Facebook schwingt sich zum Fotokritiker auf: Ab sofort werden alle per App hochgeladenen Fotos auf ihre Qualität hin begutachtet. Erkennt der Algorithmus Mängel, etwa bei zu dunklen Aufnahmen, dann werden die Bilder automatisch optimiert, bevor sie in der Timeline erscheinen. Das soll die User freuen, ist aber durchaus auch eine Bevormundung. Wo soll das nur hin führen?

Ab sofort werden schlechte Fotoaufnahmen automatisch optimiert, noch vor dem Upload. Ein zu dunkles Selfie, ein Schnappschuss mit zu wenig Kontrast oder Schärfe wird von den unbestechlichen Filtern erkannt, und die Aufnahmefehler werden korrigiert. Wie das genau funktioniert, erklärt ein Artikel auf Techcrunch. Die Optimierung wird direkt in der App angeboten. Man kann sie auch ignorieren (rückgängig machen), aber die meisten werden sie wohl verwenden. In der iOS-Version von Facebook ist die neue Funktion bereits enthalten, Android soll bald folgen.

Bildschirmfoto 2014-12-18 um 22.40.11

Automatische Korrektur

Eine vollautomatische Bildoptimierung: Das klingt erst mal verlockend. Denn längst nicht jede Aufnahme, die in der Facebook-Timeline auftaucht, kann als gelungen bezeichnet werden. Facebook will uns davor bewahren – und aus misslungenen Aufnahmen automatisch gute Aufnahmen machen. Immerhin: Wem die automatische Korrektur nicht gefällt, kann sie per Schieberegler auch relativieren oder komplett zurücknehmen.

Facebook nimmt die Optimierung direkt in der App vor. Angeblich im Interesse der User. Denn ein Algorithmus kann ein Bild schneller und technisch gesehen besser optimieren als ein Mensch. Die Frage ist allerdings auch: Muss ein Foto denn wirklich immer aus technischer Sicht perfekt sein? Gerade bei Schnappschüssen sehe ich das nicht unbedingt so.

fotofilter

In Social Media dreht sich alles ums Foto

Nicht nur Facebook setzt verstärkt auf das Thema Foto. Auch andere soziale Netzwerke versuchen, Fotofreunden das Leben zu erleichtern. Twitter hat gerade erst die Filterfunktion optimiert, die es erlaubt, Fotos einen neuen Anstrich zu geben oder sie mit Effekten zu versehen. Und der vor allem bei Jugendlichen beliebte Chat-Dienst Snapchat hat einen Dual-Filter eingeführt. Auch Instagram hat gerade erst fünf neue Filter (Slumber, Crema, Ludwig, Aden und Perpetua) an den Start gebracht, die das Nachbearbeiten von Fotos im Smartphone erlauben. Irgendwie wollen sie alle den Spaß am Foto vergrößern.

Dennoch: Eine automatische Korrektur oder Optimierung finde ich trotzdem nicht gut. Optional – gerne. Aber automatisch? Nein. Wo soll das hinführen? Demnächst werden Postings auf Tippfehler überprüft, später auf guten Geschmack oder Witz abgeklopft – und automatisch „angepasst“, wenn es Mark Zuckerbergs Konzern nicht passt. Was denkbar ist, sollte nicht für unmöglich gehalten werden.