doch Whatsapp gehört zu Facebook. Und Snapchat ist zwar populär bei Jugendlichen, aber eben kein echtes soziales Netzwerk.

Ebenfalls beliebt ist Path. Eine Art Social Network für Mobilgeräte. Die App ist kostenlos, die Bedienung schick. Auch hier kann man Nachrichten und Fotos mit Freunden tauschen. Nicht so öffentlich wie bei Facebook – doch genau das schätzen viele. Gerüchten zufolge hat aber Apple bereits ein Auge auf die App geworfen.

Eine wirklich überzeugende Alternative zu Facebook, die alle nutzen wollen, gibt es also nach wie vor nicht, aber durchaus interessante Alternativen, die man sich mal anschauen sollte.