Apple hat einen Patentantrag für eine ganz besondere Art von Mobil-Anzeigen eingereicht: Durch ausgeklügelte Algorithmen soll die Zahlungsfähigkeit, Kaufkraft und Ausgabefreudigkeit der Benutzer ermittelt werden – damit nur noch Anzeigen für Produkte erscheinen, die sich der Betreffende auch leisten kann oder will. Ein Affront – oder nur konsequent weitergedacht?

Das Geschäft mit der Onlinewerbung ist lukrativ, wie die jüngsten Quartalsergebnisse von Google beweisen. Doch wer wachsen will, der muss sich immer wieder etwas Neues ausdenken. Apple will seinen Kunden künftig auf den Mobilgeräten gezielt Anzeigen für Produkte oder Angebote zeigen, die sie sich auch wirklich leisten können.

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Die Idee ist simpel: Wer erfahrungsgemäß gerne Geld ausgibt, dem werden eher teure Angebote unterbreitet – wer sich so etwas nicht leisten kann (oder will), der bekommt die Anzeige erst gar nicht zu sehen. Sparfüche hingegen bekommen eher Anzeigen präsentiert, die zu ihrer eingeschränkten Spendierlaune passen.

Wie viel willst Du ausgeben?

Es geht also nicht um die Interessen des Benutzers, sondern um seine Bonität. Das ist eine neue Art, Anzeigen auszuliefern. Bei Online-Reklame hat es sich bislang noch niemand getraut, die Bonität zur Grundlage zu machen. Dieser Patentantrag erklärt, wie Apple sich das konkret vorstellt: Apple will im Hintergrund eine Art Scoring durchführen. Der User wird also wirtschaftlich bewertet, bevor die passende Anzeige erscheint.

Damit das klappt, recherchiert Apple im Kontostand der Prepaid-Karte, überwacht und analysiert frühere Einkäufe oder bewertet die Höhe der Mobilfunkrechnung. Bedenkt man, dass Apple in USA bereits seinen eigenen Bezahldienst Apple Pay eingeführt hat, bekommt die Sache einen wirklich unangenehmen Beigeschmack.

Direkt mit Apple Pay bezahlen

Für Apple könnte sich das lohnen: Natürlich könnte der Einkauf der über die neuartigen Anzeigen angebotenen Waren und Dienstleistungen direkt über Apple Pay abgewickelt werden.

Um es allerdings klar zu sagen: Das ist denkbar, aber ausdrücklich noch nicht geplant. Apple hat lediglich einen entsprechenden Patentantrag eingereicht. Apple-Chef Tim Cook betont gerne, dass er Nutzerdaten nicht monetarisieren möchte (anders als Google). Wenn er Wort halten will, dürfte er sein Patent nicht umsetzen. Manche vermuten daher, Apple wolle lediglich die Konkurrenz davon abhalten, ein solches Anzeigen-System einzuführen.

Nach dem Kontostand beurteilt zu werden, hinterlässt bei den meisten (verständlicherweise) ein unangenehmes Gefühl. Dabei ist so etwas absolut üblich. Irgendwie schaffen es ja zum Beispiel auch die Hersteller von Luxusautos, die passende Klientel mit Angeboten zu versorgen. Wer sich keinen 100.000-Euro-Schlitten leisten kann, bekommt auch nur selten ein Angebot für eine Probefahrt zugeschickt. Letztlich wird auch hier im Vorfeld nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit sondiert.

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Was kannst Du Dir leisten?

Auch in der Onlinewelt wird schon lange nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit unterschieden. Manche Onlineshops präsentieren Apple-Nutzern höhere Preise als Windows-Nutzern, etwa bei Reiseangeboten. Weil jeder weiß und statistisch belegt ist: Apple-User geben mehr Geld aus.

Aber Hand aufs Herz: Wirklich verwunderlich ist das doch nicht. Jeder, der etwas verkauft, versucht einen maximalem Preis auszuhandeln – und wer einkauft, einen minimalen. Im Zentrum Venedigs kostet der Espresso auch mehr als in Spanien auf dem Land.

Im Grunde will sich Apple etwas patentieren lassen, was längst Usus ist. Weltweit. Die Frage ist nur, ob Apple das später auch in die Tat umsetzt – und dazu auf Daten zurückgreift, die Rückschlüsse über die Zahlungsfähigkeit zulassen. Das dürfte dem Ruf schaden.