Google hat überraschend einen eigenen Router vorgestellt: OneHub heißt das gute Stück, das in Zusammenarbeit mit dem Router-Hersteller TP-Link entstanden ist und ab Ende August für 200 Dollar zu haben sein wird. Wahlweise in blau oder schwarz. Allerdings vorerst nur in USA und Kanada. Aber warum steigt Google in diesen Markt ein?

Eins muss man Google lassen: OneHub sieht schick aus (erinnert vom Design her ein bisschen an Amazons Bedienkonsole Echo) – und einfach zu bedienen soll der Luxus-Router auch sein.

Als erstes fällt auf: Der Router schmeichelt dem Auge. Design ist nicht egal. Design ist wichtig. Das hat man bei Routern aber bislang in der Tat völlig außer acht gelassen. Einen hässlichen Router versteckt man hinterm Schrank.

Doch da ist der Empfang schlechter als er sein könnte. Wenn ein Router gut sichtbar auf der Kommode platziert wird, dann können ihn auch die WLAN-begehrenden Geräte besser „sehen“. Der Empfang ist besser – und es klappt auch besser mit dem Onlinegehen. Das ist die verblüffend einfache Logik hinter OneHub. Da ist was dran.

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Einfach zu bedienen

OneHub soll einfach zu konfigurieren sein: Nutzer können den Router bequem mit Hilfe einer App bedienen und steuern – im Zweifel auch über Bluetooth. Das ist eine Idee, die auch andere Router-Hersteller längst hätten haben dürfen. Denn die Eingabe einer kryptischen IP-Adresse, um im Browser auf die Konfigurationsebene des Routers zu gelangen, lässt sich nicht jedem User wirklich leicht vermitteln. Eine komfortable Bedienung per App (unter Android und iOS) klingt verlockend – und ist es zweifellos auch.

Die App soll einen ausfürhlich über den aktuellen Netz-Status informieren: Welche Geräte sind gerade drahtlos mit der Basisstation verbunden, welche Bandbreiten werden benötigt, wer ist wie lange onlone? Zeigt die App alles übersichtlich im Display an.


Google stellt seinen Router OneHub vor

Warum ein eigener Router?

Stellt sich die Frage: Warum bietet Google eine eigene Hardware an? Eigene Smartphones und Tablets zu bauen, das lässt sich noch nachvollziehen, da man den Android-Markt ankurbeln möchte. Aber ein Router?

Sicher will der Alphabet-Konzern nicht groß ins Hardwaregeschäft einsteigen. Google will mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen möchte Google zweifellos, dass die Menschen einfacher und bequemer online gehen können. In den USA bietet das Unternehmen mit Google Fiber schließlich auch Breitbandzugänge an. Außerdem betreibt Google einen eigenen DNS-Service. Man unternimmt einiges, um die Kontrolle nicht komplett den anderen zu überlassen.

Nutzerdaten sammeln und auswerten?

Doch Google hat zweifellos auch Interesse an Nutzerdaten. Nicht unbedingt konkret, welche Webseite aufgerufen wird. Aber: Welche Bandbreiten zur Verfügung stehen, wie viele Geräte einen Router nutzen, welche Protokolle im Hintergrund zum Einsatz kommen und vieles andere mehr. Diese Daten kann Google auf vielfältige Art und Weise für sich nutzen.

Das dürfte die Skepsis erhöhen, die viele diesem (ja auch nicht gerade günstigen) Router entgegenbringen werden. Vor allem hier in Deutschland. Hinzu kommt: Bei uns gibt es bei vielen Providern Routerzwang. Die Provider bestimmen, welchen Router die Kunden verwenden dürfen. Diesen Routerzwang will die Bundesregierung immerhin kippen.

Ich habe Bedenken: Vermutlich werden sich nicht viele Deutsche einen Router von Google in die Wohnung stellen. Schick hin, komfortabel her. Die Skepsis gegenüber US-Diensten ist groß – und auch berechtigt. Zur Aufklärung haben die US-Dienste jedenfalls nicht viel beigetragen, die deutsche Regierung allerdings auch nicht. Der Vorwurf, sich mit dem 200 Dollar teuren Router einen NSA-Maulwurf ins Haus zu holen mag vielleicht unberechtigt sein, aber er ist verständlich.