Es hat sich mittlerweile herumgesprochen: Der klassische Desktop-PC ist ein Auslaufmodell. Wer kann, kauft heute ein Gerät, das gleichzeitig Tablet oder Notebook sein kann. Microsoft hat das schon recht früh erkannt und mit seinem Surface ein Modell in den Markt gebracht, das genau diese Vielfalt bietet. Die Bedienung per Stift war anfangs nur Spielerei. Doch das für Sommer angekündigte Update von Windows 10 holt mehr aus dem Stift heraus.

Auf der Entwicklerkonferenz Build 2016 hat Microsoft den Entwicklern erklärt, wohin die Reise aus Sicht von Microsoft geht. Microsoft setzt derzeit voll auf Stiftbedienung. Das für Sommer angekündigte Update von Windows 10, „Anniversary Update“ genannt, sieht für einen eventuell vorhandenen Stift mehr Arbeit vorsieht.

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Windows Ink: Der Stift kann künftig mehr

Was soll man mit einem Stift denn anstellen? Windows Product Manager Brian Roper, der wie ein Popstar auf der Bühne herumtanzt, will uns für eine neue Funktion namens Windows Ink begeistern. So sollen mit dem Stift gemachte Notizen einfacher und auch „intelligenter“ werden. Bei Bedarf soll Cortana einspringen, etwa um Fragen zu beantworten, die man handschriftlich aufschreibt. Windows 10 bietet auch ein virtuelles Lineal, das dazu benutzt werden kann, Objekte parallel auf dem Display zu platzieren.

Anderes Einsatzgebiet: Onlinekarten. Da kann man mit dem Stift eine Strecke markieren, die sofort in eine maßstabgetreue Weglänge umgerechnet wird. Außerdem lässt sich die Karte mit dem Stift beliebig verschieben und drehen. Im Ink-Workspace gibt es künftig mehr Pen-Apps, die dem Benutzer den Einsatz eines Stiftes schmackhaft machen sollen. Malen und zeichnen kann man mit dem Stift natürlich auch.

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Auch Apple setzt auf Stiftbedienung

Noch gibt es nicht allzu viele Geräte, die serienmäßig mit Stift ausgeliefert werden. Microsofts eigene Tablet-Reihe Surface und Surface Pro kann man mit Stift bekommen. Aber auch Apple hat den Charme des Stifts entdeckt: Das Luxus-Tablet iPad Pro lässt sich ebenfalls per Stift bedienen. Bei Apple „Pencil“ genannt. Auch das erst vor wenigen Tagen vorgestellte kleinere iPad Pro kann mit Stift bedient werden. Der Stift kostet 109 EUR extra, erlaubt aber ein äußerst präzises Arbeiten.

Ich habe den Eindruck, Microsoft und Apple wollen den Stift zum neuen „It“-Gerät machen. Ist schick. Ist cool. Muss man einfach haben. Die Idee ist nicht schlecht, denn sowohl Microsoft wie Apple setzen verstärkt aufs Tablet. Microsoft hat damit angefangen, sein Tablet Surface optional auch mit Tastatur bedienbar zu machen.

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Darauf setzt Apple beim iPad Pro ebenfalls. Und weil es viele Situationen gibt, in denen ein Stift praktischer ist als eine Tastatur, eine Maus oder die Bedienung per Fingertippen – nicht nur beim Malen, Zeichnen oder Schreiben -, ist es sinnvoll, mehr Stiftbedienung anzubieten.

Ironischerweise haben die meisten von uns fast schon verlernt, mit einem Stift zu arbeiten. Aber noch ist es nicht zu spät, es doch noch mal zu probieren.