Mit Tarn-Kappe surfen: Dashboard, VPN und mehr

von | 02.10.2015 | Tipps

Wer sich ins Internet stürzt, der kann nicht nur eine Menge über die Welt erfahren – die Welt erfährt auch eine Menge über ihn. Und damit sind nicht nur die vielen Dinge gemeint, die wir freiwillig in Blogs, auf Facebook, X (Twitter), Instagram, TikTok und Co. posten, sondern auch die vielen Erkenntnisse, die Onlinedienste und Werbenetzwerke über uns gewinnen. Mit jedem Klick, den wir machen, verraten wir ein bisschen was über uns. Doch wir können uns durchaus schützen – und das ist heute wichtiger denn je.

Wenn wir im Netz unterwegs sind, hinterlassen wir unbemerkt jede Menge Datenspuren – und die können Onlinedienste und Werbeindustrie lesen. So lernen sie uns mit der Zeit immer besser kennen – und präsentieren zum Beispiel perfekt passende Werbung. In den digitalen Akten von Google, Meta (Facebook), X und Co. stehen jede Menge Infos über uns, vor allem über unsere Vorlieben. Seit 2024 kommen noch KI-Systeme dazu, die diese Datenmengen noch intelligenter auswerten können.

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Klar: Optimal auf meine Bedürfnisse zugeschnittene Werbung kann durchaus praktisch sein. Aber es geht ja auch ums Prinzip: Wollen wir, dass Onlinedienste und Netzwerke so viel über uns wissen? Besonders brisant: Die EU-KI-Verordnung zeigt, dass auch Regulierungsbehörden die Datensammelwut kritisch sehen.

Was können Werbedienste eigentlich buchen?

Wie gut die Betreiber von Online-Portalen und sozialen Netzwerken uns kennen, das zeigt sich, wenn wir mal schauen, was die Werbekunden so alles buchen können: Sie können Zielgruppen nach Alter, Geschlecht, Wohnort, Interessen, Kaufverhalten und sogar Stimmung auswählen. KI-gestützte Targeting-Systeme ermöglichen heute eine noch präzisere Ansprache. Und man erfährt als Werbekunde auch immer gleich, wie viele Menschen man mit seinen Anzeigen erreichen würde.

Das geht nur, weil uns Google, Meta, X und Co. so gut kennen. Wer sich mal einen Eindruck davon machen will, was zum Beispiel Google alles weiß, dem empfehle ich einen Blick in das Google-Dashboard und das neue „Meine Aktivitäten“-Tool.

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Das Google-Dashboard ist eine Übersicht über alle Google-Dienste – und einen Teil der Daten, die Google gesammelt hat. Beispiel: Suchanfragen. Im Dashboard kann man genau sehen, wann man wonach gesucht hat – und sogar, ob man einen Treffer angeklickt hat. Und welchen. Neu hinzu gekommen sind Daten zu KI-Interaktionen mit Gemini und anderen Google-KI-Tools.

Anderes Beispiel: YouTube. Google weiß genau, welche YouTube Videos ich mir angeschaut habe – und wann. Und wie oft. Und welche ich geliked habe. Sogar YouTube Shorts und die Verweildauer bei einzelnen Videos werden erfasst. Jede Menge Daten – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Google Dashboard als Regiezentrale

Unter myaccount.google.com/dashboard kann sich jeder sein individuelles Dashboard anschauen. Google hat die Bedienung 2024/2025 deutlich übersichtlicher gestaltet. Mein Tipp: Alle Daten, die einen stören, kann man hier entfernen. Außerdem kann man festlegen, welche Daten Google sammeln darf – etwa, weil es komfortabel ist –, und welche nicht. Hier sollte jeder mal reinschauen und alles nach seinen Vorstellungen anpassen.

Besonders beeindruckend ist „Meine Aktivitäten“ unter myactivity.google.com: Da kann man sehen, welche Suchbegriffe man in der Vergangenheit eingegeben hat, welche Links angeklickt und sogar welche Sprachbefehle an den Google Assistant gegeben wurden.

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Ähnliche Übersichten – wenn auch nicht ganz so ausführlich – gibt es auch bei Meta, X und anderen Plattformen. Bei Meta zum Beispiel unter den Privatsphäre-Einstellungen. Hier kann man festlegen, ob Meta die Daten für personalisierte Anzeigen verwenden darf oder nicht. Seit dem Digital Services Act (DSA) müssen EU-Nutzer explizit zustimmen.

Google muss man immerhin zugute halten, mit dem Dashboard ein leistungsfähiges Werkzeug bereitzustellen, das eine Menge kann und einfach zu bedienen ist. Da haben Meta und X noch aufzuholen. Trotzdem verrät kein Onlinedienst bis ins Detail, was er über einen weiß. Deshalb hilft nur eins: So wenig über sich verraten wie es geht.

Anonym im Netz mit modernen Tools

Wer anonym im Netz unterwegs sein möchte, der kann sich zum Beispiel eine Art Tarnkappe aufsetzen. Das geht zum Beispiel, indem man den kostenlosen Tor-Browser verwendet. Die aktuelle Version 13.5 ist deutlich schneller geworden und verschleiert zumindest die eigene IP-Adresse.

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Allerdings wird das Surfen dadurch immer noch langsamer. Schneller und noch vielseitiger ist ein so genanntes Virtual Private Network – kurz VPN. Hier werden alle Daten verschlüsselt – und man kann so tun, als ob man gerade woanders ist – zum Beispiel in Los Angeles. Onlinedienste und Werbenetzwerke können einen dann nicht mehr so gut tracken.

VPN-Anbieter 2026: Die besten Optionen

Der VPN-Markt hat sich stark konsolidiert. Führende Anbieter sind heute NordVPN, ExpressVPN, Surfshark und ProtonVPN. Alle bieten moderne WireGuard-Protokolle, die deutlich schneller sind als frühere Technologien. Wichtig: Achtet auf Anbieter mit No-Log-Policy und Sitz außerhalb der „14 Eyes“-Überwachungsallianz.

Moderne VPN-Dienste bieten heute:
– WireGuard-Protokoll für maximale Geschwindigkeit
– Split-Tunneling (nur bestimmte Apps über VPN)
– Integrierte Ad-Blocker und Malware-Schutz
– Dedicated IPs gegen VPN-Erkennung
– Meshnet-Funktionen für sichere Gerätekommunikation

Mein Tipp: Die meisten seriösen Anbieter haben heute 30-Tage-Geld-zurück-Garantien. Davon sollte man Gebrauch machen. Das ist eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob man mit einem VPN klarkommt – und ob es einem etwas bringt. Besonders praktisch: Moderne VPN-Apps funktionieren nahtlos auf allen Geräten und synchronisieren Einstellungen automatisch.

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Alternative Schutzmaßnahmen

Neben VPNs gibt es weitere Möglichkeiten, die Privatsphäre zu schützen: DNS-Filter wie NextDNS oder Quad9 blockieren Tracker auf DNS-Ebene. Browser wie Brave oder Firefox mit entsprechenden Einstellungen reduzieren Tracking erheblich. Und für Smartphones gibt es Apps wie TrackerControl (Android) oder den integrierten App-Tracking-Schutz bei iOS.

Die Kombination mehrerer Technologien bietet den besten Schutz: VPN für die IP-Verschleierung, DNS-Filter gegen Tracker und ein datenschutzfreundlicher Browser für den Alltag. So surft ihr deutlich anonymer – ohne dabei auf Komfort verzichten zu müssen.

Zuletzt aktualisiert am 12.04.2026