Die Kommuniktions-App Snapchat hat neue AGBs herausgebracht – und damit ihre User verunsichert. Denn plötzlich will sich Snapchat die Vewertungsgerechte an den Fotos der User sichern. Allerdings nur unter ganz bestimmten Umständen, wie mittlerweile klar ist.

Snapchat ist eine App, die vor allem von Jugendlichen geschätzt wird. Man kann mit der App wunderbar Fotos austauschen und auch chatten. Das kann man auch mit vielen anderen Apps und Messenger machen – doch einen entscheidenden Unterschied gibt es bei Snapchat: Wenn man ein Fotos verschickt, kann es sich der Empfänger maximal 10 Sekunden anschauen.

Danach wird es gelöscht – beim Empfänger ebenso wie auf dem Server von Snapchat. Fotos werden dadurch flüchtig. Das zieht viele User an: 200 Millionen weltweit. Doch jetzt hat Snapchat seine User mit neuen AGBs aufgeschreckt. Snapchat wolle sich die Rechte an den Bildern sichern, heißt es.

Jörg: Wieso ist Snapchat eigentlich so populär — 200 Millionen User, das ist ja was.
Snapchat kann nicht viel, aber chatten und Bilder mit Freunden austauschen. Viele finden es klasse, dass man sich bei Snapchat nur 10 Sekunden lang ein Foto anschauen kann – dann ist es weg. Auf den Servern von Snapchat werden die Bilder auch nach diesen 10 Sekunden gelöscht. Wird ein Foto nicht angeschaut, ist es nach 30 Tagen weg. Das gefällt den meisten . auch wenn es heute möglich ist, einen Screenshpt von einem verschickten Foto zu machen. Das Konzept ist: Diskretion.

Snapchat-logo

Doch nun scheint Snapchat genau dieses Pfund vergeuden zu wollen: Die neuen AGBs sehen vor, dass sich Snapchat die Rechte an den Fotos sichert. Was ist da los?
Snapchat hat in der Tat neue „Terms of Conditions“ veröffentlicht, also Nutzungsbedingungen. Die sehen vor, dass sich Snapchat die Rechte an Chats und vor allem Fotos sichert, um diese mit Geschäftspartnern teilen zu können.

Viele befürchten ein Ende der geschätzten Diskretion. Denn wenn Snapchat nun anfängt, alle Bilder dauerhaft zu speichern und sogar zu vermarkten, wäre Snapchat nicht besser als andere Dienste. Doch Snapchat hat jetzt in einem Blogpost klargestellt  Die Fotos und Chats bleiben privat. Und sie verschwinden von den Servern – nach 10 Sekunden. Daran ändert sich nichts. Allerdings ändern sich die Spielregeln für die so genannten „Live Stories“. Da will Snapchat tatsächlich Verwertungsrechte für Fotos und Videos haben.

snapchat

Was versteht Snapchat unter Live-Stories?
Snapchat bietet den Usern die Möglichkeit, Fotos oder Videos öffentlich zu stellen – in einer Art öffentlichen Album. Diese Bilder und Videos sind nicht nur für jeden sichtbar, sondern werden auch nicht gelöscht. An diesen Bildern sichert sich Snapchat die Rechte, um sie öffentlich zeigen zu können – und mit Werbeformaten zu monetisieren. Der Onlinedienst will damit konkret Geld verdienen.

Wie soll das gehen?
Snapchat hat sich das was ausgedacht: Das Unternehmen will zum Spezialisten für Live-Berichte über Groß-Events werden, vor allem von Musik- und Sportveranstaltungen. Durch die GPS-Funktion weiß Snapchat ganz genau, wo sich eine Person gerade aufhält oder aufgehalten hat, als eine Aufnahme gemacht wurde. Die GPS-Daten von Veranstaltungen sind  bekannt – und so lassen sich Aufnahmen bequem sammeln und Ereignissen zuordnen. Bilder zu Events können prima vermarktet werden. Die Bilder werden also nicht weitergegeben oder genutzt, sondern hergezeigt – und durch Werbung wird Geld verdient.

Kann das wirklich Umsatz bringen?
Snapchat hofft das. Live-Stories zu Events wäre ein Alleinstellungsmerkmal. Snapchat hat mittlerweile 200 Millionen User und wird mit 16 Milliarden Dollar bewertet. Der Onlinedienst muss nun anfangen Geld zu verdienen. Angestrebt sind eine Milliarde pro Jahr – erst mal. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Es kann nur funktionieren, wenn die User nicht das Vertrauen darin verlieren, dass ihre Daten und vor allem Fotos sicher sind.