Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram – irgendwie scheint es doch schon genug Social Media Dienste und Messenger zu geben. Doch immer wieder probieren sich neue Dienste aus, und manche reüssieren auch. Ein ziemlich erfolgreiches Netzwerk  ist Snapchat. Kennen die meisten nur vom Hörensagen, zumindest die älteren, so ab Anfang 20.

Denn Snapchat ist ein großes Ding bei den Jüngeren: Snapchat ist die App, die man heute haben muss. Entsprechend erfolgreich ist Snapchat auch. Selbst Facebook schaut mit Respekt auf die Entwicklung von Snapchat, denn der Messengerdienst erfindet sich ständig neu – und entwickelt sich mittlerweile sogar zur Nachrichtenquelle.

Zunächst einmal für alle, die Snapchat noch nicht aus dem Effeff kennen: Was ist Snapchat eigentlich? 

Snapchat ist eine Messenger-App, die man kostenlos laden und benutzen kann. Das Besondere an Snapchat ist das Flüchtige: Nachrichten und vor allem auch Fotos, die man jemanden schickt, haben eine sehr kurze Haltbarkeitszeit. Schon nach zehn Sekunden verschwindet ein Foto wieder auf dem Gerät des Empfängers.

Man hinterlässt also weniger Spuren. Diskussionen sind nicht für jeden öffentlich einsehbar, nicht mal die eigenen. Alles passiert im Moment. Deshalb kann auch keiner so ohne Weiteres neugierig seine Nase reinstecken. Das ist der Albtraum, gerade für Jugendliche, dass Eltern oder Großeltern einen „liken“ oder Postings kommentieren.

Auf Facebook und Twitter kann einem das passieren, bei Snapchat ist das undenkbar, nicht zuletzt, weil man sich auch selbst aussucht, mit wem man befreunde sein will und wen man in eine Gruppe lässt. Die Flüchtigkeit ist das Besondere – und macht den Reiz von Snapchat aus.

Snapchat-logo

Aber Snapchat ist mittlerweile mehr als nur ein Messenger-Dienst oder eine Plattform zum Austausch von Fotos. Man kann sich auch mit Snapchat informieren. Wie geht das? 

Snapchat hat spezielle Channels (Kanäle) eingeführt, die Snapchat Discover heißen. Hier bekommen User „Geschichten“ geboten, multimedial aufbereitet. Das sind Texte, Fotos, Bilder und Videos. Kleine Indohäppchen, reich bebildert, die man auf dem Display leicht erfassen und schnell konsumieren kann. Was man sich angeschaut hat, wischt man weg.

Große Namen wie National Geographics, CNN, Buzzfeed oder Vice machen da bereits mit und probieren aus, wie man Geschichten auf Snapchat präsentieren kann. Auch Snapchat Discover ist vergänglich: Die Multimedia-Geschichten stehen maximal 24h zum Abruf bereit, danach sind sie weg. Das zwingt die User, regelmäßig vorbeizuschauen und schnell zu sein. Die Inhaltsanbieter versuchen auf diese Weise, sich dem jüngeren Publikum anzudienen.

 

Es gibt Experten, die sagen, Snapchat entwickelt sich durch Spezialdienste wie Discover und den Snapchat-Storys zu einer „Macht im Bereich der Echtzeit-Medien“. Wie ist das gemeint?

Nun, zum einen können Verlage und Sender in Snapchat mehr oder weniger live und auf jeden Fall sehr direkt multimediale Elemente publizieren. Dann gibt es aber auch noch die Snapchat Storys. Die kann jeder einrichten. Eine Snapchat-Story ist eine Abfolge von Snaps, also Texte, Fotos, Videos. So kann man in aller Ruhe zu einem bestimmten Thema etwas publizieren – und auch entscheiden, wer das sehen darf: Nur man selbst, die Freunde, eine Gruppe – oder jeder Snapchat-Nutzer.

Aber auch die Snapchat-Storys stehen nur 24h zum Abruf bereit, danach sind sie weg. So haben User zum Beispiel bei der Schießerei in San Bernardino, bei der 14 Menschen ums Leben kamen, eine Snapchat Story gestartet und kursierte Bilder, Videos und Infos ins System gestellt – und so mehr oder weniger live die Welt informiert. So kommt Snapchat auf 100 Millionen User täglich, die sehr viel Zeit mit der App verbringen.

Facebook und Twitter versuchen durchaus, eine Alternative zu klassischen Medienangeboten zu sein, indem sie deren Inhalte ins eigene Netzwerk holen, Facebook mit „Instant Articles“, Twitter mit „Moments“. Inwiefern kann Snapchat da konkurrieren?

Snapchat konkurriert durchaus um die Aufmerksamkeit. Snapchat macht es komplett anders: Hier findet man keine Archive, es ist eher wie ein Sender: Da kann man eine Sendung ja auch verpassen – danach ist sie weg. Oder erst heutzutage durch Mediatheken oder Podcasts weniger vergänglich. Aber das Flüchtige ist es, was Snapchat ausmacht.

Deshalb setzen sie verstärkt genau darauf. Auf Snapchat werden heute schon 7 Milliarden Videos am Tag angeschaut. Das ist eine ungeheure Zahl, eine wahnsinnige Reichweite. Facebook bringt es auf 8 Milliarden Videos, bei 1,8 Milliarden Usern. Und bei Facebook werden Videos auch noch automatisch gestartet, ohne dass man sie angeklickt haben muss.

Das gibt es bei Snapchat nicht. Verlage und Sender loten ihre Möglichkeiten aus – und sie wissen genau, dass sie 100 Millionen User erreichen, alle unter 25. Diese Aufmerksamkeit, die Snapchat heute schon hat, macht Facebook und Twitter durchaus nervös – und auf jeden Fall eifersüchtig.